Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Donnerstag, 26. März 2020, ca. 21:00 Uhr


21:00 Uhr

Die schöne Geschichte des Tages zuerst: Ich rufe bei einer Dame, die heute ihren 95. Geburtstag feiert, an. Sie erwartet keine Gäste, keine Enkelkinder oder Kinder und sie hat für die Situation Verständnis. Sie erfreut sich nach eigenem Bekunden guter Gesundheit und erklärt mir, dass sie eine solche Situation in ihrem langen Leben bisher noch nie erfahren hat. Sie erzählt von den Kriegsjahren, von der Zeit danach, von den Entbehrungen in ihrem Leben, von Glücksmomenten und dem Wiederaufbau auch hier bei uns in Verl. Sie ist sehr erfreut darüber, dass ich anrufe und gratuliere. Sie berichtet mir weiter über ihren Werdegang, ihre Familie und darüber, dass sie sich als 95-jährige nicht von diesem Virus unterkriegen lasse. Sie hat Verständnis auch dafür, dass wir, die stellvertretende Bürgermeisterin, der stellvertretende Bürgermeister und ich, derzeit keine Seniorenbesuche durchführen. „Bleiben Sie zu Hause und lenken Sie die Stadt“, ruft mir das Geburtstagskind zu. Ich sage der Dame, dass ich im Büro sitze, da lacht sie. Auf der anderen Seite des Telefons sitzt offensichtlich eine engagierte 95-jährige! Wir diskutieren weiter über verschiedene Themen und über ihre Geburtstagsfeier, die in diesem Jahr dem Virus zum Opfer fällt. „Das macht nichts, Hauptsache ich bleibe gesund und die Geburtstagsfeier können wir im nächsten Jahr doch nachholen“, sagt sie. Ich bin erfreut über so viel Lebensfreude, Mut und dem Willen, dieser möglichen Krankheit zu trotzen. Meine Gesprächspartnerin ist guten Mutes. Und auch für mich war dieses Telefonat eine echte Abwechselung im mittlerweile eingenommen Krisenmodus.

 

Als ich später die aktuellen und traurigen Zahlen von verstorbenen älteren Menschen aus Italien und auch aus Spanien und Frankreich, dort werden sogar nach Recherchen von n-tv teilweise keine Beatmungsgeräte mehr bei über 80-jährigen angeschlossen, lese, dann fühle ich mich in meinem Handeln bestätigt: Wir müssen alles tun, damit sich der Virus in der Ausbreitung verlangsamt. Wir brauchen unbedingt genügend freie Intensivbetten in Deutschland, um möglichst vielen Menschen das Leben zu retten. Es darf nicht soweit kommen, dass unser Gesundheitssystem versagt und Ärzte entscheiden müssen, wem sie die Möglichkeit zur Beatmung und damit auf Genesung geben. Nicht vorstellbar ist diese Vorstellung für mich!

 

Die Fachbereiche melden heute weiterhin Einsatzfähigkeit. Die Baustellen laufen und eine Fülle von Informationen sollen im Laufe des Tages an die Bürgerinnen und Bürger weitergegeben werden. Die Pressesprecherin der Stadt hat viel zu tun, verfasst mit Akribie die entsprechenden Pressmitteilungen, die von der Erweiterung der Sperrmüllsammlung bis hin zu mehr Transparenz bei den Dringlichkeitsentscheidungen des Rates reichen. Wer mehr wissen möchte, bitte einfach auf die Sonderseite der Homepage der Stadt Verl unter dem Stichwort „Corona“ schauen.

 

Mit einem Brief an alle Gewerbetreibenden wende ich mich heute auch an eine große Stütze unserer Stadt, der Wirtschaft. Die meisten Gewerbesteuerzahlerinnen und Gewerbesteuerzahler machen ebenfalls ganz schwere Zeiten durch. Einige von ihnen sind ideenreich und versuchen aus dieser Krisensituation noch zumindest ein Fünkchen Umsatz zu generieren. Wir bereiten deshalb intensiv eine Sonderseite im Internet vor. Wenn alles klappt, dann geht sie in Kürze an den Start und beinhaltet die verschiedenen Angebote der Firmen und Geschäfte.

