Verler Köpfe erzählen Verler Geschichte

Bildergalerie der ehemaligen Hauptverwaltungsbeamten seit 1851
sowie der ehrenamtlichen Bürgermeister seit 1970

 

Die Galerie im Foyer des Rathauses zeigt Menschen, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Entwicklung Verls maßgeblich mitbestimmt haben. Sie informiert sowohl über diese Persönlichkeiten und ihre Biografien als auch über die Herausforderungen und Bedingungen in ihrer jeweiligen Amtszeit.

 

Nach intensiven und kontroversen Diskussionen, insbesondere über die Aufnahme des nationalsozialistischen Amtsbürgermeisters Josef Lükewille (1932-1945) in die Galerie, entschied sich der Rat der Stadt einstimmig dafür, die Reihe vollständig zu zeigen. Damit verbunden ist die besondere Verpflichtung, sich kritisch und differenziert mit dem Handeln der Menschen vor Ort in den Jahren der NS-Diktatur auseinanderzusetzen.

 

Über die hier zu findenden Informationen hinaus bieten Ihnen das Stadtarchiv Verl und der Heimatverein Verl e. V. die Möglichkeit einer weitergehenden historischen Recherche.

Die ehemaligen Hauptverwaltungsbeamten seit 1851

Ludwig Rohden

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1818 in Brakel, gestorben 1883 in Berlin
Amtmann von September 1851 bis Januar 1852

 

Lebensweg
Ludwig Rohden wurde am 10. Mai 1818 in Brakel geboren.[1] Die Einführung des „Civilsupernumerars“ (Beamtenanwärters) als Amtmann in Verl fand am 30. September 1851 statt. Bis zum Ende desselben Jahres stand allerdings schon sein „Abgang“ nach Nieheim fest.[2] Am 3. Februar 1852 fand dort Ludwig Rohdens Einführung als Bürgermeister statt, doch kein Jahr später, am 3. Januar 1853, verzichtete er schon wieder auf dieses Amt, denn inzwischen versah Ludwig Rohden kommissarisch die Steuer-Empfangsstelle im benachbarten Steinheim. Hier war es seine Aufgabe, die Steuern einzuziehen und abzuführen, und es bestand die Aussicht, dass dieses Amt nach der Pensionierung seines Vorgängers endgültig auf Ludwig Rohden übergehen sollte.[3] Nach der Überlieferung innerhalb der Familie brachte es Ludwig Rohden bis zum Rechnungsrat in Berlin, wo er am 14. Dezember 1883 starb.

 

Amtsführung
Während der drei Monate, die Ludwig Rohden Amtmann in Verl war, konnte er kaum Spuren hinterlassen. Doch möglicherweise hat sein kurzer Aufenthalt die Regierung in Minden dazu veranlasst, im Anschluss seinen jüngeren Bruder Werner als Amtmann in Verl einzusetzen, womit eine beinahe 70 Jahre währende „Ära Rohden“ ihren Anfang nahm.
Dass es Ludwig Rohden gelang, binnen dreier Monate die Haushalte für das kommende Jahr 1852 für das Amt Verl und seine Gemeinden Verl, Bornholte, Sende, Österwiehe und Liemke aufzustellen, obwohl bei seiner Ankunft noch nicht einmal die Etats für das laufende Jahr 1851 ausgefertigt waren[4], könnte auf eine Begabung für Zahlen hindeuten: Später war er Steuereinnehmer in Steinheim und Rechnungsrat in Berlin.

 

Quellen
Stadtarchiv (StA) Verl, B 86, Anstellung und Dienstführung des Amtmanns und Stellvertreters Vol. I, 1850-1887
Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV OWL), M 1 I E, Nr. 610, Die Amtmannstelle in Verl, Bd. 1, 1843-1857 (1859) und M 1 I E, Nr. 611, Die Amtmannstelle in Verl, Bd. 2, 1855-1897
Stadtarchiv Nieheim, A 7, Acta Specialia des Gemeinde-Vorstandes zu Nieheim betreffend Anstellung und Gehalt des Bürgermeisters von 1852 bis (?)

 


[1] Die Lebensdaten Ludwig Rohdens übermittelte der Chronist Josef Freise nach Auskünften der Familie.

[2] Schulchronik Verl-Sürenheide, StA Verl, B 86, und Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV OWL), M 1 I E 610.

[3] Stadtarchiv Nieheim, A7

[4] Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV OWL), M 1 I E 610

Werner Rohden

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1821 in Bakel, gestorben 1894 in Verl
Amtmann von 1852 bis 1888

 

Lebensweg

Werner Rohden wurde am 2. Februar 1821 in Brakel geboren. „Nach Vollendung seiner Studien wandte er sich der gerichtlichen Laufbahn zu und wurde am 21. Februar 1852 Amtmann des Amtes Verl."[1]

Tatsächlich war zunächst sein älterer Bruder Ludwig Rohden für wenige Monate Amtmann in Verl gewesen. Der jedoch trat kurzfristig ein Amt in Nieheim, Kreis Höxter, an.[2] Statt seiner ernannte der Regierungspräsident für die Stelle in Verl nun Werner Rohden, der bis dahin als Civilsupernumerar (Beamtenanwärter) beim Königlichen Kreisgericht Coesfeld tätig gewesen war. Er war jetzt gleichzeitig ein staatlicher und ein gemeindlicher Beamter, in allen Polizeiangelegenheiten „an die Weisungen der oberen Behörden gebunden (…), in kommunalen Angelegenheiten jedoch der Amtsvertretung verantwortlich.“[3] Werner Rohden blieb Amtmann des Amtes Verl bis zum 1. April 1888.[4] Sein Amt als Standesbeamter jedoch, das er seit dem 1. Oktober 1874 innehatte, versah er noch bis zum 1. Januar 1890.

Werner Rohden starb am 17. April 1894 in Verl.

