Bürmsche Wiese ein "ökologisches Kleinod"


Stadt Verl

Eine Parkanlage mit kurz gestutztem Rasen, Blumenbeeten sowie akkurat geschnittenen Hecken und Sträuchern ist die Bürmsche Wiese nicht – und soll es auch bewusst nicht sein. Die naturnahe Gestaltung der 2020 eröffneten Grün- und Erholungsfläche hinter dem Rathaus mag vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein, für viele Pflanzenarten, Insekten und Vögel bietet sie jedoch einen idealen Lebensraum. Die Wiese habe sich zu einem ökologischen Kleinod entwickelt, attestierte denn auch Claudia Quirini-Jürgens (links im Bild) von der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld, die die Stadt Verl im Rahmen des VITAL-Projektes „Artenreiche Lebensräume“ beraten hat, jetzt bei einem gemeinsamen Rundgang mit Bürgermeister Michael Esken.

 

Bei jedem Schritt durch das Grün fliegen zahlreiche Insekten auf. Und Claudia Quirini-Jürgens braucht nur wenige Schritte, um auf Anhieb rund verschiedene 30 Gräser und Wildkräuter zu entdecken, die sich hier offenbar wohlfühlen. Darunter sogar einige, die auf der „Roten Liste“ der vom Aussterben bedrohten Arten oder deren Vorwarnliste geführt werden. So etwa die farbintensive Heidenelke, die inzwischen in etwa der Hälfte der Bundesländer auf der „Roten Liste“ steht, da die von ihr bevorzugten Standorte wie Magerwiesen, Sandrasen und magere, trockene Böschungen immer mehr aus unserer Landschaft verschwinden. Auch Wiesen-Margerite, Kuckucks-Lichtnelke und Brennender Hahnenfuß, die ebenfalls als gefährdet gelten, sind auf der Bürmschen Wiese anzutreffen. Momentan blüht vor allem der Hornklee, der für leuchtend gelbe Farbtupfer sorgt, begleitet von Kleinköpfigem Pippau, Mittlerem Wegerich oder Taubenkropf-Leimkraut.

 

„Ohne Blütenpflanzen keine Insekten, ohne Insekten keine Vögel“, macht Claudia Quirini-Jürgens deutlich. Deshalb seien naturnahe Flächen wie die Bürmsche Wiese so immens wichtig. „Mit einer Fläche rettet man nicht die Welt“, sagt die Biologin. Aber jede Fläche biete für Tiere und Pflanzen eine Chance zum Überleben und trage dazu bei, die noch vorhandenen Biotope zu vernetzen. Der Bürmschen Wiese stellt sie die beste Note aus: „Ein Vorzeigeprojekt“, betont die Fachfrau.

 

Mit der Anlage in verschiedenen Strukturen und der extensiven Pflege sei die Stadt Verl genau auf dem richtigen Weg, wie das vielfältige Vorkommen von Pflanzen und Insekten zeige. Lediglich zweimal im Jahr wird gemäht, anschließend wird der Schnitt entfernt, damit die Wiese abmagern kann. Ansonsten beschränkt sich die Pflege darauf, unerwünschte Pflanzen wie die Sumpfblättrigen Ampfer zu minimieren. Für Vögel ist die Wiese ebenfalls ein idealer Lebensraum, da sie hier nicht nur ein vielfältiges Nahrungsangebot finden, sondern in den Randbereichen mit Bäumen und Hecken auch die nötige Deckung.

 

Bei der Einsaat der Bürmschen Wiese hat die Stadt Verl auf zertifiziertes Regio-Saatgut gesetzt. Dabei handelt es sich um Saatgut, das durch Besammlung von Wildpflanzen in einer bestimmten Region gewonnen wird, um später – in der Regel nach einer Zwischenvermehrung – in dieser Region wieder ausgebracht zu werden. Ein Vorgehen, das sich Claudia Quirini-Jürgens auch für Privatgärten wünschen würde: Denn in den herkömmlichen insektenfreundlichen Blumenmischungen seien oftmals Pflanzensamen enthalten, die in der Regel nicht aus unserer Region, teils sogar aus Übersee oder Osteuropa stammen. Zudem handelt es sich zumeist um einjährige Pflanzenarten, d.h. der Blühaspekt währt maximal einen Sommer. „Da unsere heimischen Insekten hochspezialisiert sind, brauchen sie heimische Pflanzen, um überleben zu können. Zudem führen manche nicht heimischen Pflanzenarten zu einer Florenverfälschung mit oft gravierenden Verdrängungsfaktoren heimischer Pflanzenarten“, macht Claudia Quirini-Jürgens deutlich.

 

Naturnahe Flächen wie die Bürmsche Wiese sind aber nicht nur für die Biodiversität wichtig, sondern tragen außerdem zur Kühlung des Stadtklimas bei. Ein nicht unerheblicher Aspekt, „denn wir wissen nicht, was klimatisch noch auf uns zukommt“, sagt Claudia Quirini-Jürgens.

 

Bürgermeister Michael Esken freute sich über das Lob der Biologin. Wenn es nach ihm geht, soll der eingeschlagene Weg fortgesetzt und die Wiese sich in den kommenden Jahren auf natürliche Weise weiterentwickeln.