Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Donnerstag, 18. Juni 2020, ca. 21:00 Uhr


21:00 Uhr

Die Situation spitzt sich zu! Nachdem gestern die ersten Zahlen der begonnenen Reihenuntersuchung rund um die Firma Tönnies bekanntgegeben worden sind, gibt es heute eine erhebliche Zunahme: Im Krisenstab des Kreises Gütersloh erfahre ich, dass mittlerweile von gestern auf heute weitere 80 Fälle auf rund 730 Personen hinzugekommen sind. Die Reihenuntersuchungen werden fortgesetzt. Der Kreis wird bei der Reihentestung jetzt auch von der Bundeswehr unterstützt. Man muss kein Prophet sein, um mit einer weiteren Steigerung zu rechnen.

 

Die gestern als Sofortmaßnahme beschlossenen Regelungen zur Schließung der Kitas und Schulen scheinen heute im Lichte der neuen Zahlen leider begründeter denn je. Das verdeutlicht auch die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes. Es gibt mittlerweile auch immer mehr Einträge in gesellschaftliche Bereiche außerhalb der Firma Tönnies. Auch in Verl verzeichnen wir eine Zunahme von positiv getesteten Personen. Ich kann versichern, es bekommen auch Menschen mit deutschen Nachnamen Quarantäneverfügungen. Die Bekämpfung der Ausbreitung des Virus ist nicht mehr eine isolierte Herausforderung in der Stadt, sie ist zur Gesamtaufgabe geworden. Mittlerweile reagieren auch einige Sportvereine und stellen den Trainingsbetrieb wieder ein. In Eigenverantwortung ist das derzeit eine richtige Entscheidung.

 

Ich lasse mir die Zahlen der Schülerinnen und Schüler an unseren Verler Schulen mit rumänischer und polnischer Herkunft geben. Es gibt zum Beispiel 31 Schülerinnen und Schüler mit entsprechender Herkunft an unseren Schulen. Wir sollten uns unbedingt hüten, Menschen unter Generalverdacht zu stellen oder sie zu stigmatisieren. Wer aber glaubt, die Schließungen seien unverhältnismäßig, der irrt. Auch Verler Familien sind nicht mehr frei von dem Coronavirus.

 

Viele Menschen, die jetzt in die Quarantäne gehen, müssen versorgt werden und sind sehr häufig selbst Opfer des Systems. Darüber unterhalte ich mich in einem längeren Telefonat am Nachmittag mit dem Europaabgeordneten Dr. Peter Liese. Er hat sich in den vergangenen Monaten sehr intensiv mit dem Virus und dessen Verbreitung auf europäischer Ebene beschäftigt. Dr. Liese geht entgegen einiger Mutmaßungen nicht davon aus, dass der Eintrag einer solchen massiven Virusinfektion wie hier erst Fronleichnam entstanden ist. Nach seinem Dafürhalten muss das Virus schon länger vor Ort zirkulieren. Insoweit haben wir es nach seiner Überzeugung mit einer echten neuen Herausforderung zu tun. Die Kontaktwege vieler Menschen zu verfolgen, das ist sehr schwierig und eine echte Herausforderung für das Kreisgesundheitsamt, das derzeit mit 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Aufgaben bewältigt.

 

Bereits am Vormittag treffe ich die Entscheidung, dass wir die Quarantäne, in der sich die Menschen, die bei Tönnies arbeiten, befinden, intensiv betreuen werden. Dazu wird es die Unterstützung eines Sicherheitsdienstes geben. Wir haben in der Stadt mehrere Unterkünfte, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Im Hintergrunddienst steht immer ein Amtsperson zur Verfügung, die auch behördliche Anordnungen erlassen kann. Ich hoffe sehr, dass der Arbeitgeber seine Beschäftigten auch mit den entsprechenden Nahrungsmitteln versorgt. In den engen Wohnungen wird die Quarantäne für die Werkvertragsbeschäftigten sicherlich kein Zuckerschlecken sein. Da habe ich wirklich Mitleid mit den Menschen. Doch was sein muss, das muss jetzt sein.

 

Hand aufs Herz: Sind Sie wie ich vielleicht in den letzten Tagen auch etwas lockerer in dem Umgang mit dem Virus geworden? Aber spätestens seit dem heutigen Tag und das meine ich wirklich mit voller Überzeugung gilt wieder besonders #VerlHältAbstand . Das Virus ist zurück, daran habe ich leider keinen Zweifel mehr.

 

Bei dem Verfassen dieses Blogs erinnere ich mich an die Tage unmittelbar ab dem 15. März. Jeden Tag danach gab es in einem sehr dynamischen Prozess neue Meldungen. Jetzt habe ich leider ein Dejavu, das mir Sorgen bereitet. Wir haben nur einen Vorteil: Wir kennen jetzt etwas mehr von dem Virus und wissen um die Gefährlichkeit. Ich bin deshalb doch guten Mutes, dass die Situation gemeistert werden kann. Wir müssen sehr genau beobachten, wie sich die nächsten Tage entwickeln. Wir müssen schneller sein als das Virus, das sich ausbreiten möchte. Das Herunterladen der „Coronawarn-App“ sollte deshalb gerade hier bei uns eine echte Bürgerinnen- und Bürgerpflicht sein. Die App kann helfen, aber dafür müssen viele Menschen mitmachen.

 

In diesem Sinne helfen Sie mit! Ich wünsche Ihnen eine ruhige und gesunde Nacht, liebe Verlerinnen und Verler…

 

Ihr Michael Esken

 

 

#VerlHältAbstand #VerlBleibtZuHause#coronaverl