 

Amtsführung
Als Werner Rohden 1851 als Amtmann nach Verl kam, gab es noch kein Verwaltungsgebäude im Dorf. Die Verwaltung, die einzig aus dem Amtmann und einem Schreiber bestand, arbeitete in einem angemieteten Büro. Es befand sich aller Wahrscheinlichkeit nach im jetzigen Haus Bürmannstr. 1 in Verl. 1855 kaufte Werner Rohden den Hof Lillteicher in Sende und vereinte dort die Wohnung der Familie und das Büro der Verwaltung. Doch die Lage über zwei Kilometer außerhalb des Kirchdorfs scheint sich nicht bewährt zu haben, denn bereits 1860 verkaufte der Amtmann den Hof wieder, um in ein von ihm in Verl neu errichtetes Wohn- und Bürogebäude umzuziehen. Es stand dort, wo jetzt die Paderborner Straße und die Hauptstraße aufeinandertreffen. Als es 1885 niederbrannte, ließ Werner Rohden ganz in der Nähe erneut ein Amtshaus errichten – es bildet heute mit dem 1912 angefügten Ostflügel den Altbau des Rathauses an der Paderborner Straße.[5]

 

Zur Zeit des Brandes von 1885 war Werner Rohden schon nahezu am Ende seiner Amtszeit angekommen. In ihrem Verlauf hatte sich die wirtschaftliche Situation des verarmten Amtes Verl über die Jahrzehnte „sehr wesentlich“ verbessert, wie die vorgesetzten Behörden beobachteten: „Der Ackerbau, die Wiesen Cultur und die Viehzucht werden viel besser betrieben als früher, viele unkultivierte Grundstücke sind urbar gemacht, die Zahl der unterstützten Armen hat sich sehr wesentlich gemindert, indem viele derselben teils im Amt (…) Arbeit gefunden haben“[6] – beispielsweise beim Bau der Chausseen von Brackwede über Verl und Kaunitz nach Paderborn und von Gütersloh nach Verl und Neuenkirchen[7]. Doch inzwischen war der über 60-jährige Werner Rohden, von Schulden gedrückt[8], seinem Amt gegenüber gleichgültig geworden: Er verließ sich ganz auf seinen Büro-Assistenten, seinen Sohn Adolf. Der Rücktritt des Amtmanns erschien den vorgesetzten Behörden wünschenswert. Unter der Bedingung, dass sein Sohn ihm im Amt nachfolgen würde, erklärte sich Werner Rohden bereit, seine Pensionierung zum 1. April 1888 zu beantragen.[9]

 

Die „Amtseingesessenen“ behielten ihn nach seinem Tod 1894 als einen „freundlichen und milden Beamten“ in Erinnerung[10] – und als einen geselligen Ehrenpräses und früheren Major der Vereinigten Schützengilden Verl und Kaunitz: „Kaum hat sich jemand, selbst im hohen Alter noch, so mit Leib und Seele unserer Schützensache hingegeben, als der Verewigte es immerdar getan.“[11]

 

Quellen
Stadtarchiv (StA) Verl, B 86, Anstellung und Dienstführung des Amtmanns und Stellvertreters Vol. I, 1850-1887
Stadtarchiv Verl, Kleine Erwerbungen (Kler) 52, Schenkung Josef Freise – Sammlung Verl A-Z, Totenzettel Werner Rohden
Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV OWL), M 1 I E, Nr. 610, Die Amtmannstelle in Verl, Bd. 1, 1843-1857 (1859) und M 1 I E, Nr. 611, Die Amtmannstelle in Verl, Bd. 2, 1855-1897

 

Literatur
Heinrich Schroeder, Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der vereinigten Schützengilden Verl und Kaunitz 1833-1933, Verl 1933
Friedrich Adämmer, Udo Graffunder, Verl, unsere Gemeinde, Gütersloh 1991 (S. 24-27)

 


[1] Stadtarchiv (StA) Verl, Kleine Erwerbungen (Kler) 52.

[2] Schulchronik Verl-Sürenheide, StA Verl, B 86, und Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV OWL), M 1 I E 610.

[3] Eckhard Möller, Bürgermeister, Leiter der Verwaltung und politische Vertreter im Amt und in der Stadt Harsewinkel 1818-1995, in: „… dann machen wir es allein.“ Beiträge zur Geschichte der Stadt Harsewinkel, herausgegeben von der Stadt Harsewinkel, Harsewinkel 1996, S. 557-560.

[4] StA Verl, B 86, und LAV OWL, M 1 I E 610.

[5] StA Verl, B 86.

[6] LAV OWL, M 1 I E 611.

[7] Der Abschnitt bis Verl war 1855 fertiggestellt, der bis Kaunitz 1859. (Annette Huss, Vom Bau der Chaussee als „künstliche Steinbahn“ zwischen Verl und Kaunitz, in: Heimat-Jahrbuch 2012, S. 39-42) Die Chaussee von Verl nach Gütersloh entstand in den Jahren 1881-1883. (Friedrich Fischer, Kreis Gütersloh mit einem chronologischen Anhang zusammengestellt von Kreisheimatpfleger Werner Lenz, Gütersloh 21981, S. 156)

[8] LAV OWL, M 1 I E 611.

[9] LAV OWL, M 1 I E 611.

[10] StA Verl, Kler 52.

[11] Festschrift Schützengilden 1933, S. 12.

Adolf Rohden

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1859 in Sende (jetzt Verl), gestorben 1919 in Verl
Amtmann von 1888 bis 1919

 

Lebensweg
Adolf Rohden wurde am 1. April 1859 in Sende (jetzt Verl) geboren. Er besuchte das Pro-Gymnasium in Rietberg und absolvierte dort die Obersekunda (Klasse 11). Im Anschluss an seine Schulzeit arbeitete Adolf Rohden seit 1878 bei seinem Vater „auf dem Amtsbureau in Verl und zeitweise bei Steuer-Empfänger Schröder in Rietberg als Gehilfe“[1]. Anschließend diente er beim 55. Infanterie-Regiment in Bielefeld als Einjährig-Freiwilliger, um nach Ableistung des Militärdienstes zum 1. Oktober 1883 wieder als Verwaltungsgehilfe auf dem Amt in Verl bei seinem Vater tätig zu sein.[2] In den folgenden Jahren wurde der über 60-jährige Werner Rohden immer amtsmüder und sein Rücktritt schien sowohl der Amtsversammlung als auch den vorgesetzten Behörden wünschenswert. Sein Sohn Adolf empfahl sich durch seine jahrelangen Erfahrungen als rechte Hand seines Vaters als Nachfolger, zumal sich kein anderer „angesehener Eingesessener“[3] für die Stelle anbot. Daher wurde Adolf Rohden am 1. April 1888 Amtmann des Amtes Verl. Er war nun ein ernannter Beamter, der sowohl staatliche als auch gemeindliche Aufgaben wahrnahm.
Adolf Rohden starb am 14. September 1919 als Amtmann in Verl.

 

Amtsführung
Als Adolf Rohden am 1. April 1913 sein 25-jähriges Dienstjubiläum beging, feierten ihn seine Gäste als die treibende Kraft hinter der glänzenden Entwicklung des Amtes Verl und zählten dabei die Kultivierung von Ödländereien, die Entwässerung von sumpfigen Geländen, die Bildung zahlreicher Rentengüter, die Förderung des ländlichen Genossenschaftswesens, zahlreiche Straßen- und Schulbauten als Verdienste des Amtmanns auf. Besonders eingesetzt hatte sich Adolf Rohden für zwei Bahnlinien, die inzwischen durch das Amt Verl führten – diejenige von Brackwede über Schloß Holte nach Hövelhof und Paderborn und diejenige von Gütersloh über Verl und Kaunitz nach Hövelhof und Paderborn. Auch sie hatten dem wirtschaftlichen Leben im Amt Verl zu seinem großen Aufschwung verholfen.

