Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Mittwoch, 1. April 2020, ca. 21:00 Uhr


21:00 Uhr

Wieder neigt sich ein Tag im Krisenmodus dem Ende zu. Die Kanzlerin stimmt uns darauf ein, dass die Beschränkungen auch über die Osterfeiertage andauern werden. Wir machen hier vor Ort unsere Arbeit. Sie ist heute eine Mixtur zwischen dem Leben unter besonderen Umständen und dem Abarbeiten von Routinen. Es gibt etwas Freiraum bei der Büroarbeit: Darin schaue ich nach vorne, schmiede neue Pläne, berate mich mit Kolleginnen und Kollegen über Ideen und für eine ganz kurze Zeit sind die Gedanken ausnahmsweise nicht bei dem Virus, das ich vor einem halben Jahr noch nicht einmal kannte.

 

Immer wieder schweift der Blick auf die aktuellen Meldungen aus den Nachrichtenredaktionen. Überall in der Welt gibt es derzeit fast nur ein Thema. Was mir dabei auffällt: All´ die Länder, die extrovertierte Regierungschefs haben, hatten noch vor einer Woche nach Aussagen ihrer Staatsoberhäupter kein echtes Problem mit dem Virus, jetzt trifft es sie aber umso härter. Ist das Zufall bei diese Ländern? Kaum! Ich bin froh, in Deutschland mit sowohl einer verantwortungsvollen Regierung als auch in Masse verantwortungsbewussten Opposition zu leben. Ich habe das Gefühl, dass die Arbeit, die wir vor Ort in Verl als Ordnungsbehörde zur Bekämpfung des Virus nah bei den Bürgerinnen und Bürgern erledigen müssen, anerkannt ist und von der ganz großen Mehrheit akzeptiert wird. Vielleicht ist es wichtig, dass wir so weit wie möglich transparent arbeiten.

 

Im Laufe des Tages werden die Beschlüsse der interfraktionellen Runde von gestern umgesetzt. Aufträge werden erteilt, Verfahren angestoßen! Die Besprechung mit den Fachbereichsleitern dauert heute etwa eine Stunde. Es geht um viele Details, die geklärt werden müssen, auch mit Blick darauf, was passiert, wenn es entweder zu einer Verschlimmerung der Lage oder zu einer Lockerung der Anordnungen kommt. Wir wollen möglichst für viele Eventualitäten vorbereitet sein. Die Dynamik der ersten Tage der Krisensituation, in der es stündlich andere Mitteilungen gab, ist eindeutig verlangsamt. Jetzt hoffe ich darauf, dass sich auch die Ausbreitung des Virus verlangsamt.

 

Am Montag habe ich von einer langen Videokonferenz berichtet. Heute steht die Nacharbeit in Schriftform auf dem Programm; es wird an Formulierungen gefeilt und es werden Kompromissvorschläge erarbeitet. Die Videokonferenz wird am Freitag fortgesetzt. Bis dahin muss ich mich mit allen neuen Details, die über viele Seiten gehen, vertraut machen. Also steht ein ergänzendes Aktenstudium auf dem Programm.

 

Nachgesteuert wird in Kürze die Internetseite für die Kaufmannschaft und Gastronomie sowie das Handwerk und Gewerbe. In der letzten Woche sind wir mit einer Betaversion zu den aktuellen Angeboten an den Start gegangen. Es gibt mittlerweile viele Anregungen, diese sollen möglichst eine Umsetzung erfahren. Noch prägnanter und besser auffindbar sollen die Angebote der heimischen Wirtschaft werden. Wir wollen einen eigenen Slogan entwickeln, um den Wiedererkennungseffekt zu steigern. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse, die sich Webdesigner und Marketingleute einfallen lassen. Wichtig ist mir, dass die vielen Angebote unserer lokalen Betriebe möglichst einfach und schnell auffindbar sind.

 

Die Kreativität der heimischen Wirtschaft ist übrigens auch daran zu erkennen, dass einige Betriebe ihre Produktpalette der jetzigen Situation angepasst haben. So gibt es neudings verschiedene Hersteller in Verl, die sich der Hygiene und Vorsorge gewidmet haben. Ich drücke die Daumen, dass mit solchen Produkten das an anderer Stelle ausbleibende Geschäft kompensiert werden kann.

 

Wie zu erwarten war, gehen in der Verwaltung einzelne Anträge auf Reduzierung der Vorauszahlung für die Gewerbesteuer ein. Im Bereich des Sozialamtes gibt es weiterhin einen Zuwachs von verschiedenen Anträgen. Das gut aufgestelltes Jugendamt bereitet sich auf mögliche bald kommende kritische Situationen vor, die sich in Familien entwickeln, wenn z.B. diese für eine längere Zeit auf engsten Raum zusammenleben müssen.

 

Der Kreis Gütersloh liefert heute neue Zahlen und kündigt an, dass er demnächst in der offiziellen Tabelle auch die Anzahl der genesenen Personen den kreisangehörigen Kommunen spitz zuordnen wird. Ich erhalte einen Vorabauszug. Danach haben wir jetzt neun genesene Personen in unseren Stadtgrenzen. 27 Personen (icl. der genesenen) sind bisher positiv getestet worden.

 

Am Nachmittag wird eine Anregung von heute Vormittag umgesetzt. Es gibt in Verl einige Haushalte ohne blaue Tonne, weil nicht genügend Stellplatz vorhanden ist. Ferner bringen viele Betriebe, insbesondere kleinere, regelmäßig ihr Papier und ihre Kartonage zum Wertstoffhof. Es gibt also eindeutig einen Bedarf nach Kapazitäten. Wir überlegen in der Verwaltung kurz und entscheiden dann, dass analog der Strauchschnittannahme die Annahme des Altpapiers und der Kartonagen wieder geöffnet wird. Natürlich unter ganz strengen Auflagen und verbunden mit eventuellen Wartezeiten. Verls Stadtverwaltung kann auch in Krisenzeiten auf Sachverhalte schnell reagieren.

 

Dann wird mir ein Bild vom Verler See übermittelt; dort gibt es ein kleines Zelt. Das Ordnungsamt überprüft den Sachverhalt sofort und stellt fest, dass Angler ihr Quartier in dem Bereich, der für sie vorgesehen ist, aufgeschlagen haben. Es dürfen auch dort nicht mehr als zwei Personen zusammen sein. Die Angler halten sich an die Auflagen.

 

Ich bleibe dabei, #VerlBleibtZuHause ist immer noch die beste Alternative! Jeder Mensch muss eigenverantwortlich selbst wissen, was er unter Beachtung der Regeln macht. Die Bürgerinnen und Bürger reagieren auf Situationen, auch deshalb, weil sie natürlich selbst großen Wert darauf legen, möglichst nicht angesteckt zu werden.

 

Mit einem Appell an die eigene Verantwortung für sich selbst und die anderen möchte ich mich heute in die Nacht verabschieden. Schlafen Sie ruhig und wachen Sie gesund wieder auf, liebe Verlerinnen und Verler…

 

Ihr Michael Esken

 

#VerlBleibtZuHause#coronaverl