Gedenken an Novemberpogrome 1938


Allgemein

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ereigneten sich im ganzen Land die nationalsozialistischen Novemberpogrome: Synagogen wurden in Brand gesteckt, jüdische Geschäfts- und Privathäuser verwüstet, jüdische Friedhöfe geschändet, jüdische Menschen misshandelt und verhaftet. Diese Nacht bezeichnete nach den Jahren ihrer Ausgrenzung und Herabsetzung den Beginn der planmäßigen Verfolgung der deutschen Juden, die in ihrer Ermordung gipfeln sollte.  

 

In Verl überfielen nationalsozialistische Schläger die Familie Hope. Laura Hope führte einen Gemischtwarenladen mit Schankwirtschaft in ihrem Haus Verl Nr. 9 (heute Hauptstraße 33). Die Täter drangen gewaltsam in das Haus ein, in dem sich Frau Hope, ihr Sohn Fritz und ihre Töchter Anna und Auguste aufhielten, und begannen, die Einrichtung von Wohnung und Laden zu zertrümmern. Der Sohn flüchtete in Todesangst zu der benachbarten Familie Schmalenstroer, die ihn versteckte. Am nächsten Morgen wurde er gemeinsam mit seinem Cousin Otto Hope verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht.

 

Fritz Hope fand 1940 in Brasilien Aufnahme. Seiner Mutter, seinen Schwestern und seinem Cousin, der nach Verl zurückgekehrt war, gelang die geplante Auswanderung wegen des Krieges nicht mehr. Auguste Hope, verheiratete Altmann, nahm sich 1942 in Berlin das Leben; Laura, Anna und Otto Hope wurden 1942 aus Verl deportiert und fanden in nationalsozialistischen Lagern den Tod.

 

1991 wurde an der Hauptstraße gegenüber der Abzweigung Friedhofsweg, nahe ihren ehemaligen Wohn- und Geschäftshäusern, ein Gedenkstein für die Familien Hope eingeweiht. Das Grundstück für den Gedenkstein stellte die damalige Gemeinde Verl zur Verfügung; den Stein selbst stiftete Dr. Ingrid Große Rüschkamp. Der Entwurf stammte von Stefan Kuhle und Stefan Große Rüschkamp, dem Sohn der Stifterin; die Bildhauerwerkstatt Franz-Josef Hollenhorst in Verl führte ihn in Sandstein aus. Der Gedenkstein ist in seinem oberen Teil dem siebenarmigen Leuchter der Juden, der Menora, nachempfunden und mit einem Davidstern versehen, um zu verdeutlichen, dass einer jüdischen Familie gedacht wird. Die Inschrift in deutscher Sprache lautet: „Den Familien Hope zum Gedenken“, darunter steht in hebräischer Schrift: „Es werde Frieden“.

 

Im April 2012 wurden auf Initiative von Verler Schülerinnen und Schülern vor den Häusern Hauptstraße 33 und Sender Straße 1 "Stolpersteine" als Bodendenkmäler verlegt. Sie erinnern an:

 

LAURA HOPE

geb. Schild

JG. 1866

Deportiert 29.7.1942

Theresienstadt

Ermordet 20.8.1942

 

 

ANNA WICHELHAUSEN          

geb. Hope

JG. 1892

Deportiert 8.7.1942

Ermordet in Auschwitz

 

 

AUGUSTE ALTMANN

geb. Hope

JG. 1899

26.11.1942 Berlin

Flucht in den Tod

 

 

OTTO HOPE    

JG. 1894

Deportiert 29.7.1942

Theresienstadt

1943 Auschwitz

Ermordet

 

 

DR. RICHARD MAX HOPE      

JG. 1899

Deportiert 1941

Minsk

Schicksal unbekannt

 

 

Hinweis: Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Kontaktbeschränkungen kann in diesem Jahr keine Gedenkveranstaltung in Verl stattfinden.