Jüdisches Leben: Stadtrundgang und Konzert


Stadt Verl

Im Jubiläumsjahr „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ präsentiert die Stadt Verl gemeinsam mit dem Heimatverein Verl am Sonntag, 7. November, zwei Veranstaltungen. Mit einem Stadtrundgang zu den Stolpersteinen und den Orten jüdischen Lebens in Verl soll zunächst an die Ereignisse der Pogromnacht am 9. November 1938 erinnert werden. Der Rundgang unter der Leitung von Matthias Holzmeier startet um 15 Uhr am Heimathaus (Sender Straße 8) und wird ca. eine Stunde dauern.

 

Anschließend sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie alle weiteren Interessierten ab 16 Uhr ins Heimathaus eingeladen, um koscheren Wein zu verkosten und mit Mitgliedern der jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld ins Gespräch zu kommen. Gegen 16.30 Uhr beginnt dann ein Konzert mit dem Musiker Paul Yuval Adam unter dem Titel „Elegien aus Mittelalter und Moderne“. Liturgische und außerliturgische Musik aus verschiedenen Jahrhunderten mit Texten auf Hebräisch, Lateinisch und Djudesmo (jüdisch-spanisch), begleitet von mittelalterlichen Streichinstrumenten, versprechen ein außergewöhnliches Programm.

 

Für das Konzert wird um Anmeldung unter Tel. 936633 oder Tel. 961103 oder per E-Mail an elke.haenel@​verl.de gebeten. Für beide Veranstaltungen gilt: Die Teilnahme ist kostenlos. Selbstverständlich ist es möglich, auch nur an dem Stadtrundgang oder nur an dem Konzert teilzunehmen. Wichtig: Im Heimathaus, das an diesem Nachmittag für den allgemeinen Publikumsverkehr geschlossen ist, gelten die 3G-Regeln.            




In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ereigneten sich im ganzen Land die nationalsozialistischen Novemberpogrome: Synagogen wurden in Brand gesteckt, jüdische Geschäfts- und Privathäuser verwüstet, jüdische Friedhöfe geschändet, jüdische Menschen misshandelt und verhaftet. Diese Nacht bezeichnete nach den Jahren ihrer Ausgrenzung und Herabsetzung den Beginn der planmäßigen Verfolgung der deutschen Juden, die in ihrer Ermordung gipfeln sollte.  

 

In Verl überfielen nationalsozialistische Schläger die Familie Hope. Laura Hope führte einen Gemischtwarenladen mit Schankwirtschaft in ihrem Haus Verl Nr. 9 (heute Hauptstraße 33). Die Täter drangen gewaltsam in das Haus ein, in dem sich Frau Hope, ihr Sohn Fritz und ihre Töchter Anna und Auguste aufhielten, und begannen, die Einrichtung von Wohnung und Laden zu zertrümmern. Der Sohn flüchtete in Todesangst zu der benachbarten Familie Schmalenstroer, die ihn versteckte. Am nächsten Morgen wurde er gemeinsam mit seinem Cousin Otto Hope verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht.

 

Fritz Hope fand 1940 in Brasilien Aufnahme. Seiner Mutter, seinen Schwestern und seinem Cousin, der nach Verl zurückgekehrt war, gelang die geplante Auswanderung wegen des Krieges nicht mehr. Auguste Hope, verheiratete Altmann, nahm sich 1942 in Berlin das Leben; Laura, Anna und Otto Hope wurden 1942 aus Verl deportiert und fanden in nationalsozialistischen Lagern den Tod.