Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Samstag, 21. März 2020, kurz vor 22:30 Uhr


23:30 Uhr

Der Arbeitstag neigt sich dem Ende zu. Es war wieder ein Tag im Zeichen der Covid – 19 Krise. Ausnahmsweise habe ich heute Morgen etwas länger geschlafen, bis 7:00 Uhr. Brötchen habe ich beim Bäcker geholt und natürlich darauf geachtet, dass die sozialen Abstände eingehalten werden. Es ist schon bemerkenswert, wie die meisten Menschen mittlerweile auf die Entfernungen zwischen den Personen achten. Es setzt sich in dem Köpfen fest, dass wir alle gemeinsam einen Auftrag haben: Schutz des Nächsten vor Ansteckung mit dem Virus.

 

Nach dem Frühstück mit der Familie geht jeder seinen Weg. Die Kinder erledigen Aufgaben, die ihnen ihre Schulen übermittelt haben, meine Frau macht Schreibtischarbeit und ich begebe mich ins Rathaus. Zunächst ein ausführliches Gespräch mit meinem Mitarbeiter im Ordnungsamt. Es liegen viele Eingaben von Bürgerinnen und Bürgern darüber vor, was ihnen in der letzten Nacht aufgefallen ist. Auch gibt es zahlreiche Anfragen zu Einzelfällen. Eine Allgemeinverfügung kann eben dann doch nicht jede Besonderheit klären. Wir haben uns darauf verständigt, restriktiv, also zurückhaltend, vorzugehen bei möglichen Ausnahmen.

 

Um 11:00 Uhr gibt es eine Konferenz im Ratssaal. Ich treffe mich natürlich unter Einhaltung eines Mindestabstandes von über 3 Metern mit unserer Grafikerin, der Pressesprecherin sowie den Verantwortlichen für die Homepage. Wir bereiten die Aktion #VerlBleibtZuHause vor. In der nächsten Woche sollen auch entsprechende Plakate aufgehängt werden. Es wird immer wichtiger, dass alle Menschen begreifen, dass es zu Hause am sichersten ist. Nur die notwendigen Einkäufe und Arbeiten, soweit die Firmen tätig sind, sollen erledigt werden. Das wird in der nächsten Woche sehr wichtig für uns alle sein. In der Zwischenzeit meldet sich auch ein heimisches IT-Unternehmen und bietet kostenlose Hilfe bei der Internetgestaltung für eine Vernetzung von Angeboten für Liefer- und Bringdienste an. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken, da auch unsere Webexperten derzeit ein riesiges Pensum absolvieren. Sie kümmern sich eben nicht nur um den Inhalt der Seiten, sondern müssen auch Videokonferenzen für verschiedene Bereiche vorbereiten, technische IT-Ausrüstung für die Kolleginnen und Kollegen herstellen und vieles mehr.

 

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses leisten aus meiner Sicht derzeit großes. Ich sehe sehr wohl, dass alle deutlich über das Limit hinaus gehen. Ich nutze jetzt einfach einmal die Möglichkeit, mich bei den Kolleginnen und Kollegen ob z.B. in der Kernverwaltung, beim Bauhof, beim Klärwerk, in den Kitas oder der offenen Ganztagsschule, in den Schulen und allen Bereichen der Stadtverwaltung für das Engagement zu bedanken. Natürlich weiß ich auch, dass alle Menschen, die derzeit in pflegenden Berufen tätig sind, ob bei alten Menschen, bedürftigen Kindern oder in den Arztpraxen oder Kliniken auch über das Limit gehen und einen riesigen Applaus verdient haben. Ich will auch niemanden vergessen, und schließe daher jeden ein, der in dieser schwierigen Situation für die Mitmenschen arbeitet. Dazu zählen ganz sicher auch die Frauen und Männer in den Supermärkten. Seien Sie alle virtuell gedrückt!

 

Am frühen Nachmittag schnüre ich dann meine Laufschuhe unter und mache meinen Kopf wieder frei, 11 km in rund 1 Stunde. Dabei sehe ich viele Jogger und bin glücklich darüber, dass maximal zwei Personen zusammenlaufen. Denn auch beim Sport kann man das Virus übertragen. Zwischendurch tickert der Landrat die neuen Zahlen auf mein Handy. Schon wieder eine Zunahme von 2 Personen auf nunmehr 14, die vom Labor positiv auf das Virus getestet wurden.

 

Nach Ende der Mittagspause findet eine Videokonferenz statt. Hierbei geht es um die abschließende Festlegung zum eben beschriebenen neuen Hashtag für Verl.

 

Dann erreicht mich ein Hilferuf einer Betreuerin, die auch segensreiche Arbeit in der Kinderbetreuung für Kinder, deren Eltern den sogenannten wichtigen Berufsgruppen angehören, macht. Ich will nicht glauben, was sie mir schildert. Da gibt es Eltern, die schicken ihre Kinder morgens in die Frühbetreuung und die Kinder erzählen den Betreuern dann, dass ein Elternteil zu Hause sei. Kindermund tut wohl Wahrheit kund. Dem Hinweis werde ich am Montag persönlich nachgehen. Ich habe sogleich den zuständigen 1. Beigeordneten Heribert Schönauer informiert. Er verspricht hier am Montag mit den Leitungen zu sprechen, um einen möglichen Missbrauch auf die Schliche zu kommen und einzudämmen. Es darf nicht sein, dass Elternteile unser System, das auch von den Betreuungspersonen viel abverlangt, ausnutzen.

 

Ich fahre etwas später selbst in die Stadt: Mir hat eine Bürgerin mitgeteilt, dass es wieder und jetzt muss ich mich nochmals ärgern, eine Ansammlung von Personen auf dem Parkdeck des Kombi-Marktes gegeben hat. Ich fahre also auf das Parkdeck, sehe acht Personen mit zwei großen Hunden, traue mich aber nicht, aus dem Wagen zu steigen, fahre aber ganz nah an die Gruppe heran, zeige durch meine Fensterscheibe den Dienstausweis, offensichtlich haben Sie den Bürgermeister nicht erkannt, und mache eine klare Ansage, sie sollen verschwinden. Das tun sie dann auch und oh wie Wunder, treffe ich die Gruppe dann erneut auf dem großen Parkplatz vor der Gesamtschule. Als sie mich gesehen haben, haben sie gleich mal den Sicherheitsabstand auf über 2 m zwischen den Personen erhöht. Also bleibt die Hoffnung, der Glaube fehlt mir noch, dass hier Verstand einkehrt. Ich bitte nochmals an dieser Stelle um Zivilcourage, bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr, aber weisen Sie Gruppen darauf hin, dass sie andere in Gefahr bringen.

 

Eine Zahl beeinflusst mein Gemüt heute Abend erneut: 800 weitere tote Menschen in Italien innerhalb eines Tages. Jetzt weiß ich einmal mehr, warum wir das alles machen. Wir müssen unsere Bürgerinnen und Bürger schützen.

 

Dann gegen 19 Uhr soll die Aktion starten #VerlBleibtZuHause. Es klappt! Viele Menschen schließen sich an. Ich bin sehr froh darüber. Und jetzt bleibe ich auch zu Hause nach einem fast normalen Arbeitstag in der Krise.

 

Ich wünsche gute Nacht…

 

Ihr Michael Esken

 

#coronaverl #VerlBleibtZuHause