 

Doch nicht nur, weil er ein fähiger Amtmann war, erfreute sich Adolf Rohden großer Beliebtheit. Die Menschen schätzten ihn als einen der ihren, denn weil er in Verl geboren und aufgewachsen war, sprach er das Verler Platt. Außerdem pflegte er als Vorsitzender der vereinigten Schützengilden Verl und Kaunitz von 1893 bis 1919 die Geselligkeit.

 

Adolf Rohden starb 1919 nach „längerem“ und „schwerem Leiden“ im Alter von nur 60 Jahren. Die Nachrufe erklärten, dass der Erste Weltkrieg mit dem bedrückenden Sterben der Männer aus dem Amt Verl an den Fronten und mit seinen belastenden Anforderungen an den Verwaltungsleiter dem Amtmann seine Lebenskraft genommen hätte.[4] Weit über seinen Tod hinaus blieb Adolf Rohden in Verl als „wirklicher Amtsvater“[5] in Erinnerung.

 

Quellen
Stadtarchiv (StA) Verl, B 86, Anstellung und Dienstführung des Amtmanns und Stellvertreters Vol. I, 1850-1887
Stadtarchiv Verl, C 51, Anstellung und Amtsführung des Amtmanns und seines Stellvertreters, 1919-1933
Stadtarchiv Verl, Schulchronik Sende-Ebbinghaus
Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV OWL), M 1 I E, Nr. 610, Die Amtmannstelle in Verl, Bd. 1, 1843-1857 (1859), und M 1 I E, Nr. 611, Die Amtmannstelle in Verl, Bd. 2, 1855-1897

 

Literatur
Heinrich Schroeder, Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der vereinigten Schützengilden Verl und Kaunitz 1833-1933, Verl 1933
Verler Spar- und Darlehenskassenverein e.G.m.u.H. zu Verl (Hg.), Heimatbuch des Verler Landes, Bielefeld 1936
A. S. (Aloys Schröder), Vor 75 Jahren wurde Adolf Rohden Amtmann von Verl. Erinnerungen an den unvergessenen Leiter des Amtes. Nachfolger seines Vaters, in: Die Glocke, 30/31. März 1963
Friedrich Adämmer, Udo Graffunder, Verl, unsere Gemeinde, Gütersloh 1991 (S. 24-27)

 


[1] Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV OWL), M 1 I E 610.

[2] Ebenda.

[3] Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten, Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 19. März 1856, § 70.

[4] Stadtarchiv (StA) Verl, B 86.

[5] Heimatbuch 1936, S. 34.

Heinrich Kleikemper

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1872 in Wadersloh, gestorben 1948 in Herzebrock
stellvertretender/kommissarischer Amtmann von Juni 1919 bis Januar 1920

 

Lebensweg
Heinrich Kleikemper wurde am 8. April 1872 in Wadersloh geboren. Nachdem er zunächst als Verwaltungsgehilfe in Rhede gearbeitet hatte und 1892/93 Verwaltungssekretär in Liesborn gewesen war, wechselte Heinrich Kleikemper nach Wadersloh, wo er von 1893 bis 1897 – unterbrochen von seinem zweijährigen Militärdienst – als Verwaltungssekretär tätig war. Zum 1. April 1897 wurde Heinrich Kleikemper Erster Sekretär im Amtsbüro in Herzebrock. Dort war er seit dem 1. Oktober 1903 auf einer neu eingerichteten Stelle Amtssekretär. Von Juni 1919 bis Januar 1920 war er erst stellvertretender und anschließend kommissarischer Amtmann in Verl, kehrte dann aber wieder auf seine alte Stelle in Herzebrock zurück.
Heinrich Kleikemper starb am 29. November 1948 in Herzebrock.

 

Amtsführung
Heinrich Kleikemper, bis dahin Amtssekretär in Herzebrock, kam im Juni 1919 als Stellvertreter des erkrankten Amtmanns Adolf Rohden nach Verl. Nach dessen Tod am 14. September 1919 wurde er kommissarischer Amtmann in Verl. Allerdings schilderte Landrat Edwin Klein der vorgesetzten Behörde bereits nach wenigen Wochen seinen Eindruck, dass Heinrich Kleikemper „für das 10 000 Seelen zählende Amt Verl, das infolge seiner starken Durchsetzung mit industrieller Arbeiterschaft wohl auch das schwierigste Amt im Kreise ist, nicht die geeignete Persönlichkeit ist. Wenn es ihm auch nicht an gutem Willen fehlt, so besitzt er doch nicht die Energie und Umsicht, um auf Dauer das besonders schwierige Amt sachgemäss verwalten zu können.“[1] So blieb Heinrich Kleikemper nur kurz in Verl, bis der Landrat am 8. Januar 1920 mit Wilhelm Runte einen geeigneter scheinenden Beamten als (zunächst kommissarischen) Amtmann einführte. Heinrich Kleikemper kehrte zurück nach Herzebrock und arbeitete dort wieder als Amtssekretär.

 

Quellen
Stadtarchiv (StA)Verl, PB A 2, Protokollbuch der Amtsvertretung Verl 1898-1921
Gemeindearchiv Herzebrock-Clarholz, Akten A 23, A 56 und B 3
Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV OWL), M 1 I E, Nr. 3399, Amtmann- bzw. Amtsbürgermeisterstelle des Amtes Verl 1898-1945

 


[1] Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV OWL), M 1 I E 3399.

Wilhelm Runte

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1879 in Paderborn, gestorben 1932 in Verl
Amtmann/Bürgermeister von 1920 bis 1932

 

Lebensweg
Wilhelm Runte wurde am 22. April 1879 in Paderborn geboren. Der Beamte war Leiter des Zweigfinanzamtes Halle in Westfalen, als 1914 der Erste Weltkrieg begann. Das machte es Wilhelm Runte unmöglich, die für ihn vorgesehene Stelle eines Amtmanns in Werther anzutreten. Stattdessen musste er als Offizier in den Krieg ziehen, in dem er eine schwere Verwundung erlitt und in französische Gefangenschaft geriet. 1919 nahm Wilhelm Runte seine Tätigkeit als Beamter wieder auf. Am 8. Januar 1920 führte ihn Landrat Edwin Klein als (zunächst kommissarischen) Amtmann in Verl ein. Nachdem die Amtsversammlung Wilhelm Runte am 17. Mai 1920 zum Amtmann gewählt hatte, erfolgte am 31. Mai 1920 seine Ernennung durch Dr. Bernhard Wuermeling, den Oberpräsidenten von Westfalen.
Wilhelm Runte starb am 8. Januar 1932 als Bürgermeister in Verl.

