Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Freitag, 20. März 2020, ca. 21:00 Uhr


21:00 Uhr

Der letzte Tag einer Arbeitswoche für die Kolleginnen und Kollegen im Rathaus ist am Morgen angebrochen – eigentlich; denn da ist das Virus und es gilt, es in der Ausbreitung zu verlangsamen. Deshalb wird auch morgen und Sonntag im Rathaus gearbeitet. Die Kolleginnen und Kollegen geben alles und die Themen sind noch immer vielfältig. Es muss auf aktuelle Informationen reagiert werden.

 

Aber der Reihe nach: Zuerst fällt am Morgen auf, dass sich die Stadt Gütersloh noch gestern Abend zu den Kitabeiträgen geäußert hat. Dabei hatten sich der Kreis Gütersloh und die Kommunen mit einem eigenen Jugendamt schon längst darauf verständigt, gemeinsam die erarbeitete Lösung vorzustellen. Auch Verl wird die Kita-Beiträge und die Gebühren zur OGS ab dem 1. April bis auf Weiteres nicht erheben. Wie die Regelung jetzt genau aussieht, das ist auf der Homepage der Stadt Verl beschrieben. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die Kommunen ein einheitliches Vorgehen vereinbart haben und nicht wer zuerst etwas sagt, sondern das etwas geschieht! Damit ist eine erste Regelung vorgeschlagen, die auch finanzielle Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger einerseits und auf den städtischen Haushalt andererseits direkt haben wird. Es ist allerdings noch ein sogenannter Dringlichkeitsbeschluss notwendig. Dieser müsste nächste Woche gefasst werden, wenn die Politik, davon gehe ich nach Rücksprache mit den Fraktionsvorsitzenden aus, dem Vorschlag folgen wird. In den nächsten Wochen werden weitere Entscheidungen zu treffen sein.

 

Die Organisation zu den Auswirkungen der Krise bestimmt weiter den Tagesablauf. Die bisherige Allgemeinverfügung muss erweitert werden. Dies ist die Folge von Feststellungen in den letzten Tagen. Vermehrt haben auch in Verl noch Partys auf öffentlichen Plätzen oder gemeinsame sportliche Aktivitäten mit mehr als fünf Personen stattgefunden. Sport tut gut, aber gut tut in diesen Tagen Sport besser allein betrieben.

 

Auch hat sich herausgestellt, dass private Kinderbetreuungsgruppen organisiert werden. Das wird im Jugendamt registriert. Damit sind leider wieder einige Personen der Bitte, soziale Kontakte möglichst auf die eigene Familie zu beschränken, nicht nachgekommen. Die Folge ist jetzt die Manifestierung von Geboten in einer Anordnung unter Androhung eines Bußgeldes. Ich verstehe immer noch nicht, warum einige Menschen nicht begreifen, worum es hier geht.

 

Später am Abend lese ich, dass es in Italien an einem Tag mehr 600 Tote (!) gab. Eine schreckliche Vorstellung und gleichzeitig aber auch für mich der Auftrag, alles zu tun, damit wir hier im Rahmen unserer Möglichkeiten die akute Gefahr für die Menschen vor Ort möglichst abwenden. Dazu gehört eben auch die sogenannte Allgemeinverfügung. Mir ist schon klar, dass auch damit Grundrechte, die eine Stütze unseres gesellschaftlichen Lebens sind, eingeschränkt werden. Es darf eben nur die Ultima Ratio sein. Aber die Bekämpfung des Virus ist ganz sicher so ein Grund.

 

Gegen Mittag gehe ich unter Beachtung der Abstandsverpflichtung zu den Freundinnen und Freunden, die zur aktiven Nachbarschaftshilfe und zur Spontanhilfe Verl aufgerufen haben in das alte Postgebäude. Dort geben unsere Ehrenamtlichen eine Pressekonferenz. Ich höre angespannt zu und freue mich, dass so viele Menschen in der Stadt schon so viel Gutes getan haben und noch ganz sicher tun werden. Jetzt, wo die Tafel und auch die Caritas ihre Dienste leider einstellen mussten, halten hier Freiwillige mit ihrem Engagement die Hilfe für bedürftige Bürgerinnen und Bürger aufrecht.