 

Im Laufe des Tages verfasse ich auch eine Information an die Kolleginnen und Kollegen im Rathaus vor. Sie werden morgen umfassend über die weitere Arbeit der Stadtverwaltung unterrichtet.

 

Das Ordnungsamt arbeitet derzeit in Schichten und führt die angekündigten Kontrollen durch. Leider müssen wieder Bußgeldverfahren eingeleitet werden. Aber der Ordnungsamtsleiter berichtet mir, dass man insgesamt von einer ruhigen Lage sprechen könne.

 

So widme ich mich wieder den vielen E-Mails und Mitteilungen zu verschiedenen Themen. Pfarrer Hoffmann von der evangelischen Kirche hat schon vor ein paar Tagen seine Unterstützung angeboten. Wir konkretisieren diese, so dass ich in Kürze näheres dazu sagen kann.

 

Ein ehemaliger Soldat hat den Aufruf des Reservistenverbandes der Bundeswehr, sich freiwillig zur Verfügung zu stellen, gelesen, und meldet sich. Ich schaue, wo wir das Hilfsangebot umsetzen können.

 

Eine besorgte Mutter schreibt mir, dass sie Sorgen habe, dass die Kinder nicht genügend Informationen aus der Schule mitnehmen. Sie vergleicht verschiedene Schulen miteinander und bittet um Unterstützung. Da kann ich allerdings nur bedingt behilflich sein, weil die Stadtverwaltung und ich zunächst einmal keinen Einfluss auf die sogenannten innerschulischen Abläufe haben. Das Lehren und die Vermittlung des Lernstoffes obliegen einzig und allein den Schulen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern. Wir als Stadtverwaltung koordinieren die Hülle, also die Schulbauten nebst Ausstattung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind ausschließlich die Hausmeister und Schulsekretärinnen. Ich habe dennoch Verständnis für die Mutter und kläre ihre Fragen mit der Schulleitung ab.

 

Heute haben Kollegen aus dem Rathaus auch mit unseren Rechtsanwälten gesprochen, um den von mir gestern mitgeteilten Baustopp näher zu betrachten. So ist das Leben der Juristen: Es gibt wie so häufig unterschiedliche Auffassungen. Die Rechtsanwälte der Stadt raten dringend zu einer Beschwerde und damit zu einem Rechtsmittel. Das wird dann wohl in den nächsten Tagen eingelegt werden. Ich bin gespannt, wie das Oberverwaltungsgericht in Münster entscheiden wird.

 

Auf meinem Weg durch die Stadt sehe ich auch, dass unsere Plakataktion mittlerweile im Stadtbild angekommen ist. #VerlBleibtZuHause ist in vielen Schaufenstern zu sehen und die Plakate hängen an den Lichtmasten. Ein Freund schickt mir eine Nachricht und bittet um ein schwarz gelbes Plakat. Das sei ihm gegönnt, das blau weiße Plakat behalte ich für mich. Insoweit war es gut, dass unsere Mediendesigner Plakate in allen Verler Farben entwickelt haben. Es fällt mir übrigens mittlerweile sehr deutlich auf, dass viele Bürgerinnen und Bürger unseren Hashtag auch mit ihrem Profilbild in den unterschiedlichen Medien verknüpft haben. Die Aktion kommt gut an.

 

Zwischendurch gibt es dann auch die aktuellen Zahlen des Kreises Gütersloh. Nach ein paar Tagen der Stagnation ist jetzt auch in Verl die Anzahl der positiv getesteten Personen um drei auf 19 gestiegen. Ich gehe fest davon aus, dass wir in den nächsten Tagen noch weiterhin eine Zunahme erfahren werden. Auch wenn viele sich mittlerweile an diese Situation, in der wir uns befinden, gewöhnt haben, es darf keine Minute darauf verwendet werden, in der Umsetzung der Anordnungen nachzulassen. Wir sind noch nicht über den Berg und im Sinne meiner 95-jährigen Gesprächspartnerin von heute, die wir alle zusammen schützen müssen, bitte ich die Bürgerinnen und Bürger aufmerksam zu sein.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine ruhige und gesunde Nacht, liebe Verler Bürgerinnen und Bürger…

 

Ihr Michael Esken

 

#VerlBleibtZuHause#coronaverl