 

Amtsführung
Als Landrat Edwin Klein im Januar 1920 Wilhelm Runte als kommissarischen Amtmann in Verl einführte, trauerten die Einheimischen noch um ihren „Amtsvater“ Adolf Rohden. Er war seinem Vater Werner Rohden nach 37 Jahren auf dessen Stelle nachgefolgt und hatte von 1888 bis zu seinem Tod 1919 über 30 Jahre lang die Geschicke des Amtes gelenkt. Die Rohdens waren in beinahe 70 Jahren ganz mit Verl „verwachsen“[1], dort „heimisch“ und „vertraut“ geworden. „Gleichsam als Fremder“ übernahm jetzt Wilhelm Runte die Amtmannstelle und musste sich das Vertrauen der Bevölkerung erst erwerben. Doch er überzeugte sie durch seine Leistungen: Er ordnete die Amtsverwaltung neu, sodass sie die Aufgaben der wirtschaftlich schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bewältigen konnte, denn Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene, Erwerbslose und Inflationsgeschädigte bedurften der öffentlichen Fürsorge. Er förderte die Stromversorgung des Amtsbezirks und den Straßenbau durch die Sürenheide nach Gütersloh. Und Wilhelm Runte war zugewandt: „Er hatte für die Belange aller Berufe und Stände Verständnis“ und hörte auch demjenigen zu, der ihn auf Platt ansprach und dabei in Holzschuhen vor ihm stand: „He lustert, wam‘m auch met Holsche vo ähm steiht.“

 

Wilhelm Runte, der seit 1927 nicht mehr den Titel eines Amtmanns, sondern den eines Bürgermeisters führte, starb plötzlich und unerwartet im Januar 1932 in seinem 53. Lebensjahr an einem Herzleiden. Die Nachrufe in den Zeitungen würdigten ihn nicht nur als einen hervorragenden, pflichtbewussten Beamten, sondern auch als Menschen: „Die Verwaltung des Amtes erfordert, da die Interessen und Gesinnungen recht verschieden sind, einen kenntnisreichen, nachsichtigen, aber auch aufrechten Mann, einen ganzen Menschen. Und Herr Runte war ein solcher Mann. Möge er in Frieden ruhen und einen gleichwertigen Nachfolger finden.“

 

Quellen
Stadtarchiv (StA) Verl, C 51, Anstellung und Amtsführung des Amtmanns und seines Stellvertreters, 1919-1933

 

Literatur
Friedrich Adämmer, Udo Graffunder, Verl, unsere Gemeinde, Gütersloh 1991 (S. 27)

 


[1]Dieses und die folgenden Zitate aus den Nachrufen in Stadtarchiv (StA) Verl, C 51.

Josef Lükewille

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1893 in Senne II (jetzt Sennestadt), gestorben 1952 in Kaunitz
Bürgermeister/Amtsbürgermeister von 1932 bis 1945

 

Lebensweg[1]
Josef Lükewille wurde am 30. Juni 1893 in Senne II (jetzt Sennestadt) geboren. Seine Ausbildung bei der Amtsverwaltung Brackwede, die am 1. April 1913 begann, unterbrach vom 4. August 1914 bis zum 13. Januar 1919 der Kriegsdienst, den er als Leutnant der Reserve beendete. Von Brackwede wechselte Josef Lükewille am 1. Januar 1921 zur Stadtverwaltung Duisburg. Dort arbeitete er zuletzt als Stadtobersekretär. Nachdem die Amtsvertretung Verl ihn am 29. April 1932 zunächst zum kommissarischen Bürgermeister gewählt hatte, bestätigte sie am 30. August 1932 Josef Lükewilles Wahl zum Bürgermeister. Ab 1934 lautete sein Titel „Amtsbürgermeister“.
Vom 28. August 1939 an war Josef Lükewille erneut Soldat, bis mehrere Freistellungsanträge seines ehrenamtlichen Stellvertreters seine Entlassung aus dem aktiven Wehrdienst am 7. November 1941 und seine Rückkehr als Amtsbürgermeister bewirkten. Am 7. Juli 1945 interniert, wurde Josef Lükewille am 14. Oktober 1946 aus der Lagerhaft entlassen und zum 1. Mai 1947 in den Ruhestand versetzt – zunächst mit vollen Bezügen, die später jedoch auf 50% reduziert wurden. Nach einer erneuten Überprüfung gestand ihm der Entnazifizierungs-Berufungsausschuss in Detmold im November 1949 schließlich 80% seines Pensionsanspruchs zu.
Josef Lükewille starb am 28. März 1952 in Kaunitz.

 

Seine Amtszeit …
In der Sitzung der Amtsvertretung am 17. Mai 1932 führte Landrat Edwin Klein Josef Lükewille als kommissarischen Bürgermeister des Amtes Verl ein. Die Amtsvertreter hatten den Stadtobersekretär der Stadtverwaltung Duisburg am 29. April 1932 aus den Bewerbern für die Stelle ausgewählt. Am 30. August 1932 wählte die Amtsvertretung Josef Lükewille einstimmig zum Bürgermeister des Amtes Verl. Er stand nun dauerhaft an der Spitze sowohl der Amtsverwaltung als auch der Amts- und Gemeindevertretungen. Am 1. Mai 1933 trat Josef Lükewille in die NSDAP ein. Seit dem Inkrafttreten der Preußischen Amtsordnung vom 8. Oktober 1934 führte er den Titel „Amtsbürgermeister“. Der nationalsozialistische Staat gestaltete die Stelle „im Sinne des Führerprinzips aus“[2], d.h. die Gemeinde- und Amtsvertretungen verloren dem Amtsbürgermeister gegenüber jeglichen Einfluss. Aber auch der Amtsbürgermeister büßte an Gestaltungsmöglichkeiten ein, sank doch „die Kommunalverwaltung zur mittelbaren Staatsverwaltung herab, der Aufsichtsbehörde standen fortab erhebliche Überwachungs- und Eingriffsmöglichkeiten zu Gebote.“[3]

 

Drei Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, am 28. August 1939, zog die Wehrmacht Josef Lükewille ein. Mehrere dringende Freistellungsanträge seines ehrenamtlichen Stellvertreters, des Ortsbauernführers und NSDAP-Mitglieds Hermann Pähler vor der Holte genannt Brand, bewirkten schließlich seine Entlassung aus dem aktiven Wehrdienst, den er im November 1941 als Hauptmann der Reserve verließ. Josef Lükewille blieb Amtsbürgermeister über das Kriegsende hinaus, denn die Entstehung des großen Lagers für Displaced Persons[4] in Kaunitz im Frühjahr 1945 brachte so „schwierige Verhältnisse“ mit sich[5], dass sie sein ehrenamtlicher Stellvertreter nicht bewältigen konnte.

