Bundeswehr unterstützt bei Reihentestungen


Coronavirus

Der Kreis Gütersloh erhält Unterstützung durch die Bundeswehr: 13 Kräfte mit medizinischen Vorkenntnissen und zwölf Soldaten für die Dokumentation werden bei der Testung von rund 5.000 Personen, die bei der Firma Tönnies tätig sind, ab Freitag, 19. Juni, unterstützen. Der Kreis hatte das Hilfeersuchen auf den Weg gebracht, weil die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdiensts, aber auch der kreiseigenen Rettungsdienste am Ende ihrer Kapazitäten sind.

 

Das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst und der Rettungsdienst des Kreises Gütersloh hatten sowohl die Reihentests Mitte Mai, bei der sämtliche Produktionsmitarbeiter getestet worden waren, als auch die am 16. Juni und heute durchgeführten Testungen in der Zerlegung auf dem Werksgelände der Firma Tönnies durchgeführt. Von den am 16. Juni genommenen 1.106 Abstrichen sind 730 Befunde (Vortag: 657) positiv. Im Rahmen der heutigen Testungen wurden bisher rund 600 Beschäftige durch Mitarbeiter des Kreises Gütersloh abgestrichen. Die Reihentestung wird voraussichtlich bis zum 23. Juni andauern.

 

Unabhängig von der Reihentestung des Kreises Gütersloh sind heute 10 weitere positive Laborbefunde eingegangen, die zwar nicht unmittelbar dem Unternehmensbereich der Firma Tönnies zugeordnet werden können, jedoch Personen aus Südost- und Osteuropa betreffen. Bei den noch aktiven Fälle und Neuinfektionen, die nicht im Zusammenhang mit dem Betrieb der Firma Tönnies stehen, handelt es sich nach wie vor um wenige Einzelfälle, so dass das aktuelle Infektionsgeschehen sich nach wie vor auf die Personen konzentriert, die in der Produktion der Firma Tönnies tätig sind.

 

Unterdessen hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) angekündigt, zwei Corona-Behandlungszentren aufzubauen. Eines wird auf dem Werksgelände der Firma Tönnies für die dort tätigen Personen aufgebaut, die sich infiziert haben oder bei denen der Verdacht einer Infektion besteht und die unter Quarantäne stehen. Im Bedarfsfall werden sie aus ihren Wohnungen direkt dorthin gefahren und zurückgebracht. Das Zentrum soll am Freitag, 19. Juni, um 14 Uhr seinen Betrieb aufnehmen. Ein weiteres Coronabehandlungszentrum soll auf dem Gelände des Klinikums Gütersloh aufgebaut werden und für alle anderen  Patienten mit Symptomen da sein. Es wird seinen Betrieb am Samstag, 20. Juni, um 11 Uhr aufnehmen. Eine Untersuchung und Behandlung ist dort jeweils nur nach Voranmeldung möglich.

 

Der Protest vieler Eltern angesichts der kreisweiten Schulschließungen ist beim Kreis angekommen: In Mails, per Telefon und in den sozialen Medien zeigten viele Eltern ihren Ärger und ihre Unverständnis darüber, dass kurz vor den Sommerferien die Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh wegen des Coronaausbruchs bei dem Unternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück schließen müssen. „Wir haben großes Verständnis für die entstandene Verärgerung, aber auch den Frust und Unmut, den viele Eltern und Kinder jetzt, wo die Schulen und Kindergärten sich wieder dem Normalbetrieb genähert haben, über die Schließung verspüren“, betont Landrat Sven-Georg Adenauer.

 

Ausschlaggebend war und ist für die Entscheidung das Ziel, die Gefahr einer Verbreitung von Infektionen unter den Schülerinnen, Schülern, den Kindern, die in den Kitas betreut werden, über die Familien bis in die allgemeine Bevölkerung im Kreis zu minimieren. Denn ein nicht unerheblicher Teil Ost- und Südosteuropäer, die in der Produktion der Firma Tönnies arbeiten, sich infiziert haben oder infiziert haben könnten, leben mit ihren Familien  und Kindern in einem Haushalt und haben außerberuflich und -familiär zu Personen Kontakt, über die sie über ihre Muttersprache besonders verbunden sind und die in allen Kommunen des Kreises leben. Dazu zählen unter anderem die Teilnahme an Gemeinschaftsveranstaltungen, wie Gottesdienste, die einen großen Einzugsbereich haben, aber auch die Kontakte, die Familien zueinander pflegen. Am Beispiel des Coronaausbruchs unter Besuchern einer Kirche in Herzebrock-Clarholz zeigte sich, dass zu den Gemeindemitgliedern auch Personen beispielsweise aus Borgholzhausen oder Hamm gehörten. Und genau aus diesem Grund wurde die Schließung kreisweit und nicht ortsbezogen getroffen. 

 

"Diese Entscheidung hat sich der Krisenstab nicht leicht gemacht und intensiv erörtert. Sie wurde von allen Krisenstabsmitgliedern mitgetragen, auch von den Vertretern der Kommunen Rheda-Wiedenbrück, Gütersloh und Verl, in denen die größte Zahl der Personen, die bei Tönnies arbeiten, wohnen", betont der Kreis in einer Mitteilung. Die Schließung sei zudem mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann abgestimmt.

 

Die Übergabe der Abschlusszeugnisse in den Schulen ist bei Beachtung der Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte möglich, alle anderen Zeugnissen werden per Post kommen müssen.

 

Der Krisenstab hat heute auch über die Ferienbetreuung im Rahmen des offenen Ganztags an den Schulen beraten. Eine Entscheidung dazu wird am kommenden Montag, 22. Juni, bekannt gegeben.

 

Die ‚Bürger- und Medienarbeit‘ im Krisenstab versucht, die Bürgermails möglichst umfänglich zu beantworten, ist aber aufgrund der großen Zahl deutlich im Hintertreffen und bittet um Verständnis.

 

Nachdem der Kreis Gütersloh den Schlachtbetrieb gestern geschlossen hat, ist es zu Nachfragen gekommen, warum heute noch, einen Tag nach der Schließung des Schlachtbetriebes auf dem Werksgelände der Firma noch gearbeitet wurde. Dazu stellt der Kreis Gütersloh klar: Es gibt neben dem Schlachthof noch weitere Produktionsbereiche, in denen es noch eine abzuarbeitenden Nachlauf gibt. Die Produktion in den Bereichen, die sich an die Schlachtung anschließen, werden nach und nach auslaufen. Die noch vorhandenen Produkte müssen jedoch verarbeitet werden. Das Unternehmen kann daher momentan in Absprache mit dem Krisenstab noch Beschäftigte in der Produktion im Rahmen einer sogenannten ‚Arbeitsquarantäne‘ einsetzen. Das bedeutet, dass Kontaktpersonen, die in häuslicher Quarantäne sind, die nicht nachweislich infiziert sind und die keine Symptome haben, für die Arbeit und die Fahrten hin und zurück ihre Quarantäne unterbrechen dürfen.