Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Mittwoch, 24. Juni 2020, circa 23.45 Uhr


23:45 Uhr

Verlerinnen und Verler können sich freiwillig auf das Corona-Virus testen lassen! Den gesamten Tag über erreichen mich auf unterschiedlichen Wegen viele Bitten dahingehend, dass man weitere Testzentren im Kreisgebiet aufbauen solle. Bürgerinnen und Bürger berichten mir, dass sie in Gütersloh zurückgeschickt wurden, weil die Warteschlange vor dem Testzentrum zu lang war. 3 Stunden Wartezeit ist dort offensichtlich keine Seltenheit!

 

Viele Menschen im Kreis und auch in Verl vertrauen auf die Zusage des Ministerpräsidenten und des Landrats, nach der jede oder jeder im Kreis Gütersloh getestet werden wird, wenn sie oder er es denn möchte. Wenn man das Ziel aber möglichst kurzfristig erreichen will, dann ist es dringend erforderlich, mit einer erheblichen Personalstärke das Vorhaben umzusetzen. Aus diesem Grunde entschließe ich mich, ein paar Telefonate zu führen und anschließend zu schreiben. Selten formuliere ich mit einer so ausgeprägten Diktion; aber wir haben eine Krisensituation, da muss es auch einmal erlaubt sein, etwas forscher zu schreiben. Im Ergebnis fordere ich über den Krisenstab des Kreises übergeordnete Hilfe an, denn das Volumen an Tests können wir hier vor Ort nicht mehr alleine in kurzer Zeit mit unseren Hausärzten und dem bisherigen Testzentren bewältigen.

 

Ich bin sehr froh darüber, dass die besondere Situation, in der wir uns hier befinden, auf Kreis- und Landesebene gehört wird. Am Abend laufen die Drähte heiß. So heiß, dass bereits morgen mit der Einrichtung eines Testzentrums im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule begonnen wird. Zurzeit werden noch die genauen Einsatzpläne geschmiedet. Wer sich freiwillig testen lassen möchte, wird aber in der Stadt Verl in Kürze, wahrscheinlich schon bereits morgen, die Gelegenheit dazu haben. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und bedanke mich bei allen Personen, die mitgeholfen haben und jetzt mithelfen, eine sehr breit angelegte Testung durchzuführen. Jetzt können wir natürlich wieder darüber diskutieren, ob ein Positivtest besser ist als ein Negativtest oder umgedreht; wichtig ist aber doch, dass wir mit einem Massentest sicher einen Beitrag auch zu einem Gesamtbild erhalten. Weitere Informationen über den genauen Ablauf wird es bestimmt morgen geben. Klar ist aber schon jetzt, das es nicht nur für Verl, sondern auch für den gesamten Kreis Gütersloh weitere Testzentren geben wird.

 

Der heutige Tag ist geprägt von dem Austausch von Informationen in den Krisenstäben von Stadt und Kreis. Technisch wichtig ist auch die Meldung, dass mit der Lüftungsanlage der Firma Tönnies eine Virenschleuder ausgemacht ist. Damit ist aber nichts gesagt über die sehr schlechten Rahmenbedingungen der Werksvertragsarbeiterinnen und -Arbeiter. Es reicht leider bei dieser jetzt vorhandenen hohen Anzahl an positiv getesteten Personen nicht mehr aus, nur die Verbreitungsquelle zu kennen, sondern es sind über 2000 Menschen infiziert, die das Virus durch den Kreis Gütersloh, durch die Städte und Gemeinden, häufig auch darüber hinaus, tragen. Handeln hat also weiterhin oberste Priorität! Mein Ziel ist es, endlich die positiv getesteten Personen von den negativ getesteten zu trennen, um eine weitere Übertragung zu reduzieren. Das geht aber nur, wenn man im Kreis auch entsprechende Unterkünfte und Wohnungen bereithalten kann. Hier wird bereits fieberhaft auf Kreisebene danach gefahndet. Vorsorglich lasse ich seit ein paar Tagen auch in Verl ein eigenes Gebäude herrichten, um es für den Eigenbedarf der Stadt zu nutzen. Da man ein Gebäude mal nicht von heute auf morgen für eine adäquate Nutzung herstellen kann, sind schon ein paar Tage vergangen. Wenn man allerdings vor die Lage einer Krisensituation kommen will, muss man schnell, dabei aber sehr sorgsam handeln. Deshalb wird spätestens am Freitag in Verl ein Gebäude zur Verfügung stehen.

 

Richtig schnell sind wir derzeit unterwegs und das ist in dieser Lage auch unbedingt erforderlich: Wir haben viele Menschen unter Quarantäne stehen. Sie haben einen Anspruch darauf, dass wir nicht klüngeln, Zuständigkeiten hin und her schieben, sondern dass sie möglichst zügig aus der Quarantäne entlassen werden können. Das ist das Ziel genauso wie den Menschen unter diesen besonderen Umständen die entsprechende Wertschätzung als Person teilwerden zu lassen.

 

Ein Feld nahe der Unterkunft Zollhausweg wird geerntet und Tischtennisplatten werden aufgestellt. Eine groß angelegte Kuchenaktion sorgt für Abwechslung. Es ist wieder ein Beitrag der helfenden Hände Sürenheide. Die WDR-Lokalzeit ist dabei. Auf unser Ehrenamt ist Verlass! Danke! Dann erreicht mich der Anruf einer Firma, die 5000 € spendet. Die Hilfsbereitschaft ist ungebrochen. Ich spreche mit den Menschen vor Ort am Mittag, am Nachmittag und zu vielen Gelegenheiten. Dabei nehme ich auch wahr, wie die Kolleginnen und Kollegen, die jetzt rund um die Uhr die Stadtverwaltung vor Ort vertreten, ihre Aufgabe gewissenhaft und nahe aber mit Abstand bei den betroffenen Menschen bearbeiten. Solidarität einerseits und professionelles Handeln andererseits sind wichtige Eckpfeiler, die zum Gelingen der Gesamtmaßnahme beitragen. Es gehört ehrlicherweise aber auch dazu, etwas aufzuarbeiten, wenn mal nicht alles so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat. Es gibt noch ein paar Dinge, die nachgesteuert werden müssen. Dazu erreicht mich auch die E-Mail eines Anwohners, der viele Nachbarn vertritt. Er gibt Anregungen aufgrund von Beobachtungen. Natürlich wird das aufgenommen. Ich greife kurz zum Telefonhörer und bitte den Nachbarn, einmal vorbeizuschauen. Ich berichte ihm über die Abläufe und die Herausforderungen in der Sürenheide.

 

Es ist ein „Mammut-Tag“, der jetzt zu Ende geht. Nunmehr wünsche ich uns allen eine ruhige und gesunde Nacht, liebe Verlerinnen und Verler…

 

Ihr Michael Esken

 

 

#VerlHältAbstand #VerlBleibtZuHause#coronaverl