 

In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1945 internierte ihn die britische Militärregierung schließlich doch – wie alle nationalsozialistischen Bürgermeister und Beamte. Dies war Bestandteil der alliierten Politik zur Entnazifizierung, die Deutschland von allen Einflüssen des Nationalsozialismus befreien sollte. Am 14. Oktober 1946 aus der Internierung entlassen, reichte Josef Lükewille bereits am 8. November 1946 „seine politischen Fragebogen“ ein, „mit der Bitte, zum Zwecke der Pensionierung seine Entnazifizierung und Kategorisierung vorzunehmen.“[6] Als Grund für die gewünschte Frühpensionierung im Alter von nur 53 Jahren nannte er eine Herzschwäche.[7] Der Entnazifizierungsausschuss in Wiedenbrück hielt ihn zunächst für „politisch tragbar“. Dies entsprach der „Kategorie V-Entlastete“ der fünfstufigen Gliederung in „I-Hauptschuldige“, „II-Belastete“, „III-Minderbelastete“, „IV-Mitläufer“ und „V-Entlastete“.[8] Die Amtsverwaltung Verl versetzte Josef Lükewille zum 1. Mai 1947 mit voller Pension in den Ruhestand.

 

Doch dann erhielt der Entnazifizierungsausschuss in Wiedenbrück Material, das Josef Lükewille belastete. Wer den Ausschuss darauf aufmerksam machte, ist unklar. Die von ihm als Amtsbürgermeister unterzeichneten „Lageberichte[9] und sonstigen Meldungen“ zeigten nach Ansicht des Ausschusses, dass Josef Lükewille „doch eine stark pro-nationalsozialistische Einstellung während der Nazi-Zeit hatte“[10]. Deshalb hob der Ausschuss in seiner Sitzung am 16. Juli 1948 die Einstufung in die „Kategorie V“ auf und setzte den Pensionsanspruch um 50% herab. Diese Herabsetzung entsprach einer Einordnung in die „Kategorie III-Belastete“. Auch wenn Pensionäre nicht mehr im eigentlichen Sinn kategorisiert wurden, da sie kein aktives Amt mehr ausübten, wurden dennoch ihre Pensionsansprüche bemessen. Josef Lükewille legte Berufung gegen die Herabsetzung seiner Bezüge ein und bekam daraufhin bis zu einer erneuten Beurteilung weiter seine volle Pension. Nach zwei Sitzungen am 7. und 14. November 1949 gestand ihm der Entnazifizierungs-Berufungsausschuss in Detmold 80 % seines Pensionsanspruchs zu. Zwar waren die Mitglieder des Ausschusses nach Lage der Akten überzeugt, dass Josef Lükewille ein „Belasteter“ war, doch glaubten sie, „den vielen für Lükewille sehr günstigen Zeugenaussagen Rechnung tragen“[11] zu müssen und reduzierten seinen Pensionsanspruch daher lediglich um ein Fünftel.

 

… und ein Versuch einer politischen Einordnung
Weniger seine rein äußerliche politische Belastung als Mitglied der NSDAP und des SA-Reiterkorps, sondern die von ihm als Amtsbürgermeister unterzeichneten Lageberichte an den Landrat und weitere Meldungen belegen die nationalsozialistische Gesinnung Josef Lükewilles. Sie zeigen ihn vor allem als Gegner der katholischen Geistlichkeit und als Antisemit.

 

So denunzierte er die katholischen Geistlichen als „staatsfeindlich“[12] und setzte sie mit der Nennung ihrer Namen der Gefahr der Verhaftung durch die Gestapo aus. Die katholischen Vereine empfahl er aufzulösen, weil sie das Ziel hätten, „konfessionell und nicht deutsch denkende Arbeiter heranzubilden“[13]. Josef Lükewille diffamierte Mitglieder der jüdischen Familie Hope und forderte, wer nach der Pogromnacht am 9. November 1938 Mitleid mit Juden zeige, müsse verhaftet werden. Dies sollte der Bevölkerung erzieherisch „als Warnung“ dienen.[14] Seine Haltung spricht dafür, dass Josef Lükewille die Deportation des Landwirts Ferdinand Wester-Ebbinghaus als jüdischen „Mischling ersten Grades“ einzig aus wirtschaftlichen Beweggründen verhinderte. Er stellte fest, dass durch „den Abtransport des Westerebbinghaus für die Bewirtschaftung des großen Hofes Schwierigkeiten entstehen“ würden[15]. Dass der Hof weiterhin erfolgreich arbeiten konnte, war kriegswichtig. Ferdinand Wester-Ebbinghaus selbst erinnerte sich später: „Nur dem Umstand, daß ich es verstand, aus meinem Gutshof die größten landwirtschaftlichen Erträgnisse der Gemeinde heraus zu wirtschaften, verdanke ich meine Rettung aus Lebensgefahr.“[16]

 

Obwohl er demnach Josef Lükewilles Beweggründe für die Verhinderung seiner Deportation in ein Konzentrationslager kannte, schrieb Ferdinand Wester-Ebbinghaus am 15. Juni 1946 folgende Bestätigung: „Herr Lükewille war wohl Parteigenosse, doch bei weiten nicht mit allen Maßnahmen der Nationalsozialisten einverstanden. Ich bescheinige ihm gern, daß er mich im Herbst 1944 durch sein energisches Auftreten vor einer Verhaftung, die aus rassischen Gründen erfolgen sollte, bewahrte.“[17] Eine günstige Zeugenaussage – wie diejenigen, die der Entnazifizierungs-Berufungsausschuss im November 1949 zugunsten Josef Lükewilles berücksichtigte.

