Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Montag, 29. Juni 2020, circa 21:15 Uhr


21:15 Uhr

Der Lockdown im Kreis Gütersloh wird verlängert! Wir kämpfen wie die Löwen gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus! Die ersten Zäune sind abgebaut! Bin ich wirklich ein „Wut-Bürgermeister“?

 

Einige Schlagzeilen hält der heutige Tag bereit. Der Reihe nach: Die wichtigste Meldung ist natürlich, dass der Lockdown im Kreis Gütersloh morgen leider nicht beendet wird. Die Anzahl der Neuinfektionen im Kreis Gütersloh über einen Zeitraum von sieben Tagen betrachtet ist der Landesregierung NRW einfach noch deutlich über die zwischen Bund und Länder vereinbarte 50er Höchstgrenze je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Das ist sehr bedauerlich, aber rein rechnerisch ist es so. Tatsächlich stellen wir aber fest, dass die Einträge von Infektionen in die breite Bevölkerung hinein deutlich abnehmen. Insoweit besteht hier wirklich Hoffnung, dass es bald wieder besser werden wird. Dazu leisten wir alle an den unterschiedlichen Stellen unseren Beitrag und kämpfen wirklich jeden Tag aufs Neue mit vielen Menschen gemeinsam.

 

Nachdem wir in Verl die Anzahl und Namen der positiv getesteten Personen am Freitag vom Kreis erhalten haben, schauen wir uns bereits seit Tagen jedes unter Quarantäne stehende Gebäude nochmals sehr genau an. Alle Personen in den Gebäuden, in denen auch Tönnies Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohnen, werden erneut in eigener Verantwortung der Stadt getestet. Unser Ansinnen ist es, möglichst schnell Klarheit zu schaffen. Nach und nach kommen die Testergebnisse herein und wir haben die Möglichkeit, einzelne Quarantäneanordnungen aufzuheben. Das betrifft aber nicht die Tönnies Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese sind vom Kreis Gütersloh bis einschließlich zum 2.7.2020 in die Quarantäne geschickt worden. Es werden Einzelgespräche geführt, Risikoabwägungen getroffen und Entscheidungen gefällt. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir schon rund 200 Menschen aus der Quarantäne entlassen konnten. Daran haben wir mit dem gesamten Team am Samstag und Sonntag gearbeitet. Ich habe immer versprochen, dass wir konzentriert und im Sinne der Menschen handeln. Bei meinen vielen Gesprächen, die ich auch mit den Betroffenen führe, erhalte ich zum ganz überwiegenden Teil Zuspruch und Verständnis. Jetzt ist auch durch den Abbau der ersten Zäune sichtbar, dass wir den Worten Taten folgen lassen.

 

Die Stadt Verl hat übrigens bereits am letzten Donnerstag einen Bauernhof soweit hergerichtet gehabt, dass dort Corona positiv getestete Personen untergebracht werden können. Mit dieser Möglichkeit im Rücken ist es uns möglich, einzelne Gebäude, die unter Quarantäne stehen, durch die Verlagerung von Personen viel besser freizugeben. Das gelingt an vielen Stellen. Es ist richtig Dynamik in dem Prozess. Und das ist gut so, denn wir wollen das Beste für die betroffenen Menschen. Insoweit müsste jetzt auch fast sichergestellt sein, dass es aus dem Bereich der Tönnies Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine weiteren Einträge von Infektionen in die Verler Bevölkerung gibt. Dafür sprechen auch die vielen negativen Testergebnisse, die aus dem Testzentrum Gesamtschule bekannt werden. Dann hätte sich der Aufwand hier vor Ort mehrfach gelohnt. Noch ist es aber zu früh, eine abschließende Beurteilung vorzunehmen. Ich habe für Mittwoch die Presse eingeladen, um gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Rathaus einen detaillierten Einblick in unsere Überlegungen in Richtung Abbau des Zaunes, große Teile sind bereits vom Bauhof wieder eingelagert worden, und eine Bewertung der Lage vorzunehmen.

 

Und dann ist da noch die Bild-Zeitung, die infolge eines Live-Interviews, das ich gegeben habe, aus mir einen „Wut Bürgermeister“ gemacht hat. Mut-Bürgermeister wäre mir vielleicht lieber gewesen, aber natürlich bin ich auch durchaus ein wenig wütend auf einige Dinge, die ich bei der Herbeiführung der Situation nicht beeinflussen konnte, die ich einfach hinnehmen musste. Mit der Schlagzeile, dass Werkvertragsarbeiterinnen und -Arbeiter häufiger weniger Platz in ihren Wohnungen zur Verfügung haben als der Deutsche Schäferhund werde ich jedenfalls richtig zitiert. Hier müssen wir ansetzen und mit wir meine ich die Politikerinnen und Politiker, die uns regieren und versprochen haben, dass sie die Situation erkannt haben und verändern wollen. Ich will gerne meinen Beitrag dazu leisten.

 

Wir fassen also Mut für die nächsten Tage und schlafen zunächst bitte einmal ruhig und gesund, liebe Verlerinnen und Verler…

 

Ihr Michael Esken

 

 

#VerlHältAbstand #VerlBleibtZuHause#coronaverl