Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Mittwoch, 17. Juni 2020, ca. 22:15 Uhr


22:15 Uhr

Corona ist mit Macht zurück im Kreis Gütersloh! Ich entschließe mich daher, meinen Blog wieder aufzunehmen und über wichtige Details zu berichten.

 

Kurz nach 8 Uhr unterrichtet mich der Leiter des Kreiskrisenstabes über die aktuellen Befunde der Reihenuntersuchung bei der Firma Tönnies. Ich frage mehrfach nach, ob ich die Zahl richtig verstanden habe. Ich will zunächst nicht glauben, welche Zahl ich gehört habe. Doch mit der Einladung zur Krisensitzung für 10 Uhr ins Kreishaus Gütersloh verfestigen sich die Daten. Ich habe soeben von einer Größenordnung erfahren, die um ein Vielfaches höher liegt als die gesamten positiven Coronabefunde des letzten Tages in der Bundesrepublik Deutschland. Ich formuliere: Es ist eine erschütternde Entwicklung. Wir waren auf einem guten Weg und werden heute mächtig zurückgeworfen.

 

Gemeinsam mit dem Ordnungsamtsleiter fahre ich zur Krisensitzung des Kreises. Vertreter der Bezirksregierung sind ebenso anwesend wie Vertreterinnen und Vertreter aus Rheda-Wiedenbrück, Gütersloh und des Kreises. Mit dabei ist auch die Geschäftsführung der Firma Tönnies mit ihrem Chef an der Spitze.

 

Nach der ersten Analyse der Situation werden Entscheidungen gefällt: Die Schlachtungen müssen eingestellt und der Betrieb runtergefahren werden. Am Ende soll der Betrieb stillstehen.

 

Wir werden informiert, wie sich Werkvertragsarbeiterinnen und -Arbeiter in den letzten Wochen bewegt haben. Es gab Zu- und Wegzüge, die Grenzen waren offen. Die Lockerungen in Europa gelten auch für die Gruppe der Werkvertragsarbeiterinnen und -Arbeiter. Wir erfahren, dass auch Verbindungen aus dieser Gruppe in einzelne Religionsgemeinschaften hinein bestehen. Dadurch werden Kontakte zwischen der Gruppe der Werklohnarbeiterinnen und -Arbeiter und anderer Bürgerinnen und Bürger geschaffen. Deshalb ist es wichtig, auch diese möglichen Infektionsketten genau zu beobachten und zu analysieren. Eine Schul- und Kita-Schließung ist deshalb als erste Maßnahme unausweichlich. Wenn mehr Informationen über die Wohnorte der betroffenen Personen vorliegen, kann es zu lokalen Unterschieden bei den Schließungen kommen. Ehrlich gesagt, gehe ich aber nicht davon aus, dass Verl nicht betroffen ist. Hier leben rund 500 Menschen in einem Werkvertragsverhältnis, rund 350 davon arbeiten bei Tönnies.

 

Der Kreis erklärt zu den Schul- und Kita-Schließungen am Abend ergänzend:

„Hintergrund dieser Entscheidung war, dass die Schulen und Kindergärten jüngst -  auch trotz der Sorgen eines Teils der Eltern, Lehrer und Betreuer - wieder weitgehend geöffnet wurden und es daher dort wieder zu engeren Kontakten zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kommen kann. Die Festlegung dies kreisweit zu tun und nicht nur für die Kommunen zu treffen, in denen die „überwiegende“ Zahl der Beschäftigten der Werkvertragsnehmer der Fa. Tönnies wohnt, beruht auf dem Umstand, dass weder heute Morgen noch bis jetzt abschließend klar ist, wie weit sich etwaige Kontakte über Begegnungen außerhalb der Fa. Tönnies und zugleich innerhalb der betroffenen „Communitys“ (Freundeskreise, familiäre, kirchliche Kontexte) über die Städte und Gemeinden im Kreis bis in andere Kreise und kreisfreie Städte hinein erstrecken und auch die Kinder der bei Tönnies tätigen Personen mitumfassen kann. Nach der bisherigen Sichtung der vorliegenden Befunde ist erkennbar, dass sich die Wohnorte bis in die Nachbarkreise Warendorf, Paderborn und in die Stadt Bielefeld verteilen.“

 

Die Situation weitet sich also aus!

 

Der Sitzung beim Kreis folgt die Einberufung des Krisenstabes in der Stadtverwaltung. Aufgaben, insbesondere im Bereich der Schulverwaltung und des Jugendamtes werden besprochen.

