Bürgermeister Michael Esken

Mein Rückblick

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Welt. Auch bei uns in Verl bestimmt Covid-19 seit Mitte März das öffentliche Leben und damit in vielen Bereichen natürlich auch unseren beruflichen sowie privaten Alltag. Mit meinem Rückblick auf das Tagesgeschehen möchte ich Sie, liebe Verlerinnen und Verler, während dieser Zeit über die wichtigsten Neuigkeiten vor Ort rund um das Thema Corona auf dem Laufenden halten und Ihnen gleichzeitig Einblicke geben, was sich in der Verwaltung inmitten sowie am Rande der Corona-Krise tut.

Mittwoch, 1. Juli 2020, circa 21:00 Uhr


21:00 Uhr

Aufarbeitung ist heute angesagt. Zuerst werden ein paar Mails beantwortet, die sich mit der Aufstiegsparty des SC Verl beschäftigen. Von Glückwünschen aus der ganzen Republik über Spielanalysen bis hin zu Protesten wegen der Aufstiegsfeier in der Innenstadt reicht die Palette der Zuschriften. Der Aufstieg in die 3. Liga ist für den Fußball in der Stadt einmalig und lässt den Bekanntheitsgrad von Verl natürlich weiter steigen. Die sportliche Botschaft ist für viele Bürgerinnen und Bürger ein guter Kontrastpunkt zu den Meldungen der letzten Wochen. Weil wir aus den Aufstiegsbildern von Bielefeld gelernt haben, haben wir direkt live eine „Watch-Party“ nach dem Schlusspfiff ins Internet gestellt. Wir können die Zuschauerinnen- und Zuschauerzahl nur schätzen, aber es waren allein auf meinem Account über 550 User online.

 

Immer wieder habe ich vor Ort darauf hingewiesen, dass wir Abstand halten sollen. Die meisten Fans standen mit dem notwendigen Abstand am Straßenrand und haben fast im Stillen gefeiert. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass es zu einzelnen Verstößen gekommen ist. Der Mannschaftsbus fuhr durch die Straße und viele Menschen wollten einfach nah bei der Mannschaft sein. Damit er unbeschwert fahren konnte, einen Haltepunkt hatten wir ausdrücklich wegen der Coronaregeln nicht gestattet, wurde er durch die Polizei eskortiert. Für mich selbst nehme ich in Anspruch, dass ich nicht zu einer Party gegangen bin, nicht zur Mannschaft gefahren bin und mich bemüht habe, das Abstandsgebot so weit wie möglich durchzusetzen. Am Ende konnte ich aber auch nicht jede Situation persönlich sehen. Ich bin von der Presse gefragt worden, ob wir Bußgeldverfahren gegen die Verstöße einleiten. Bisher haben wir in Verl den Grundsatz in der Coronazeit verfolgt, nicht beim ersten Verstoß ein Bußgeld zu verhängen, sondern zu ermahnen. Um in der Fußballsprache zu bleiben: Beim ersten Foul gibt es in Verl eine „gelbe Karte“, die „rote“ folgt bei einer Wiederholung. So soll es auch weiterhin sein.

 

Nach dem Aufstieg ist vor dem Abstieg. Den will der SC Verl natürlich nicht und deshalb haben bereits heute die Verantwortlichen begonnen, alles in Richtung Klassenerhalt zu forcieren. Da werden uns bestimmt noch viele Schlagzeilen geliefert. Ich bin zuversichtlich, dass das Ziel erreicht werden kann, wenn alle einen super Job von der Mannschaft über die Trainer, dem Vorstand bis hin zu den Fans machen.

 

Aufgearbeitet in einem zweistündigen Pressegespräch wird heute auch die Quarantäneanordnung in der Sürenheide. Der Termin ist bewusst gewählt, weil wir bereits gestern Mittag die Quarantäne auf die Häuser reduziert haben, die tatsächlich nahezu ausschließlich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firma Tönnies belegt sind. Ich bin froh, dass wir konzentriert am ganzen Wochenende gearbeitet haben, um genau diese Situation, möglichst schnell viele Menschen aus der Quarantäne zu entlassen, zu erreichen. Ich kann mich auf das Team in der Stadtverwaltung verlassen.

 

Mittlerweile gibt es auch eine Anordnung des zuständigen Ministeriums, in der das eigentliche Auslaufen der Quarantäne für viele Tönnies Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nochmals verlängert werden könnte. Hier kommt erneut eine ganze Menge Arbeit auf die Stadt Verl zu. Für die Überwachung der Einhaltung der Quarantäne ist nämlich die Stadt als Ordnungsbehörde zuständig.

 

Es erreicht mich die Anfrage einer japanischen Tageszeitung, die viele Informationen haben möchte. Dort ist eine Anzahl von etwa 1500 infizierten Personen wie im Kreis Gütersloh eine unvorstellbare Höhe. Ich habe gesagt, dass wir hier vor Ort noch über 70 aktive Fälle haben. Auch das ist für die Japaner eine Höhe, die dort einen Lockdown über ein ganzes Stadtgebiet rechtfertigen würde.

 

Bisher können wir keine signifikanten Einträge des Virus in die Verler Bürgerschaft feststellen. Es gibt natürlich auch Covid-19 positiv getestete Personen in Verl, die deutsche Nachnamen tragen. Das Virus ist in der Bevölkerung. Das dürfen wir nicht vergessen. Ich werde mich auch weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Vorschriften eingehalten werden. Sollte jemand das Gefühl haben, dass ich hier nicht streng genug war oder bin, vielleicht bei mir selbst oder bei anderen gestern bei der Aufstiegsfeier, dann nehme ich das sehr ernst, entschuldige mich dafür in aller Form.

 

Ich wünsche uns sehr, da die Coronazahl nach RKI derzeit im Kreis Gütersloh sinkt, dass wir bald wieder „normale“ Coronaverhältnisse haben. Dazu werde ich weiterhin meinen Beitrag leisten. Ich zähle dabei auch auf Sie und auf die Eigenverantwortung.

 

Morgen arbeiten wir für Verl nach einer hoffentlich ruhigen und gesunden Nacht weiter, liebe Verlerinnen und Verler…

 

Ihr Michael Esken

 

 

#VerlHältAbstand #VerlBleibtZuHause#coronaverl