Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Sonntag, 22. März 2020, ca 21:45 Uhr


21:45 Uhr

Kurz vor Ende des Tages überschlagen sich die Ereignisse: Erst gibt der Landrat eine notwendige Verfügung für den Kreis Gütersloh bekannt, dann um 16:30 Uhr überholt ihn der Ministerpräsident mit einer Ankündigung und um 17:30 Uhr fasst die Bundeskanzlerin alle Geschehnisse und Verfügungen zusammen. Ich habe bereits die Mitteilungen der Kanzlerin gepostet, damit sich jetzt schon jeder auf die Dinge, die ab morgen in die Umsetzung gehen, vorbereiten kann.

 

Jetzt aber zum Tag im Einzelnen: Die Sonne scheint und es verspricht, ein schöner Tag zu werden. Es ist kalt und etwas windig, aber schon gutes Wetter am Morgen, um einmal an die frische Luft zu gehen. Nach den Anstrengungen der letzten Woche beginnt der Tag mit der Familie. Im Laufe des Tages verdichten sich die Meldungen, dass es zwar kein Ausgehverbot aber ein Kontaktverbot geben soll. Der Grund dafür ist, dass immer mehr positiv getestete Personen das Fortschreiten des Virus verdeutlichen. Die Zahlen steigen weiter rasant an.

 

In der Mittagszeit schaue ich mir eine wichtige Vorlage für die Stadt Verl an. Inhalt ist die Ausschreibung für das Finden eines Architekturbüros. Die Ausschreibung muss unbedingt auf den Weg gebracht werden, damit die Gesamtschule und das Hallenbad endlich konkret geplant werden können. Dafür ist eine Sondersitzung des Rates am 31. März vorgesehen. Ob und wie sie stattfindet muss ich noch zeitnah klären. Damit sich die Ratsmitglieder auch entsprechend vorbereiten können, möchte ich vor der normalen Ladungsfrist die Vorlage fertig gestellt wissen. Es geht um das wichtigste Projekt der Stadt Verl für die Schülerinnen und Schüler sowie für den Schulstandort Verl. Ich möchte nicht, dass bei allen Diskussionen um das Coronavirus die Planungen aufgehalten werden. Am Dienstag werde ich dann mit den Fraktionsvorsitzenden das weitere Vorgehen besprechen. Wir müssen unbedingt vorankommen mit dem Bauvorhaben. Andere Maßnahmen können derzeit etwas geschoben werden, aber die Gesamtschule liegt mir sehr am Herzen. Deshalb werde ich hier am Ball bleiben.

 

Am Nachmittag häufen sich bei mir die Meldungen über insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in größeren Gruppen aufhalten. Dabei sind die Sportplätze, der Marktplatz und die Schulhöfe, obwohl sie gesperrt sind, Gegenstand der Mitteilungen. Der Ordnungsdienst der Stadt und auch die Polizei fahren verstärkt raus. Ich gehe davon aus, dass mit den neuen Anordnungen aus Düsseldorf, die in Kürze umgesetzt werden, auch die letzten verstanden haben werden, wie ernst die Lage ist. Ich werde morgen in der Dienstbesprechung mit den Fachbereichsleitungen Lösungen erarbeiten, damit es hinsichtlich der Kontrollen auch künftig klappen wird. Die Arbeit wird für den Ordnungsdienst umfangreicher!

 

Es gibt auch heute zahlreiche Mails, übrigens auch zu Themen wie der Glasfaserausbau, und private Nachrichten zu beantworten. Die meisten Menschen haben Fragen zur Umsetzung der bisherigen Allgemeinverfügung. Ich habe bereits deutlich gemacht, dass sich die Lage und die Ereignisse am frühen Abend überschlagen. Viele Auskünfte, die ich am Nachmittag noch gegeben habe, sind seit den Worten der Bundeskanzlerin überholt. Angela Merkel sagt zurecht: „Wir müssen in der Lage lernen“. Die Politikerinnen und Politiker haben die Erfahrung gemacht, dass die bisherigen Maßnahmen offensichtlich nicht ausreichen. Die vielen Menschen, die in Italien Opfer des Virus geworden sind, sprechen eine ganz traurige Sprache. Wenn das Militär in Italien die Verstorbenen ins Krematorium bringt, dann sollten und müssen jetzt auch alle Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden, die Menschen vor Ort zu schützen.