 

Nach seinem Tod 1952 bedachten die Lokalzeitungen den früheren Amtsbürgermeister mit ehrenden Nachrufen[18], obgleich sie alle 1948 über die Verhandlung gegen ihn vor dem Entnazifizierungsausschuss und die Halbierung seiner Pensionsansprüche berichtet hatten. Sogar noch über 70 Jahre nach Kriegsende äußerten Zeitzeugen, dass Josef Lükewille „eigentlich kein Nazi“ war.[19]

 

Der Vorsitzende des Entnazifizierungsausschusses erklärte diesen Widerspruch 1948 damit, dass Josef Lükewille ein „Doppelspiel“ betrieben hätte: Er trat „nach aussen (sic) hin anders auf, als wie er intern, d.h. seiner vorgesetzten Behörde bzw. der Partei gegenüber, handelte.“[20] Eine Zeitung berichtete aus dem Verhandlungssaal: „Der ehemalige NS-Amtsbürgermeister von Verl, Josef Lückewille (sic), erfreute sich großer Beliebtheit bei der Einwohnerschaft. Immer freundlich, höflich und korrekt, unterließ er es nicht, Lage- und Sonderberichte – in diesen Berichten fehlten selbstverständlich die Namen vieler Verler Einwohner nicht – an die Gestapo weiterzuleiten. (…) Vor dem Entnazifizierungsauschuß berief er sich natürlich auf seine ‚Pflicht‘; er mußte aber zugeben, in seinen Berichten weit darüber hinausgegangen zu sein.“[21] Josef Lükewille hatte sich weit mehr im Sinne des Nationalsozialismus engagiert, als für seine Amtsführung notwendig gewesen war.

 

Quellen
Stadtarchiv (StA) Verl, F 288, Personalakte Josef Lükewille
Stadtarchiv Verl, D 1354, Lageberichte 1934-1939
Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen (LAV OWL), M 1 I E, Nr. 3399, Amtmann- bzw. Bürgermeisterstelle des Amtes Verl, 1898-1945
Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, NW 1037-BV 3471, Entnazifizierung Josef Lükewille, 1948/49

 

Literatur
Volker Schockenhoff, „Unser liebes, gutes Verl hat alle Anziehungskraft für mich verloren.“ Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Verler Juden in der NS-Zeit, Verl 1994 (Heimatkundliche Schriftenreihe Heft 4, Heimatverein Verl)

 


[1] Die Darstellung des Lebensweges folgt der Personalakte Stadtarchiv (StA) Verl, F 288.

[2] Hans-Walter Schmuhl, Die Stadt unter dem Hakenkreuz, in: Geschichte der Stadt Gütersloh, Bielefeld 2001, S. 403-447, hier S. 417/418.

[3] Ebenda.

[4] Bei Kriegsende 1945 befanden sich etwa 6,5 bis 7 Millionen Zivilistinnen und Zivilisten aus anderen Ländern auf dem Gebiet des Deutschen Reiches, zumeist ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und befreite KZ-Häftlinge. Diese Menschen wurden von den Alliierten in sogenannten „DP-Camps“ („Displaced Persons Camps“, zu Deutsch etwa „Lager für Heimatlose“) untergebracht, um in der Folgezeit in ihre Heimatländer zurückgebracht zu werden. In Kaunitz handelte es sich anfangs um 830 Zwangsarbeiterinnen, die auf ihrem Marsch von Lippstadt, wo sie in der Rüstungsindustrie eingesetzt gewesen waren, ins KZ Bergen-Belsen, wo sie getötet werden sollten, am 1. April 1945 von amerikanischen Soldaten befreit worden waren. Seit dem 50. Jahrestag der Befreiung steht an deren Ort in der Straße Zum Sennebach eine entsprechende Gedenktafel.

[5] Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Ostwestfalen (LAV OWL), M 1 I E 3399.

[6] Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, NW 1037-BV 3471 (Entnazifizierung Josef Lükewille).

[7] StA Verl, F 288.

[8] Die Entnazifizierungsausschüsse behandelten die „leichten Fälle“ der Kategorien III, IV und V.

[9] Überliefert in StA Verl, D 1354.

[10] Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, NW 1037-BV 3471 (Entnazifizierung Josef Lükewille).

[11] StA Verl, F 288.

[12] StA Verl, D 1354.

[13] StA Verl, D 1354 – Martin Pollklas weist darauf in seiner Veröffentlichung „Der Kreis Wiedenbrück 1933-1936 in geheimen Lageberichten des Landrates“, Bielefeld 2002 (Veröffentlichungen aus dem Kreisarchiv Gütersloh 6), auf S. 98 hin. Das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 schützte die katholischen Vereine zunächst vor einem Verbot.

[14] Kreisarchiv Gütersloh, LRWD, Fach 34, Nr. 18 I/2 – zitiert nach Volker Schockenhoff, „Unser liebes, gutes Verl hat alle Anziehungskraft für mich verloren.“ Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Verler Juden in der NS-Zeit, Verl 1994 (Heimatkundliche Schriftenreihe Heft 4, Heimatverein Verl), S. 39.

[15] Stadtarchiv Verl, D 1349, sogenannte Judenakte, 1933-1964.

[16] Ferdinand Wester-Ebbinghaus, Politisches Führungszeugnis für Clemens Repohl, 12. Dezember 1946, Kopie aus einer Sammlung von Prof. Dr. Volker Schockenhoff, Fachhochschule Potsdam (inzwischen im Stadtarchiv (StA) Verl in der Sammlung „Kleine Erwerbungen“ (Kler) 62).

[17] Ferdinand Wester-Ebbinghaus, Bestätigung für Josef Lükewille, 15. Juni 1946, Kopie aus einer Sammlung von Prof. Dr. Volker Schockenhoff, Fachhochschule Potsdam (StA Verl, Kler 62).

[18] „Von 1932 bis zum Umsturz im Jahre 1945 hat er tatkräftig die Geschicke des großen Amtes Verl geleitet.“ (Westfalen-Zeitung, 31. März 1952) „Er war ein Verwaltungsfachmann von Format und hat die schweren Aufgaben der 30er Jahre zum Wohle seines Amtes meisterhaft gelöst.“ (Die Glocke, 2. April 1952) „Während seiner langen Tätigkeit hat er sich mit seltener Energie für die Belange des Amtes und seiner Gemeinden eingesetzt.“ (Freie Presse, 2. April 1952)

[19] Dr. Katja Kosubek, Bewahren der Erinnerung. Kriegs- und Nachkriegsgeschichte in Verl und Umgebung. Ein Zeitzeugenprojekt der Stadt Verl in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Verl (2017-2019). Die schriftlichen Zusammenfassungen der Zeitzeugengespräche und die Tondokumente befinden sich im Stadtarchiv Verl.

[20] Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, NW 1037-BV 3471.

[21] StA Verl, F 288, Freie Presse, 28. Juli 1948.

Carl Creutz

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1903 In Frankfurt/Main, gestorben 1985 in Stuttgart
Amtsbürgermeister von Juli bis Oktober 1945

 

Lebensweg
Carl Creutz wurde am 26. Dezember 1903 in Frankfurt/Main geboren. Vor dem Zweiten Weltkrieg war er Vorstandsmitglied einer Feuerversicherung in Süddeutschland.
Am 26. Juni 1945 heiratete er Gertrud Wester-Ebbinghaus, die Tochter einer alteingesessenen Verler Bauernfamilie. Ihre Mutter Hedwig stammte aus der jüdischen Familie Hope in Verl.
Carl Creutz starb am 10. Mai 1985 in Stuttgart.

