Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Sonntag, 21. Juni 2020, circa 22:45 Uhr


22:45 Uhr

Der Tag im Schnelldurchlauf, weil es heute wieder spät geworden ist:

 

9:00 Uhr: Informationen vor Ort in der Sürenheide aufnehmen. Es war eine ruhige Nacht.

 

10:00 bis 13:00 Uhr: Der Krisenstab des Kreises tagt in Gütersloh, daran nehmen auch Ministerpräsident Laschet und Minister Laumann teil. Die Landesregierung lässt sich den derzeitigen Stand der Coronapandemie im Kreis Gütersloh sehr genau erklären. Die festgestellten Infektionsraten in der Firma Tönnies zeigen auf, dass der Viruseintrag in einigen Bereichen des Unternehmens sehr stark ist, in anderen Bereichen eher weniger. Insgesamt werden rund 22 % aller Tests mit einem positiven Ergebnis in Bezug auf COVID-19 abgeschlossen, das sind mehr als 1.330 Fälle, davon wurden Verl bisher über 80 zugeordnet. Die Verteilung der Fälle auf die Kommunen ist noch nicht abgeschlossen. Das hängt mit vielen fehlerhaften Listen zusammen. Es ist also tatsächlich ein großer Ausbruch der Krankheit unter den Werkvertragsarbeiterinnen und -Arbeiter festzustellen.

 

Der Ministerpräsident befragt die Bürgermeister aus Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Verl und lässt sich die Situation vor Ort darstellen. Wir nehmen hier in Verl eine Sonderstellung ein, weil neben den Beschäftigten von Tönnies auch mehr als 150 Werkvertragsangehörige Tür an Tür mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Tönnies wohnen, dort aber nicht arbeiten. Sie sind für andere Firmen tätig. Sie verbringen aber oft die Freizeit zusammen und gehören sehr häufig der gleichen Nationalität an. Insoweit verdeutliche ich, dass wir in Verl den Blick nicht nur auf das Arbeitsumfeld Tönnies, sondern auch auf die Wohnumgebung gelegt haben. Ich berichte, dass mir das Wohl der Menschen, die jetzt in Quarantäne sind, sehr wichtig ist. Aus diesem Grunde werden in den nächsten Tagen auch zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Aufenthaltsqualität auch unter Berücksichtigung der steigenden Temperaturen etwas angenehmer zu gestalten. Ich werde dazu hier in den nächsten Tagen berichten.

 

14:00 bis 16:00 Uhr: Der Krisenstab in Verl tagt. Zu Gast ist der Landtagsabgeordnete André Kuper, der die Situation vor Ort auch sehr genau aus seiner Tätigkeit kennt. Er hat in der Sürenheide schon an runden Tischen mit der Nachbarschaft teilgenommen. André Kuper nimmt unsere Anregungen ebenfalls mit nach Düsseldorf. Der Krisenstab hat unter anderem die Themen Sprache, Corona-Tests, Begehung der Wohnungen, Abdeckung der Zäune, Betreuung der Kinder und Jugendlichen, Ernährung, Getränke, Kauf von Dingen des täglichen Lebens, Schichtdienst für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung und vieles mehr auf der Agenda. Viele Dinge werden weiter detailliert geregelt.

 

16:30 Uhr: Ich bin wieder vor Ort, nehme Kontakt zu einigen von der Quarantäne betroffenen Personen und den Teams der Kreisverwaltung, die unter Vollschutz die Wohnungen begehen, auf. Die Polizei wird auch noch in den nächsten Tagen vor Ort präsent sein.

 

18:30 Uhr bis 20:00 Uhr: Besprechung einer internen Arbeitsgruppe im Rathaus.

 

20:00 Uhr bis 21:00 Uhr: Eine Mitarbeiterin aus dem Ordnungsamt berichtet dem ersten Beigeordneten und mir von einer Sitzung im Kreishaus, zu der die Ordnungsämter heute um 18:00 Uhr eingeladen waren. Weitere Entscheidungen sind zu treffen.

 

22:00 Uhr: Ich beginne, diesen Blog zu schreiben.

 

Zwischendurch gibt es immer wieder Medienanfragen, die bedient werden müssen. Mittlerweile kenne ich die Texte schon fast auswendig, aber es ist mir auch wichtig, immer wieder zu betonen, dass uns in Verl die Entscheidung zur Quarantäne nicht leichtgefallen ist, wir aber nur die Möglichkeit gesehen haben, die Gesundheit und Freiheit zu Gunsten der Gesundheit abzuwägen. Genauso ist es mir wichtig, dass wir an die betroffenen Menschen denken und ihnen möglichst breite Unterstützung zusagen.

 

Der Ministerpräsident bringt es heute auf den Punkt: Es gibt "ein enormes Pandemie-Risiko"! Das Infektionsgeschehen sei aber klar bei der Firma Tönnies lokalisierbar, und es gebe keinen "signifikanten Übersprung" hinein in die Bevölkerung. Deshalb gelte weiterhin der Satz, "dass wir einen flächendeckenden Lockdown im Moment nicht ausschließen können, aber solange wir alles tun, dass es gelingt, dass das Virus nicht überspringt auf die Bevölkerung, können wir andere bessere zielgerichtetere Maßnahmen ergreifen.“ Dazu zählt auch die Quarantänezone ist der Sürenheide.

 

Wir sind also in einer ganz schwierigen Phase. Dann wollen wir bitte alle gemeinsam hoffen, dass es ohne Lockdown bleibt und tanken wieder Kraft für die neuen Aufgaben in dieser möglichst ruhigen und gesunden Nacht, liebe Verlerinnen und Verler…

 

Ihr Michael Esken

 

 

#VerlHältAbstand #VerlBleibtZuHause#coronaverl