Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Dienstag, 23. Juni 2020, ca. 23:45 Uhr


23:45 Uhr

Der Lockdown im Kreis Gütersloh ist leider Realität geworden. Trotzdem ist der Kampf, den wir seit gut einer Woche wieder sehr intensiv gegen die weitere Ausbreitung des Virus führen, nicht verloren. Die Maßnahmen, darunter insbesondere die mir sehr schwer gefallene Quarantäneanordnung in der Sürenheide, sind leider, da bin ich ganz ehrlich, notwendig gewesen. Ich stehe zu dieser Entscheidung, weil ich auch heute wieder erfahre, dass die Corona positiv getestete Personenzahl erneut zugenommen hat. Die Tests, die zwischenzeitlich in der Siedlung vorgenommen wurden, korrigieren die Zahl nochmals nach oben. Wir nähern uns der 100er Marke. Wenn man bedenkt, dass in ganz Deutschland in der vorangegangenen Woche pro Tag rund 300 positiv getestete Personen hinzugekommen sind, dann wird einem die Bedeutung der Verler Zahl bewusst.

 

Heute organisieren wir alles, was möglich ist. Die ersten Spielsachen werden überreicht. Es sind Sachspenden. Es wird den Bewohnerinnen und Bewohnern Eis aus einer weiteren Spende angeboten. Die Gruppe der helfenden Hände Sürenheide unterstützt tatkräftig. Danke dafür!

 

Es wird entschieden, dass auch ein Feld am Zollhausweg im Einvernehmen mit dem Landwirt vorzeitig geerntet wird, um die Quarantänefläche auch im Sinne der Menschen vor Ort zu erweitern. In einem nächsten Schritt soll es auch noch mehr Sonnenschutz geben.

 

Ich erhalte die Nachricht, dass die kassenärztliche Vereinigung ab morgen einen Kinderarzt und einen Allgemeinmediziner für die Betreuung der Menschen vor Ort bereitstellt.

 

Bewegend für mich sind heute die persönlichen Begegnungen. Mit einem Dolmetscher gehe ich rund eineinhalb Stunden von Haus zu Haus und erkläre die Situation. Ich habe zumindest das Gefühl, dass die Bedeutung dieser Maßnahme bei vielen verstanden wird. Als ich dann berichte, dass es auch für die Menschen im Kreis Gütersloh Einschränkungen gibt, meine ich erkannt zu haben, dass die Akzeptanz für die Quarantäne nochmals etwas steigt. Es sind viele Einzelfragen, die geklärt werden. Die reichen von der Bescheinigung für den Arbeitgeber bis hin zu dem Bestellen von Medikamenten und der Zustellung der Post.

 

Außerdem wird die Logistik weiter ausgebaut. Es gibt ein paar Beschwerden darüber, dass die Essensverteilung noch nicht richtig funktioniert. Die Herausforderung ist bereits erkannt und wird gelöst. Es sind auch viele kleine Dinge des Lebens, die jetzt für die Menschen vor Ort wichtig sind. Ich möchte mit meiner Geste der persönlichen Anwesenheit verdeutlichen, dass ich als Bürgermeister zuhöre, Probleme aufnehme und sie lösen möchte. Ich möchte das Gefühl vermitteln, dass wir gemeinsam eine schwierige Situation haben. Eine Gänsehaut entwickelt sich bei mir, als ich mit einem Beitrag, wonach wir das hier gemeinsam angehen und das Virus besiegen werden, Zustimmung in Form von Beifall erhalte. Natürlich gibt es auch sehr kritische Fragen, die die Notwendigkeit der Maßnahme bezweifeln. Richtig glücklich ist natürlich niemand. Da gibt es auch nichts zu beschönigen. Aber wir können das Beste aus dieser Situation machen. Das ist unsere Aufgabe!

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Der Krisenstab wird heute nicht von dem Leiter des Krisenstabes geführt, er ist laut Pressebericht gesundheitlich angeschlagen. Irgendwie stehen alle Menschen, die mit dieser Situation zu tun haben, unter einer besonderen körperlichen Belastung. Alle geben das Beste, alle mühen sich. Alle eint, dass sie gegen einen unsichtbaren Gegner kämpfen.

 

Ein weiteres Gesprächsthema ist heute natürlich der Lockdown. Ein paar Minuten bevor der Ministerpräsident spricht, erhalte ich die Informationen über die beabsichtigten Maßnahmen. Ich akzeptiere und bin irgendwie erleichtert, dass endlich eine Entscheidung getroffen wurde. Die Ungewissheit hat ein Ende.

 

Was mir dann sehr zu Herzen geht, ist, dass auch die feierlichen Schulabschlüsse und Entlassfeiern dem Virus zum Opfer fallen werden. Noch um 8:00 Uhr heute Morgen habe ich eine Videobotschaft für die Schülerinnen und Schüler aufgezeichnet. Darin heißt es wörtlich: „Wir sind hier zwar auf Abstand, aber im Herzen bin ich Ihnen ganz nah“. Es tut mir auch unendlich leid, dass diese Veranstaltungen nicht stattfinden können. Ich hatte extra einen Kollegen im Haus gebeten, gemeinsam mit den Schulleitungen es so richtig „schön“ für die Entlassjahrgänge zu machen. Wenn man schon keine Möglichkeit hat, gemeinsam zu feiern, soll wenigstens der Rahmen stimmen. Er wird nicht stimmen, da es keine Veranstaltung gibt. Meine Botschaft werde ich den Schülerinnen und Schülern jetzt zum Download bereitstellen.

 

18:00 Uhr beginnt die Ratssitzung der Stadt. Es ist die letzte vor der Sommerpause. Um 18:15 Uhr schaltet sich ein Vorstandsmitglied aus dem Tönnies-Konzern live zu und stellt sich den Fragen der Ratsmitglieder. Es wird heftig diskutiert. Ich berichte in rund 45 Minuten über die Gründe der Quarantänemaßnahmen, über die Durchführung, über die juristische Rechtfertigung, über das weitere Vorgehen und über die Menschen in der Quarantäne, die jetzt im Mittelpunkt unseres Handelns stehen. Die Ratsmitglieder bedanken sich insbesondere auch bei meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Rathaus und bei all´ denen, die bisher mitgeholfen haben einschließlich der ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützer.

 

Die Ratssitzung endet um 22:32 Uhr. Zwischendurch kommt die nächste Meldung aus Düsseldorf: Der SC Verl darf nicht das bisher beabsichtigte Relegationsspiel am 30. Juni in Verl austragen. Alle gesellschaftlichen Bereiche spüren diesen Lockdown und insbesondere auch die Auswirkungen auf die bevorstehende Urlaubszeit. Mich erreichen immer mehr Informationen, dass Bürgerinnen und Bürger aus dem Kreis Gütersloh nicht mehr überall in Deutschland willkommen sind.

 

Es war zusammengefasst ein Tag mit vielen negativen Meldungen, aber auch ein Tag, bei dem ich menschliche Wärme und Unterstützung bei vielen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern, auch im Bereich der Betroffenen, erfahren habe.

 

Genau das ist der Moment, an dem ich heute enden möchte.

 

Ich wünsche Ihnen eine gute und gesunde Nacht, liebe Verlerinnen und Verler…

 

Ihr Michael Esken

 

 

#VerlHältAbstand #VerlBleibtZuHause#coronaverl