 

Amtsführung
Nachdem die alliierte Militärpolizei den nationalsozialistischen Amtsbürgermeister Verls Anfang Juli 1945 verhaftet hatte, schlug Landrat Franz Kluthe der Militärregierung Carl Creutz als Nachfolger vor. Der war erst im Juni aus britischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden und hatte gerade in die alteingesessene Familie Wester-Ebbinghaus in Verl eingeheiratet. Obwohl der Landrat Carl Creutz nur wenige Wochen kannte, hielt er den früheren Versicherungsdirektor für fähig, in der von großer Not bestimmten Nachkriegszeit eine Verwaltung zu führen, bis ein politisch unbelasteter Beamter diese Aufgabe übernehmen konnte.


In ihrem Nachruf aus dem Jahr 1985 beschrieb die Gemeindeverwaltung Verl seine schwere Aufgabe so: „Carl Creutz war vom 25. Juli bis zum 25. Oktober 1945 Amtsbürgermeister in Verl. Die Leitung der Verwaltung in dieser kurzen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bestand hauptsächlich in der Lösung von Problemen, die die Nachkriegszeit mit sich brachte. Etwa die Unterbringung von Flüchtlingen, die Versorgung der Bevölkerung mit Kohle und sonstigem Heizmaterial und in der (sic) Bekämpfung der sich mehrenden Einbrüche.“[1] Als die britische Militärregierung zum 25. Oktober 1945 den Verwaltungsbeamten Dr. Paul Gärtner zum Amtsbürgermeister ernannte, war die Amtszeit von Carl Creutz beendet. Mit seiner Frau zog er bereits im November 1945 nach Stuttgart und arbeitete dort wieder für die Württembergische Versicherung.

 

Quellen
Stadtarchiv (StA) Verl, F 60, Presse 1982-1990
Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV OWL), M 1 I E, Nr. 3399, Amtmann- bzw. Amtsbürgermeisterstelle des Amtes Verl 1898-1945

 


[1] Stadtarchiv Verl (StA) Verl, F 60.

Dr. Paul Gärtner

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1896 in Dortmund, gestorben 1974 in Münster
Amtsbürgermeister/Amtsdirektor von 1945 bis 1961

 

Lebensweg[1]
Paul Gärtner wurde am 21. Januar 1896 in Dortmund geboren. Im Ersten Weltkrieg war er Soldat und nahm 1918 sein Studium an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster wieder auf, das er 1921 mit einer Arbeit über das mittelalterliche Armenwesen in Münster als „Dr. phil.“ abschloss. In den folgenden Jahren arbeitete er als leitender Angestellter für verschiedene Verwaltungen, Banken und den Westfälischen Bauernverein. 1936 verpflichtete sich Dr. Gärtner als Berufssoldat und war, unterbrochen von kurzen Fronteinsätzen in Russland und Polen, bis 1945 leitender Offizier in mehreren Wehrmeldeämtern.
Nach eigenen Angaben war Dr. Gärtner kein Mitglied der NSDAP – allerdings war während des aktiven Wehrdienstes eine politische Betätigung ohnehin verboten[2]. Er konnte daher als unbelastet gelten, so dass ihn die Militärregierung mit Wirkung vom 25. Oktober 1945 zum Amtsbürgermeister in Verl ernannte. Um deutlich zu machen, dass der Verwaltungsleiter – anders als während der Zeit des Nationalsozialismus – nicht mehr gleichzeitig auch den Amts- und Gemeindevertretungen vorstand, änderte die Militärregierung die Bezeichnung: Seit dem 14. Januar 1947 war Dr. Gärtner Amtsdirektor, während an der Spitze der politischen Vertreter in der Amtsversammlung und in den Gemeindeversammlungen ehrenamtliche Amts- und Gemeindebürgermeister standen. Im Alter von 65 Jahren ging Amtsdirektor Dr. Gärtner in den Ruhestand.
Dr. Gärtner starb am 26. November 1974 in Münster.

 

Amtsführung
In der Notzeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ernannte die Militärregierung Dr. Paul Gärtner mit Wirkung vom 25. Oktober 1945 zum Amtsbürgermeister in Verl. Als Leiter der Verwaltung war er in den kommenden Jahren damit beschäftigt, die unmittelbarsten Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen – darunter waren neben den Einheimischen anfangs auch entlassene Kriegsgefangene, ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie befreite Häftlinge aus Konzentrationslagern. Vor allem aber kamen Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten dauerhaft hinzu. Alle waren über Jahre hin auf die Zuteilung von Unterkünften, Nahrungsmitteln, Brennstoffen, Kleidung und Hausrat angewiesen, denn erst nach der Währungsreform im Juni 1948 gab es wieder „alles“ zu kaufen. Besonders dringlich war der Neubau der Dorfschule in Verl, die noch in den letzten Kriegstagen einem Brand zum Opfer gefallen war. Der Mangel an Arbeitskräften und an Baustoffen machte das Vorhaben zu einem Unterfangen, für das Dr. Gärtner „anfangs höchstpersönlich und an allen nur erdenklichen Stellen um Steine buchstäblich betteln mußte.“ Schließlich konnte er das Schulgebäude – den ältesten Teil der jetzigen Marienschule – im Januar 1950 nach dreijähriger Bauzeit einweihen.

 

In den ersten Monaten seiner Amtszeit erschwerte noch ein anderer Umstand Dr. Gärtners Arbeit: Er musste ohne gültige kommunale Gesetzgebung auskommen, „versehen mit dem einzigen Tip, weiter nach der deutschen Gemeindeordnung zu verfahren, aber diese Kommunalverfassung selbständig allen nationalsozialistischen Beiwerks zu entkleiden.“ Erst im April 1946 trat die „Revidierte Deutsche Gemeindeordnung“ in der britischen Besatzungszone in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt führte Dr. Gärtner bereits den Titel eines Amtsdirektors, als solcher nachträglich ordnungsgemäß bestätigt von der Amtsvertretung mit dem ehrenamtlichen Amtsbürgermeister an ihrer Spitze.

 

„Gute Jahre seines Lebens“ hatte Dr. Gärtner seiner Tätigkeit in Verl gewidmet. Dennoch fiel es ihm schwer, mit dem Erreichen der Altersgrenze 1961 in den Ruhestand zu gehen: „Ungern gebe ich meine Stellung auf, doch sehe ich ein, daß man mit 65 den Arbeitsbereich an eine jüngere Kraft abtreten muß!“

 

Quelle
Stadtarchiv (StA) Verl, F 284, Personalakte Dr. Paul Gärtner, 1945-1987

 


[1] Die Darstellung von Lebensweg und Amtsführung folgt der Akte Stadtarchiv (StA) Verl, F 284.