 

Ich erneuere mein großes Verständnis für die Menschen, die in den unterschiedlichen Berufen jetzt nah bei den Menschen sein müssen. Und auch diese Personengruppe gilt es zu schätzen. Sie ist unser Rückhalt in schweren Zeiten. Applaus ist das Zeichen der Stunde, nicht die Handreichung. Die Wertschätzung ist mir sehr wichtig!

 

Mich erreichen im Laufe des Tages immer wieder Mails mit Einzelfragen; warum Friseure geöffnet haben, warum ein Kaufhaus geöffnet ist, was der Unterschied zwischen einem Restaurant und einem Imbiss ist, wie es mit der Beitragserstattung von Kita Gebühren tatsächlich aussieht, ob ich helfen kann, wenn kinderreiche Familien einen Einkauf machen wollen und dabei nur die reglementierte Menge erhalten? Fragen über Fragen, ich bemühe mich, alle nach und nach abzuarbeiten. Bis jetzt gelingt es mir, glaube ich jedenfalls, noch ganz gut. Viele Menschen haben Sorgen um ihren Arbeitsplatz, um ihre Firma und auch das ist mir wichtig zu betonen, um die Gesundheit der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger. Da bin ich Herrn Hoffmann von der evangelischen Kirche in Sürenheide sehr dankbar, dass er angeboten hat, die Seelsorge telefonisch zu begleiten. Auch die Stadt Verl wird entsprechend tätig werden.

 


Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt eindeutig noch auf der Prävention und der Organisation von Abläufen. Dazu gehört auch die Arbeit in der Verwaltung. Heute war das Rathaus zum ersten Mal geschlossen. Also müssen jetzt die Kolleginnen und Kollegen genau bei Anrufen herausfiltern, welche Anliegen wichtig und unaufschiebbar sind und welche Anliegen vielleicht noch ein paar Tage oder Wochen warten können. Eine sicherlich nicht immer einfache Abgrenzung. Alle geben ihr Bestes. Ich bitte schon jetzt um Verständnis, wenn eine Abwägung nicht immer im Sinne der einzelnen Bürgerin oder des Bürgers erfolgt.

 

Ich mache mich auf, um mir die Strauchschnittannahme am alten Klärwerk an der Marienstraße anzuschauen. Wir haben sie geöffnet, weil sie an der frischen Luft ist und wir einen ausreichenden Sicherheitsabstand gewährleisten können. Das ist auf dem Wertstoffhof am Westfalenweg leider nicht möglich und deshalb ist er jetzt geschlossen. Ich sehe eine sehr lange Autoschlange. Ich spreche mit einigen Fahrern aus der Distanz und erkundige mich nach ihrem Wohlbefinden. Ich habe den Eindruck, dass trotz der langen Wartezeit, die Menschen wissen, warum sie warten. Allerdings wäre es aus meiner Sicht noch besser, wenn auch diese Wege auf das wirklich notwendigste Tun beschränkt werden. Zuhause ist es im Augenblick bestimmt am besten und am sichersten.

 

Am Nachmittag gönne ich mir einfach einmal eine kleine Pause, angeordnet vom Landrat, der in einer Chat-Gruppe, in der alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Kreises versammelt sind, deutlich gemacht hat, dass auch die Behördenleitungen zwischendurch einmal entspannen müssen. Und wenn der Landrat etwas anordnet, dann sollte man dem in der jetzigen Zeit ohne Widerspruch folgen. Also ab nach Hause, etwas gegessen und einmal die Beine hochgelegt, durchgeatmet. Danach werden wieder circa 25 Mails beantwortet, weitere Entscheidungen getroffen und ganz schnell ist der Tag zu Ende. Wochenende? Ich denke nein: Besondere Situationen erfordern eben auch besondere Handlungen.

 

Jetzt hoffe ich darauf, dass die Verlerinnen und Verler, die bisher noch nicht wirklich verstanden haben, worum es geht, ihre Partys einstellen und damit auch verhindern, dass die Politik die angedrohte Ausgangssperre erlassen muss. Das Ordnungsamt jedenfalls wird verstärkt dafür Sorge tragen, dass die Anordnungen eingehalten werden.

 

Am Abend habe ich dann mal das Heimkino aufgebaut. Und bevor ich jetzt müde ins Bett gehe, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Blocks eine ruhige und gesunde Nacht. Morgen gibt es wieder neue Erfahrungen.

 

Gute Nacht, liebe Verlerinnen und Verler...

 

Ihr Michael Esken