 

Ich informiere die Fraktionsvorsitzenden aus dem Stadtrat per Videokonferenz über die neue Lage.

 

Der Terminkalender dieses Tages gerät mehr und mehr aus den Fugen. Termine werden abgesagt und verschoben, aber mir ist wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger möglichst umfassend informiert werden. Unzählige Menschen wollen etwas wissen. Ich bemühe mich, den meisten Anfragen nachzukommen. Pressemitteilungen werden ergänzend vorbereitet.

 

Am Abend tagt der Krisenstab beim Kreis noch einmal. Die gute Meldung bei all´ den schlechten Meldungen des Tages ist diese: Die geplanten Schulentlassungsfeiern an den weiterführenden Schulen können unter Auflagen wohl stattfinden. Übrigens: Prüfungen, z.B. Abiturprüfungen, werden trotz der Schließungen durchgeführt!

 

Dann gegen 21 Uhr meldet sich das Ministerium aus Düsseldorf mit klaren Ansagen und Aufträgen. Ich erlaube mir, ein paar Dinge zu zitieren, damit Sie wissen, was jetzt als nächstes passiert:

 

„…

  1. Testung aller Tätigen, die bei der Firmengruppe Tönnies im Kreis Gütersloh beschäftigt sind. 
  2. Begehung der Unterkünfte der Werkvertragsnehmer-Arbeitnehmer mit Ergreifung entsprechender erforderlicher Maßnahmen.
  3. Es ist täglich bis 16:00 gegenüber der Bezirksregierung Detmold eine Bewertung des Kreises Gütersloh abzugeben, inwieweit es sich noch um ein lokales, eingrenzbares Geschehen (Tönnies-Unterkünfte) handelt oder inzwischen ein Eintrag in die restliche Bevölkerung des Kreises stattgefunden hat.
  4. Alle bei der Firma Tönnies Tätigen haben sich bis zum Vorliegen der Testergebnisse in häusliche Quarantäne zu begeben. Dies gilt auch für diejenigen, die mit diesem Personenkreis in häuslicher Gemeinschaft leben.

 

Liebe Verlerinnen und Verler, wir sind jetzt wieder in einer sehr dynamischen Lage, in der es täglich neue Informationen geben wird. Ich möchte noch einmal deutlich machen, dass wir es hier nicht nur mit einem kleinen lokalen Ausbruch des Virus zu tun haben, sondern dass wir eine Situation vorfinden, die ganz schnell zu einem Lockdown umschlagen kann. Das wäre fatal!

 

Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung werde ich alles tun, die neue Situation zu begleiten. Dabei sind Entscheidungen zu treffen, die bestimmt nicht leicht sind. Aber es gilt mit aller Kraft, die Verbreitung des Virus einzudämmen.

 

Das Virus ist im Kreis, das Virus ist in Verl! Darüber müssen wir uns im Klaren sein. Ich bitte dringend darum, dass die notwendigen Hygienevorschriften und Abstandsgebote beachtet werden. Ich appelliere erneut auch an die Selbstverantwortung. Der Staat kann nicht alles regeln, er bedarf der Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger. Wir haben hier seit dem 16. März in Verl viel erreicht. Wir haben in Verl Erfahrungen gesammelt und deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass wir das wieder gemeinsam durchstehen werden. Es helfen jetzt zunächst auch keine einseitigen Schuldzuweisungen, nicht das Fordern von sofortigen Konsequenzen, sondern jetzt müssen wir erst die Ausdehnung in den Griff bekommen. Danach haben wir sicherlich ausreichend Zeit, auch über Schuldfragen, Fehlverhalten und ähnliche Dinge zu diskutieren und Verantwortliche zu finden!

 

Fast schon unbemerkt hier in Verl kommt dann auch heute noch die Meldung aus dem Bund herein, dass Großveranstaltungen bis Ende Oktober nicht stattfinden sollen. Was das für Verl bedeutet, müssen wir auch in den nächsten Tagen genauer analysieren.

 

Jetzt blicken wir auf den nächsten Tag, hoffen, dass die Situation beherrschbar bleibt und ich wünsche Ihnen eine ruhige und gesunde Nacht, liebe Verlerinnen und Verler…

 

 

Ihr Michael Esken

 

#VerlHältAbstand #VerlBleibtZuHause#coronaverl