Stadt erwirbt zwei stadtbildprägende Immobilien


Stadt Verl

Zwei traditionsreiche und stadtbildprägende Immobilien in Verl und Kaunitz gehen in das Eigentum der Stadt über: das Haus Sender Straße 1, in dem seit 2014 eine historische Knopfmanufaktur mit Ausstellung untergebracht ist, und das Hotel „Kaunitzer Krug“ (Foto). Für beide Käufe hat der Rat jetzt in nichtöffentlicher Sitzung grünes Licht gegeben.

 

Das Hotel vis-à-vis der Kaunitzer Kirche übernimmt die Stadt inklusive des Veranstaltungssaals. Während der Hotel- und Gaststättenbetrieb zum Übergabetermin am 1. Juli dieses Jahres eingestellt wird, wird die jetzige Eigentümer-Familie Mutlu den Saal noch weitere fünf Jahre bewirtschaften. Sie bleibt auch weiterhin zuständig für die Vermietung und zahlt der Stadt eine entsprechende Nutzungsentschädigung.

 

Den Hoteltrakt wird die Stadt nutzen, um dort Flüchtlinge aus der Ukraine unterzubringen. Zur Verfügung stehen Doppel- und Einzelzimmer sowie eine Wohnung. Außerdem soll in dem Gebäude künftig Integrationsarbeit stattfinden, denn in Kaunitz sind bereits an zwei weiteren Standorten Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht. Für Sprachkurse und andere Angebote bietet sich der vordere Gaststättenbereich an.

 

Da die Stadt eine andere Flüchtlingsunterkunft in Bornholte wegen Eigenbedarfs des Vermieters aufgeben muss, ist das Hotel ein willkommener Ersatz. Etwa 30 bis 40 Personen können hier untergebracht werden, schätzt Bürgermeister Michael Esken, der in dem Erwerb der zentral an der Ecke Fürstenstraße/Paderborner Straße gelegenen Immobilie vor allem aber auch eine Perspektive für die Zukunft sieht, um den Ortsteil langfristig baulich und verkehrlich entwickeln zu können.

 

In der Verler Innenstadt ist die Stadt zudem neue Eigentümerin der Immobilie Sender Straße 1. „Das Haus ist eng mit der Stadtgeschichte verbunden. Es spiegelt durch seine unterschiedlichen Nutzungen die Entwicklung und den wirtschaftlichen Wandel Verls wider. Und es ist ein Ort, der das jüdische Leben in unserer Stadt dokumentiert“, sagt Esken. „Der Erwerb der Immobilie gibt uns die Chance, es langfristig zu erhalten und für die Stadt nutzbar zu machen. Ich bin der Eigentümerfamilie deshalb sehr dankbar, dass sie bereit war, das Haus samt dem Museums-Inventar an die Stadt zu verkaufen“, betont er. 

 

Die Geschichte des Hauses geht zurück ins 18. Jahrhundert. Ursprung war ein Heuerlingshaus der angrenzenden Hofstelle. Im 19. Jahrhundert ging es dann in den Besitz des jüdischen Kaufmanns Kalman Hope aus Verl und später an dessen Sohn Max über. Außer einem Handel mit Manufaktur- und Eisenwaren ist auch der Betrieb einer Schankwirtschaft in dem Gebäude belegt.

 

1929, nach dem Tode Max Hopes, kaufte Otto Maasjost das Haus und eröffnete eine Druckerei. Zuletzt ließ Manfred Dolleschel die Immobilie sanieren und richtete eine historische Knopfmanufaktur ein. In Teilen wurde zudem die alte Druckerei wiederbelebt. Ergänzend gibt es eine Dokumentation über die Geschichte des Hauses, die exemplarisch für die verschiedenen Epochen der Verler Dorfgeschichte ist. Außerdem verfügt das Gebäude über eine Wohnung.

 

Nachdem sich die Eigentümerfamilie in Zukunft anderen Projekten widmen möchte, hat Bürgermeister Michael Esken die Chance zum Kauf ergriffen. Mit dem Erwerb verpflichtet sich die Stadt, das Museum mindestens für die nächsten fünf Jahre zu erhalten. „Ein Nutzungskonzept wollen wir noch erarbeiten, gerne zusammen mit dem Heimatverein“, kündigt der Bürgermeister an.