Bügermeister Michael Esken

Mein Rückblick auf den Tag

Dienstag, 24. März 2020, ca. 21:00 Uhr


21:00 Uhr

Auf dem Weg zum Rathaus sehe ich heute Morgen, dass das alte Feuerwehrgerätehaus in Kaunitz nahezu dem Erdboden gleich gemacht ist. Bald wird an gleicher Stelle ein neuer Elli Markt stehen. Die neun Bäume, die zu Beginn der Baumaßnahme aus Versehen gefällt worden sind, sind mittlerweile an Ort und Stelle ersetzt. Darüber freue ich mich natürlich. Auch darüber, dass der Eigentümer Wort gehalten und die Bäume sofort nachgepflanzt hat.

 

Im Rathaus steht der tägliche Statusbericht auf dem Programm. Ich tausche mich mit den Fachbereichsleitungen aus. Ich habe das Gefühl, dass die Lage nach den vielen Umorganisationen und Maßnahmen in der Verwaltung jetzt gut beherrschbar ist. In der Krise ist so eine Art Alltag, alle wissen, was die Stunde geschlagen hat und was zu tun ist, eingekehrt. An der einen oder anderen Stelle wird noch nachgesteuert, aber die Verwaltung ist derzeit voll handlungsfähig. Bleibt zu hoffen, dass der dynamische Prozess dieser Virusinfektion nicht noch mehr böse Überraschungen bereithält.

 

Später liegen notwendige Fragestellungen im Bereich der Personalführung und Verwaltungsabläufe auf dem Schreibtisch. Entscheidungen werden getroffen.

 

Der Tiefbauer berichtet mir, dass eine Hauptwasserleitung am Westfalenweg durch Bauarbeiten der Deutschen Glasfaser beschädigt wurde. Der Schaden ist so groß, dass sogar ein Teil der Straße gesperrt wird. Die Reparatur ist im Gange, aber es wird wahrscheinlich viele Stunden dauern, bis die Leitung hergestellt ist. Eine solche Beschädigung kommt bei der jetzigen Situation zur Unzeit, weil viele Menschen zu Hause sind und Wasser benötigen, nicht zuletzt, um häufiger die Hände zu waschen. Hervorzuheben ist aber, dass die Reparaturarbeiten sofort begonnen haben.

 

Gegen Mittag kommen dann die neuen Zahlen aus dem Kreishaus. Wir haben stark steigende Zahlen, darüber darf nichts hinwegtäuschen. Es gibt leider erstmals einen tödlichen Verlauf im Kreis Gütersloh zu beklagen. Wenngleich in Verl eine Stagnation bei 16 positiv getesteten Fällen zu erkennen ist, weiß ich sehr wohl, dass die Dunkelziffer erheblich höher ist. Ich habe Kenntnis darüber, dass noch einige Verlerinnen und Verler auf den Anruf aus der Kreisverwaltung warten, der sie zum Test einlädt.

 

Am frühen Nachmittag treffe ich mich mit Vertreterinnen und Vertretern der Spontanhilfe, der Nachbarschaftshilfe und dem Caritas Warenkorb. Im Ergebnis wird eine Zusammenarbeit vereinbart. Der Caritas Warenkorb öffnet ab sofort wieder mittwochs in bewährter Form und die Spontanhelfer Verl öffnen jetzt dienstags, donnerstags und freitags in den Räumen der alten Post. Alle wollen helfen und tun dies mit großem Engagement. Dafür heute ein dickes Dankeschön! Am späten Nachmittag sind die Fraktionsvorsitzenden, die Beigeordneten und ich zu einer eine Videokonferenz verabredet. Etwa eine Stunde diskutieren wir über die verschiedenen Maßnahmen im Rathaus und auch Möglichkeiten, Hilfe für die Bürgerschaft, den Vereinen und die Firmen zu leisten. Wir sind uns einig, dass in Sachen finanzieller Hilfe zunächst die Beschlüsse aus Berlin und Düsseldorf abgewartet werden müssen. Wenn es dann anschließend Besonderheiten in Verl gibt, werden wir gemeinsam versuchen, entsprechend zu reagieren. Eines ist aber schon jetzt klar, es wird auch zu erheblichen finanziellen Einbußen in der Finanzkraft der Stadt kommen. Diese sind aus meiner Sicht aber im Vergleich zu der Not, die im Augenblick viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Gewerbeinhaberinnen und -inhaber und andere Gruppen haben, derzeit tragbar.

 

Hier noch ein paar Themen, die mich im Laufe des Tages auch beschäftigt haben: Landwirte haben zum Beispiel die Möglichkeit, sich ein Feuer zum Abbrennen von Strauchwerk genehmigen zu lassen. Ich habe dies allerdings für den Zeitraum April ausgeschlossen, da ich vermeiden möchte, dass in der Nähe zum Osterfest solche Feuer abgebrannt werden.

 

Ein anderes Thema ist Tempo 50 auf dem Dalkeweg. Hier hat über viele Jahrzehnte ein Schild Tempo 50 km/h gestanden. Bei einer Überprüfung der Verkehrszeichen ist aufgefallen, dass dieses Schild eigentlich nie genehmigt worden war, jedenfalls steht nichts in den Akten. Aus diesem Grunde hat das Ordnungsamt verfügt, die Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder zu entfernen. Das gefällt einigen Anliegern nicht. Ich habe versucht, die rechtliche Situation zu verdeutlichen. Für die Anordnung von Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es rechtliche Rahmenbedingungen, die auch eingehalten werden müssen. Diese sind am Dalkeweg nicht erfüllt, so dass hier die Schilder entfernt wurden.

 

Auch gibt es immer wieder die Fragen, was ist den Geschäften im Augenblick erlaubt ist und was nicht. Hier sind das Ordnungsamt und ich im stetigen Kontakt. Wir machen bei einigen Geschäften auch Testkäufe, um zu sehen, ob die Anordnungen eingehalten werden. Der Minister hat einen entsprechenden Bußgeldkatalog heute in Kraft gesetzt. Es können sogar Straftaten vorliegen.

 

Im Ergebnis kann man heute sagen, es war ein fast normaler, sehr langer Arbeitstag in einer Krisensituation. Wir haben uns stand heute auf die Krise eingestellt. Jetzt gilt es, die Maßnahmen zu festigen, die Strukturen zu halten und auch entsprechende Kontrollen durchzuführen, damit wir das gestern beschriebene Lichtlein am Ende des Tunnels auch wirklich sehen können.

 

In diesem Sinne #VerlBleibtZuHause und ich wünsche Ihnen eine gesunde und ruhige Nacht, liebe Verlerinnern und Verler…

 

Ihr Michael Esken

 

#VerlBleibtZuHause#coronaverl