23 Neuinfektionen - Gespräch zwischen Kreis und Tönnies


Coronavirus

Die Zahl der laborbestätigten Coronainfektionen im Kreis Gütersloh ist im Vergleich zu gestern um 23 auf 822 gestiegen (Stand 16. Juni, 0 Uhr). Alle 23 neuen Infizierten stehen nach Angaben des Kreises in einem direkten Zusammenhang mit der Fleischindustrie. Bei 20 Personen besteht ein direkter Zusammenhang mit der Firma Tönnies, bei 3 Personen konnte noch keine endgültige Zuordnung vorgenommen werden. 668 Personen (Vortag: 666) gelten aktuell als genesen und 134 (Vortag: 113) als noch infiziert. Von diesen 134 Personen befinden sich 127 in häuslicher Quarantäne. Laut Auskunft der vier Krankenhäuser werden derzeit 7 Patienten (Vortag: 6) stationär behandelt, 2 Personen müssen intensivpflegerisch versorgt und beatmet werden.

 

In Verl sind zwei neue laborbestätigte Infektionen hinzugekommen, so dass die Gesamtzahl nun bei 41 liegt. Wieder genesen sind 36 Personen. Die Infektionszahlen für die weiteren Kommunen: Borgholzhausen 26 (Vortag: 26), Gütersloh 194 (178), Halle 52 (52), Harsewinkel 73 (71), Herzebrock-Clarholz 35 (34), Langenberg 32 (32), Rheda-Wiedenbrück 135 (132), Rietberg 80 (81), Schloß Holte-Stukenbrock 38 (38), Steinhagen 54 (54), Versmold 43 (43) und Werther 19 (19).

 

Um das Risiko von weiteren Infektionen in den aktuell betroffenen Betriebsteilen zu verringern, hat die Firma Tönnies in einem Gespräch gegenüber dem Kreis zugesagt, insbesondere den Personaleinsatz in den betroffenen Bereichen der Zerlegung signifikant zu verringern, um die innerbetrieblichen Abstände bei der Arbeit zu vergrößern. Landrat Sven-Georg Adenauer hatte Vertreter der Firma Tönnies ins Kreishaus bestellt, da die hohe Zahl an Neuinfektionen in den vergangenen Tagen fast ausschließlich auf Neuinfizierte zurückzuführen war, die im Bereich der Zerlegung beschäftigt sind.

 

Konzernchef Clemens Tönnies und Dr. Gereon Schulze Althoff, Corona-Krisenstabsleiter des Unternehmens, stellten klar, dass es auch im ureigenen Interesse des Unternehmens liege, das Risiko von Neuinfektionen zu minimieren. Insofern werde die Firma Tönnies kurzfristig zusätzlich technische Maßnahmen im Bereich der Belüftung mit Frischluft, der Bestrahlung mit UV-Licht und Raumtemperatur in diesen Betriebsteilen ergreifen. Die Firma Tönnies hat zudem Vorsorge geschaffen, wenn Infizierte und Kontaktpersonen sich in Quarantäne begeben müssen.

 

Um festzustellen, ob sich weitere Personen infiziert haben, führt der Kreis Gütersloh seit heute wieder eigene Tests auf dem Gelände des Unternehmens durch. Getestet werden die Personen, die in der Zerlegung und der Kantine tätig sind, und auch das Personal des Kreises Gütersloh, das in der amtlichen Überwachung  eingesetzt ist. Nach den Erkenntnissen der Abteilung Gesundheit, die unmittelbar von allen Laboren positive Befunde von Personen übermittelt bekommt, die im Kreis Gütersloh gemeldet sind, beschränken sich die Neuinfektionen im Kreis Gütersloh ganz überwiegend auf Personen, die bei Tönnies in der Zerlegung tätig sind oder zu diesen im Wohnumfeld engen Kontakt haben. Das aktuelle Infektionsgeschehen in der allgemeinen Bevölkerung im Kreis Gütersloh beschränkt sich auf ganz wenige Einzelfälle. „Ob weitere Maßnahmen erforderlich sein werden, hängt insbesondere von den Testergebnissen ab“, kündigte Thomas Kuhlbusch, Krisenstabsleiter des Kreises Gütersloh, an.

 

Adenauer und Tönnies zeigten sich nach dem Termin zufrieden und sprachen von einem konstruktiven Austausch. Die Bezirksregierung und das Landwirtschaftsministerium NRW wurden von den Ergebnissen des Gesprächs umgehend informiert. Landrat Adenauer hatte sich am Vortag in der Kreistagssitzung besorgt gezeigt angesichts der hohen Zahl der auf Corona positiv getesteten Mitarbeiter des Unternehmens und angekündigt, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und einen zweiten Lock-Down im Kreis Gütersloh zu verhindern.

 

Laut einer Bund-Länder-Vereinbarung ist zu prüfen und zu entscheiden, ob erneut Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens ergriffen werden, wenn sich mehr als 50 Personen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen neu infiziert haben. Die Grenze würde der Kreis Gütersloh bei 182 erreichen. Krisenstabsleiter Kuhlbusch schränkte jedoch ein, dass es dabei „keinen Automatismus gibt“. So könne von weitreichenden Maßnahmen abgesehen werden, wenn sich die Neuinfizierten auf einen oder wenige Ausbruchsherde zurückführen ließen. Stand heute, 16. Juni, 0 Uhr, haben sich 114 Personen in den vergangenen 7 Tagen mit dem Coronavirus neu infiziert, mit wenigen Ausnahmen betrifft dies Personen, die bei Tönnies tätig sind.