Ausstellung "Bewahren der Erinnerung" eröffnet


Stadt Verl

Verler Alltag unter dem Hakenkreuz – erlebt aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen. 18 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, heute alle 90 Jahre und älter, haben für die Aufarbeitung der NS-Geschichte durch Stadt und Heimatverein ihre Erinnerungen geschildert. Entstanden sind sehr eindringliche Tondokumente, die den Zuhörer auf eine Zeitreise mitnehmen: in Kinder- und Jugendjahre, die geprägt waren von Gleichschaltung, Denunziationen, Verfolgung und Tod. Und eine Zeit, in der die Kinder und Jugendlichen hin- und hergerissen waren zwischen Begeisterung für Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel sowie Abscheu vor den Verbrechen des NS-Staates und der Angst in den Schrecken des Krieges.

 

Von diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte können heute immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten. Umso wichtiger war es Politik, Verwaltung und Heimatverein, die Erinnerungen für die Nachwelt zu bewahren. Denn Berichte aus der Zeit zu lesen, ist eines – die Ereignisse aber von Menschen geschildert zu bekommen, die sie selbst miterlebt haben, schafft noch einmal einen ganz anderen Zugang. „Ihre Erinnerungen sind von unschätzbarem Wert“, betonte denn auch Bürgermeister Michael Esken an die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gerichtet, als er gemeinsam mit Regina Bogdanow vom Vorstand des Heimatvereins die aus dem Projekt entstandene Ausstellung im Heimathaus eröffnete. Jedem der 18 Befragten ist dort ein Roll-Up gewidmet, hinzu kommen historische Exponate aus der Zeit wie zum Beispiel ein Volksempfänger, ein Uniformhemd der Hitlerjugend oder der Stahlhelm eines amerikanischen GIs.  Außerdem sind in der Ausstellung Ausschnitte aus den Interviews zu hören.

 

Für alle, die noch näher in das Thema eintauchen möchten, gibt es ein Begleitheft und die CD mit den ausführlichen Interviews. Heft und CD sind zum Preis von fünf Euro im Bürgerservice des Rathauses und im Heimathaus erhältlich. Vor allem die Interviews vermitteln einen lebendigen und sehr authentischen Eindruck von der Zeitspanne zwischen Hitlers Machtergreifung und Kriegsende. Die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erzählen mit großer Offenheit von dem, was sie damals bewegte: die verstörenden Szenen nach der Pogromnacht 1938 und das beängstigende Dröhnen der Bombergeschwader, die immer näher kamen – aber auch die unbeschwerten Nachmittage bei Geländespielen der Hitlerjugend.

 

„Die Schilderungen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, von ihnen selbst erzählt, geben uns nicht nur einen Einblick in den Alltag, sondern auch in die Gefühle, Gedanken und Erlebnisse der damaligen Zeit. Das ist eine ausgesprochen wertvolle Quelle und wir sind allen Befragten sehr dankbar für das Vertrauen, das sie uns und auch allen künftigen Zuhörerinnen und Zuhörern geschenkt haben“, betont die Historikerin Dr. Katja Kosubek, die federführend an dem Projekt mitgewirkt hat.

 

Die entstandenen Quellen seien weniger wissenschaftlicher Natur, sondern spiegelten in erster Linie den Alltag in der damaligen Zeit. „Uns steht es nicht zu, darüber zu urteilen“, betont Katja Kosubek. „Wir müssen bedenken, dass wir nicht die Erzählungen der Erwachsenen von heute, sondern der Kinder von damals hören“, sagt sie. Aber gerade das mache die Schilderungen so spannend, denn so entstünden Einblicke, die helfen können, besser zu verstehen, wie das NS-System funktionierte.

 

Als Zeitzeuginnen und Zeitzeugen haben mitgewirkt: Anneliese Firchau, Dr. Hans Krüper, Hans Kleinemas, Erwin Berenbrinker († 2018), Heinrich Schmalenstroer, Norbert Johannimloh, Johannes Großerüschkamp, Marianne Hoffmann, Helmut Mersch, Paula Mersch, Agnes Meermeier, Klemens Strieker, Josef Flütebories, Rudolf Landwehr, Aloysius Pagenkemper, Helma Biermann, Eleonore Steinlage († 2018) und Bruno Buschmann.

 

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Bei der Ausstellungseröffnung zu Gast im Heimathaus: Rudolf Landwehr, Helmut Mersch, Aloysius Pagenkemper, Nobert Johannimloh, Dr. Hans Krüper, Paula Mersch, Bruno Buschmann, Helma Biermann, Klemens Strieker, Hans Kleinemas, Josef Flütebories, Heinrich Schmalenstroer, Agnes Meermeier, Irene Berenbrinker (Zeitzeuge war ihr verstorbener Ehemann Erwin Berenbrinker) und Marianne Hoffmann (v. li.).