 

Ich lese heute aufmerksam die Verfügungen aus Berlin und NRW. Wir werden ab morgen noch schärfere Bedingungen für viele Bürgerinnen und Bürger erleben. Es gibt auch bei mir immer wieder Anfragen, ob es von einzelnen Bestimmungen Ausnahmen gibt, so zum Beispiel für Familien. Grundsätzlich ist mein Rat, alles zu tun, was die Ausbreitung des Virus eindämmt. Natürlich gibt es immer Ausnahmen und wahrscheinlich gibt es auch Ausnahmen von den Ausnahmen. Viele Menschen haben wahrscheinlich zurecht einen Grund, warum eine Anordnung für sie möglicherweise gerade nicht zutreffend sein könnte. Hier ist aber auch jetzt jeder selbst und eigenverantwortlich gefordert! Mit Allgemeinverfügungen kann man nicht jeden Einzelfall ins Kleinste regeln. Unterstützen Sie einfach unsere Aktion #VerlBleibtZuHause ! Viele Menschen haben bereits diesen Hashtag verlinkt, selbst angewendet und geteilt. Es zeigt sich eine große Gemeinschaft in der Stadt Verl. Das macht mir Mut, das ist eine gute Entwicklung! Auch wenn heute Nachmittag die Zahl der positiv getesteten Personen sich in Verl um 2 auf 16 erhöht hat.

 

Mut macht mir auch, dass sich der ganz überwiegende und große Teil unserer Bürgerschaft an die Regeln hält. Man könnte auch sagen: Die Mehrheit hat verstanden! Deshalb gilt heute Abend mein Lob allen Bürgerinnen und Bürgern von Verl, die sich vorbildlich verhalten. Danke dafür!

 

Fordern Sie übrigens den Ordnungsdienst der Stadt lieber einmal zu viel an als zu wenig. Aber einen Appell habe ich dann doch noch: Bevor jemand den Ordnungsdienst oder die Polizei anruft oder einen Post bei Facebook absetzt, möchte er doch bitte prüfen, ob er die Lage vielleicht selbst durch eine entsprechende Ansprache der angetroffenen Personen regeln kann. Es gibt natürlich Situationen, da geht das nicht. Eine solche habe ich gestern in meinem Beitrag beschrieben. Kampfhunden wollte ich mich dann doch nicht ungeschützt aussetzen.

 

Ich erinnere mich sehr gut, wie ich am letzten Sonntag nachmittags vom Laufen kam und während des Sports ich mir ein paar Anweisungen für die Stadtverwaltung in Sachen Organisation im Zeichen der Krise überlegt habe. Die vergangene Woche wurde aber dann so dynamisch, wie ich es noch nicht und bestimmt viele andere auch noch nie in ihrem Leben erlebt haben. Wir haben es tatsächlich mit der größten Krise nach dem Weltkrieg zu tun. Das ist jetzt nicht dramatisch formuliert, sondern leider Realität. Innerhalb einer Woche wurden so viele Verfügungen erlassen, die das Leben in der Stadt Verl reduziert und wesentliche Grundrechte eingeschränkt haben, wie nie zuvor. Ich unterrichte auch an der Fachhochschule junge Menschen in dem Fach Staatsrecht und lehre dabei auch die Möglichkeiten der Einschränkung von Grundrechten. Die Fälle, die wir in der letzten Woche umgesetzt haben, zeigen, dass auch hier die Lehrbücher ein paar Lücken haben. Pandemien werden eher am Rande beschrieben. Die Politikerinnen und Politiker haben jetzt das Heft des Handelns in die Hand genommen und schauen nach vorne. Notwendige Maßnahmen werden aktuell zum Schutz der Gesundheit ergriffen und ich hoffe auch darauf, dass den vielen Menschen, die einen wirtschaftlichen Schaden erleiden, und das dürfte der ganz überwiegende Teil der Bevölkerung sein, geholfen wird. Nach dem, was ich aus Berlin und Düsseldorf höre, besteht die Hoffnung auf wirtschaftliche Hilfe.

 

Am Abend erreichen mich dann noch viele schöne Videos von Menschen, die Freude schöner Götterfunken spielen. Allen Musikerinnen und Musikern, die sich daran beteiligt haben, ein herzliches Dankeschön. Wir stehen zusammen und werden auch weiterhin zusammenstehen.

 

Morgen geht es dann darum, die Ankündigungen der Politik zu den weiteren Einschränkungen umzusetzen. Ich bin mir sicher, viele Bürgerinnen und Bürger werden in der Nacht darüber nachdenken. Trotzdem: Ich bin hoffnungsvoll! Ich entlasse Sie jetzt für diesen Tag in die Nacht hinein mit einem aufrichten gute Nacht, liebe Verlerinnen und Verler ...

 

Ihr Michael Esken

 

#VerlBleibtZuHause #coronaverl