Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Mittwoch, 18. März 2020, kurz vor 22.00 Uhr


22:05 Uhr

Vor ein paar Stunden habe ich mir die Rede der Kanzlerin an die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland angeschaut. Sie hat noch einmal deutlich gemacht, wie schwer die Situation jetzt schon ist und auch noch werden wird.

 

Und während der Rede erhielt ich Mitteilungen aus unterschiedlichen Bereichen der Stadt, dass sich zum Beispiel auf dem Schulhof am Gymnasium rund 20 vornehmlich junge Menschen versammelt haben, laute Musik abspielen und miteinander feiern. Auf dem Sportplatz in Kaunitz gab es eine Ansammlung von jungen Menschen und am Schmiedestrang waren auch einige zusammengekommen, um eine Grillparty zu feiern. Ich leite so ein, weil ich erschreckt darüber bin, wie verantwortungslos noch einige Menschen sind. Ich bitte alle, die diese Zeilen lesen, Menschenansammlungen unbedingt zu vermeiden und mitzuhelfen, dass solche auch gemeldet werden. Alle unsere Maßnahmen, die wir zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus vornehmen, laufen ins Leere, wenn wir nicht strikt gemeinsam handeln.

 

Das Handeln innerhalb der Stadtverwaltung begann heute Morgen schon deutlich vor 8:00 Uhr. Der Erlass der NRW-Landesregierung zu den Geschäften, Gaststätten und vieles mehr musste in Ortsrecht umgewandelt werden. In einer Besprechung mit den Fachbereichsleiterinnen und Fachbereichsleitern haben wir das Für und Wider einer Rathausschließung diskutiert. Am Ende wird sich die Stadt Verl auch der Mehrheit der übrigen Städte im Kreis Gütersloh anschließen und ab Freitag das Rathaus komplett für den Besuchsverkehr schließen. Nur Ausnahmen für wichtige Angelegenheiten sind möglich.

 

Es stellen sich heute Fragen wie z.B. was passiert, wenn in einer Asylunterkunft mit vielen Menschen eine Quarantäne angeordnet werden muss. Es gibt so viele Einzelfragen. Gegen Mittag ist die Allgemeinverfügung dann fertig, wird online gestellt, auch die Eiscafes müssen schließen, obwohl das Wetter natürlich nicht dazu einlädt. Es gibt Anweisungen für die Bestattungsunternehmen ebenso wie für die Kirchen. Die Vielfältigkeit der Bereiche, in denen Menschen in Kontakt kommen und soziales Leben austauschen, ist bunt. Um 13:00 Uhr schaue ich bei der alten Post und der Initiative vorbei, die sich ehrenamtlichen gegründet hat, um hilfsbedürftigen Menschen Nahrungsmittel zu geben. Dort ist man schon zurecht stolz darauf, dass vielen geholfen wird und wurde. Ich sage Daumen hoch!

 

Bei alledem, was ich tue, merke ich, wie ich schon selbst darauf fixiert bin, möglichst große Abstände zu den Gesprächspartnern zu wahren. Es war der einzige Termin, der außerhalb des Büros heute einen persönlichen Bürgerkontakt hergestellt hat. Viele Besprechungen finden mittlerweile per Telefon und Videokonferenz statt. Gegen 17:00 Uhr startet dann die Premiere mit den Fraktionsvorsitzenden aus dem Stadtrat. Erstaunlich und lobenswert, wie gut die Kommunikation gemeinsam mit den Beigeordneten und den Fraktionsvorsitzenden funktioniert. Wir sind uns sehr schnell einig, dass dieses Instrument der Kommunikation eine Fortsetzung finden wird. Zunächst einmal bin ich den Fraktionen sehr dankbar, dass sie ihre Fraktionsräume im Rathaus der Arbeit der Verwaltung zur Verfügung stellen. Damit bin ich auch in der Lage, die Arbeit in der Verwaltung so zu verteilen, dass immer nur eine Kollegin oder ein Kollege sich in einem Büro aufhalten kann. Politisch sind wir uns einig, dass es jetzt nicht an der Zeit ist, auf die parteipolitischen Unterschiede zu schauen, sondern so zu handeln, wie es die Bürgerinnen und Bürger zurecht von uns verlangen: Alles zu tun, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Politische Beschlüsse werden jetzt nur noch gefasst, wenn sie unvermeidbar sind. Sobald in der Verwaltung Beschlüsse vorbereitet sind, werden diese in das Ratsinformationssystem der Stadt unter der Ratssitzung am 5. Mai 2020 online gestellt. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger sehen, welche Beschlüsse anstehen. Diese werden dann nach und nach durch sogenannte Dringlichkeitsbeschlüsse umgesetzt. Der Politik und mir ist es wichtig zu betonen, dass es derzeit keine Beschlüsse geben wird, die notwendige Beteiligungsrechte der Bürgschaft an den Themen einschränken soll. Wir wollen transparent auch jetzt nach außen dokumentieren, welche Beschlüsse anstehen. Ich werde insoweit auch hier in der nächsten Zeit vermehrt darauf eingehen, was beabsichtigt ist, per Dringlichkeit zu beschließen.

 

Das Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden und den Beigeordneten endete mit einer neuen Terminabsprache. Wir sind also im Gespräch, haben ein Team gebildet, dass auch in dieser schwierigen Situation gewillt ist, anzupacken und die Lage zu meistern.

 

Dann erreicht mich noch die erfreuliche Nachricht, dass die Blutspendetermine des DRK in den vergangenen Tagen sehr erfolgreich verlaufen sind. Es gab viele neue Spenderinnen und Spender. Auch ein Zeichen dafür, dass die Verlerinnen und Verler mithelfen wollen. Mithelfen können wir alle, wenn wir jetzt auch darauf achten, dass unsere eigenen Kontakte auf das wirklich Notwendigste reduziert werden. Und dann bitte ich auch um Zivilcourage wenn wir durch die Stadt gehen oder fahren und Menschenansammlungen sehen, die nicht unbedingt sein müssen. Bringen Sie sich nicht in Gefahr, aber weisen Sie deutlich darauf hin, dass wir alle einen Auftrag haben. Der Ordnungsdienst der Stadt wird auch vermehrt darauf achten, dass sich alle ob Geschäftsleute oder Privatpersonen an die Regeln halten: Nämlich genau den Auftrag, den uns die Bundeskanzlerin heute ins Stammbuch geschrieben hat.

 

In diesem Sinne bin ich für heute mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit und gute Nacht...

 

Ihr/Euer Michael Esken