Frühstück bietet kleine Auszeit vom Pflegealltag


Stadt Verl

Die Corona-Pandemie war für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige eine besonders schwere Zeit. Die ständige Angst vor einer Infektion, die Isolation, kompliziertere Abläufe bei Arztterminen und Krankenhausaufenthalten und wegfallende Unterstützungs- und Betreuungsangebote waren für Betroffene zusätzliche Belastungen zum ohnehin anstrengenden Pflegealltag. Umso mehr haben jetzt knapp 40 pflegende Angehörige das Frühstück genossen, zu dem die Stadt Verl eingeladen hatte.

 

Auch dieses Angebot musste während der Pandemie pausieren. „Wie schön, dass wir uns jetzt wieder treffen können“, begrüßte Bürgermeister Michael Esken die Gäste in der Mensa des Schulzentrums. „Ich weiß, was die Pandemie für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bedeutet hat, vor allem in der ersten Phase, als noch keine Impfstoffe zur Verfügung standen. Und ich hoffe, dass wir so eine Zeit nicht noch einmal erleben müssen“, sagte Esken. Das Frühstück solle pflegenden Angehörigen Gelegenheit geben, eine kleine Auszeit von ihrer kräftezehrenden Aufgabe zu nehmen. „Und wir möchten Ihnen damit auch unsere Wertschätzung zeigen für das, was Sie leisten“, betonte der Bürgermeister.

 

Das Mensa-Team hatte ein reichhaltiges Frühstück vorbereitet und für gute Unterhaltung sorgte der Magier David Wedegärtner aus Paderborn. Dass diesmal nicht so viele Gäste dabei waren wie in den Vorjahren bis 2019 lag nicht nur daran, dass aus Abstandsgründen weniger Plätze zur Verfügung standen. „Auch das zeigt, dass viele Betreuungs- und Unterstützungsangebote immer noch nicht wieder in vollem Umfang zur Verfügung stehen und pflegende Angehörige noch mehr alleine dastehen als vor Corona“, machte Sandra Hasenbein vom Fachbereich Soziales der Stadt deutlich.

 

Das Gefühl, mit den Sorgen rund um den Pflegealltag alleine zu sein, kennt auch Carola Dreier, die gemeinsam mit Ehemann Josef ihre 87- und 92-jährigen Schwiegereltern pflegt. „Es tut deshalb einfach gut, mit anderen ins Gespräch zu kommen, die in der gleichen Lage sind“, freute sich die Verlerin über die Einladung zu dem Frühstück. „Und es ist schön, dass an uns gedacht wird.“ Pflege bedeute, immer auf Abruf zu sein. „Das ist schon anstrengend. Schließlich werden ja auch wir dabei älter. Aber wir machen es gern. Früher, insbesondere als unsere Kinder klein waren, haben uns die Schwiegereltern unterstützt. Nun helfen wir.“ Und es gebe auch viele schöne Seiten, etwa die gemeinsamen Gespräche zwischen den beiden Generationen, für die jetzt mehr Ruhe und Zeit sei.

 

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Sandra Hasenbein (rechts) im Gespräch mit (v. l.) Josef und Carola Dreier sowie Andrea Grellert-Brandt.