Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Samstag, 20. Juni 2020, ca. 23:45 Uhr


23:45 Uhr

Über 600 Menschen werden durch eine von mir unterzeichnete Verfügung unter Quarantäne gesetzt, um das auch hier grassierende Coronavirus in der Ausdehnung zu bekämpfen. Die Maßnahme kommt aber nicht von ungefähr, sie bahnte sich an. Offensichtlich wurde im Umfeld und bei der Firma Tönnies wahrscheinlich gravierend gegen Hygienevorschriften verstoßen. Die Menschen in der Region sind bereits Opfer dieses unsäglichen Handelns, weil auch schon die Schulen und Kitas geschlossen wurden.

 

Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Tageszeit beim Verfassen des Blogs heute der Tagesablauf im Zeitraffer:

 

6:55 Uhr: Ich schreibe eine WhatsApp an den ersten Beigeordneten. Wir stimmen uns ab.

 

8.30 Uhr: Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gebeten, in das Rathaus zu kommen.

 

9.30 Uhr: Der erste Beigeordnete und ich beraten die nächsten Stunden vor.

 

10:00 Uhr: Der engere Krisenstab der Stadtverwaltung tagt im Rathaus. Dazu gehören die Beigeordneten, Fachbereichsleiterinnen und Fachbereichsleiter sowie weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie im Bereich von Zollhausweg, Grillenstraße und Libellenstraße in der Sürenheide werden festgelegt. Einzelaufträge werden vergeben. Ich bin stolz auf das Team, weil alle, die angerufen wurden, gekommen sind und jetzt tatkräftig mit anpacken. Alle erkennen, wie wichtig der Beitrag jeder einzelnen Person ist und sein wird, damit ein reibungsloser Ablauf gewährleistet werden kann. Uns ist von Anfang an klar, dass wir immer auch die Menschen, denen wir jetzt Freiheiten, ein ganz wichtiges Rechtsgut, nehmen werden, in den Mittelpunkt unseres Handelns mit Respekt, Anstand und Fürsorge begegnen müssen.

 

11:30 Uhr: Die einzelnen Aufträge werden abgearbeitet.

 

14:00 Uhr: Der Krisenstab trifft sich zur nächsten Sitzung. Die Ergebnisse werden zusammengetragen. Letzte Absprachen erfolgen.

 

15:30 Uhr: Pressekonferenz

 

16:00 Uhr Beginn der Umsetzung der Quarantänemaßnahmen: Unter Beteiligung von etwa 60 Polizeikräften, 40 Feuerwehrleuten, 15 Mitarbeitern des Bauhofes, dem Krisenstab und weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Verwaltung sowie dem DRK beginnt eine in Verl noch nie dagewesene und daher beispiellose Durchführung der Pandemiebekämpfung mit dem Setzen von rund 750 m Bauzäunen zur Sicherstellung der Quarantäneverfügungen.

 

19:30 Uhr: Alle Maßnahmen sind abgeschlossen und die Überwachung bis in die Morgenstunden und für die nächsten Tage beginnt.

 

Zusammengefasst kann man technisch sagen, dass alles sehr gut funktioniert hat, dass nahezu alles geklappt hat und dass man mit der Durchführung sehr zufrieden sein kann.

 

Menschlich betrachtet hat sich aber leider ein Drama abgespielt. Mit meiner Unterschrift habe ich in Fortführung der Allgemeinverfügung des Kreises Gütersloh und der Anwendung auf Verl massiv in das Leben der betroffenen Personen eingegriffen. Mir ist sehr bewusst, dass auch 60 Kinder unter 18 und davon 20 unter drei betroffen sind. Wie erklärt man den jungen Menschen dieses große Aufgebot an Polizei und Ordnungskräften? Ich bin sehr dankbar, dass das Jugendamt mit vor Ort ist und Hilfe leistet. Ich bin sehr dankbar darüber, dass wir auch Hilfe in Form von Verpflegung anbieten können und dass wir in den nächsten Tagen Möglichkeiten haben werden, auch in anderen Themenbereichen zu helfen. Mir sind auch die Menschen wichtig, die der Situation ausgesetzt sind und zu einem ganz überwiegenden Teil unverschuldet in diese hineingebracht wurden. Viele Menschen sind schlicht und einfach Opfer eines Systems, das die längste Zeit bestanden haben dürfte. Ich denke, dass wir, die wir Verantwortung tragen, mittlerweile alle verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat.

 

Ich habe aber auch den Auftrag, die Verlerinnen und Verler, die städtische Bürgerschaft vor dem Verbreiten des Virus zu schützen. Es ist die Abwägung der unterschiedlichen Interessen, die des Einzelnen oder der Einzelnen gegen die Interessen der Allgemeinheit, die ich zu treffen habe. Es ist keine einfache, aber notwendige Entscheidung. Ich stehe dazu, so wie die Kolleginnen und Kollegen im Rathaus, die mich bei dieser Entscheidungsfindung nachhaltig unterstützt haben. Das Verler Rathaus beweist heute, dass es handeln kann, wenn es darauf ankommt. Es ist auch unsere Aufgabe, Sicherheit zu vermitteln.

 

Viele Einzelheiten zu dem heutigen Tag werden in einer Pressemitteilung niedergeschrieben, die ich bereits im Verlauf des Tages online stelle. Viele Presseanfragen werden beantwortet.

 

Zum Abschluss des Blogs möchte ich heute allen Beteiligten mit großer Dankbarkeit für die geleistete Unterstützung begeben. Und so bin ich am Ende dann doch glücklich, dass alles ohne große Komplikationen abgelaufen ist. Ich hoffe sehr, dass wir einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten können.

 

In den nächsten Tagen werde ich weiter berichten. Die Nacht wird nur kurz sein, da ich gemeinsam mit dem ersten Beigeordneten einen Schichtdienst vereinbart habe. Morgen am Sonntag werden die ersten Krisenreaktionsteams aus dem Kreis Gütersloh erwartet. Gesundheitsamt, Ordnungsamt und die Bezirksregierung werden mit Teams in die Wohnungen gehen und weitere Daten und Fakten erheben.

 

Jetzt lege ich mich schlafen und möchte genau wie Sie ruhig und gesund durch die Nacht kommen, liebe Verlerinnen und Verler...

 

Ihr Michael Esken

 

 

#VerlHältAbstand #VerlBleibtZuHause#coronaverl