[2] Friedrich Altrichter, Der Reserveoffizier, Berlin 1941 (14. Aufl.), S. 10: „2. Das Verbot politischer Betätigung. Zu diesem Verbot gehört auch die Anordnung, dass die Zugehörigkeit zur NSDAP oder einer ihrer Gliederungen oder zu einem der angeschlossenen Verbände für die Dauer des aktiven Wehrdienstes ruht.“ (Zitiert nach www.wer-weiss-was.de/t/soldaten-und-nsdap-mitgliedschaft/2017091, eingesehen am 2. März 2020.)

Dr. Hans-Georg Klose

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1923 in Gelsenkirchen, gestorben 2002 in Münster
Amtsdirektor von 1961 bis 1969 / Gemeindedirektor von 1970 bis 1985

 

Lebensweg[1]
Hans-Georg Klose wurde am 16. November 1923 in Gelsenkirchen geboren. Am 1. August 1941, wenige Tage, nachdem er den Reifevermerk der Oberschule erhalten hatte, wurde er Soldat. Als Leutnant kam Hans-Georg Klose 1943 an die Ostfront und geriet im April 1945 in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst im Juni 1948 entlassen wurde. Ab Mai 1949 studierte Hans-Georg Klose Rechtswissenschaft in Münster. Er legte 1952 in Hamm das Erste und 1957 in Düsseldorf das Zweite Staatsexamen ab. Anschließend arbeitete Hans-Georg Klose zunächst als Anwaltsassessor in Essen und seit 1958 als juristischer Mitarbeiter bei der Stadtverwaltung Hamm. Im Januar 1960 promovierte er zum Doktor der Rechte. Nachdem ihn die Amtsversammlung in Verl im August 1960 zum nächsten Amtsdirektor gewählt hatte, verließ Dr. Klose im folgenden Jahr Hamm und trat zum 1. Februar 1961 seine Stelle in der Gemeinde am Ölbach an. Mit der kommunalen Neuordnung traten am 1. Januar 1970 die beiden neuen Großgemeinden Verl und Schloß Holte-Stukenbrock an die Stelle des Amtes Verl. Dr. Klose war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1985 Gemeindedirektor in Verl.
Dr. Klose starb am 3. November 2002 in Münster.

 

Amtsführung
Die Notzeit der Nachkriegsjahre war überwunden, als Dr. Klose 1961 als Leiter der Amtsverwaltung nach Verl kam. Auch wenn weiterhin der Bau von Wohnungen für Flüchtlinge und Vertriebene notwendig war, hatten sich die Verhältnisse gefestigt und er durfte mit der Verwaltung und der Politik den Blick in die Zukunft richten: So mussten Flächennutzungs- und Bebauungspläne für die einzelnen Gemeinden erstellt, die Bauaufsicht in die Amtsverwaltung geholt, bestehende Schulgebäude erweitert, eine Real- und eine Hauptschule für das Amtsgebiet eingerichtet, eine Markthalle in Kaunitz gebaut, eine Hauptdurchgangsstraße in Verl geschaffen und in allen Gemeinden die Kanalisation aufgebaut werden.

 

Ab Mitte der 1960er Jahre beschäftigte den Amtsdirektor zunehmend „die unruhige Zeit der Gemeindereform“. Sie führte zur Aufteilung des Amtes Verl mit seinen fünf politischen Gemeinden Verl, Bornholte, Sende, Österwiehe und Schloß Holte in die beiden neuen Großgemeinden Verl und Schloß Holte, das mit Stukenbrock zusammengeschlossen wurde. Aus dem Amtsdirektor mit einem Amt von 27.000 Einwohnerinnen und Einwohnern wurde so am 1. Januar 1970 plötzlich der Gemeindedirektor einer Gemeinde mit nurmehr 16.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Diese Gemeinde galt es zu entwickeln: Als gewählter Gemeindedirektor wirkte Dr. Klose mit an der Aufstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, an der Ansiedlung von Firmen und der Schaffung von Arbeitsplätzen, an der Einrichtung einer zentralen Wasserversorgung und an dem Anschluss an das Erdgasnetz. Seit 1977 vervollständigte das Gymnasium Verl das Schulzentrum mit Real- und Hauptschule. Im selben Jahr öffnete das Freibad.

 

Als Dr. Klose nach 24 Jahren und zwei Amtszeiten Ende Januar 1985 in den Ruhestand ging, hatte er Amt und Gemeinde Verl „maßgeblich beeinflusst und geprägt“. Der Mann, der von sich selbst sagte, dass er mit Freude Hauptgemeindebeamter gewesen sei, erhielt bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst im Januar 1985 als Anerkennung die Ehrengabe der Gemeinde Verl und im April 1985 das Bundesverdienstkreuz.

 

Quellen
Historische Zeitungsberichterstattung

 


[1] Die Darstellung von Lebensweg und Amtsführung folgt der historischen Zeitungsberichterstattung.

Klaus Hörsting

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1950 in Dülmen, gestorben 2014 in Verl
Gemeindedirektor von 1985 bis 1999 / Bürgermeister von 1999 bis 2004

 

Lebensweg[1]
Klaus Hörsting wurde am 28. April 1950 in Dülmen geboren. Nach dem Abitur 1968 studierte er Rechtswissenschaften in Münster. Dem Ersten Staatsexamen 1974 folgten zwei Jahre Wehrdienst. Nach einem Referendariat bei der Stadt Dülmen und dem Zweiten Staatsexamen 1978 leitete Klaus Hörsting seit 1979 das neu eingerichtete Rechtsamt der Stadt Dülmen. 1984 vom Verler Gemeinderat zum Gemeindedirektor gewählt, trat er im Februar 1985 sein Amt an.
Im Jahr 1999, als sich Klaus Hörsting in seiner zweiten Amtszeit als Gemeindedirektor befand, hob das Land Nordrhein-Westfalen die 1946 von der britischen Militärregierung eingeführte sogenannte Doppelspitze auf. Damit endete das Mit- und Nebeneinander eines Gemeindedirektors als Verwaltungsleiter und eines ehrenamtlichen Bürgermeisters an der Spitze der politischen Gemeinde zugunsten eines hauptamtlichen Bürgermeisters, der Verwaltungsleiter war und gleichzeitig an der Spitze der politischen Gemeinde stand. Klaus Hörsting stellte sich für die CDU als hauptamtlicher Bürgermeister zur Wahl, gewann diese und füllte das Amt über die Wahlperiode von fünf Jahren aus. Weil er jedoch kein zweites Mal kandidieren wollte, schied er im September 2004 aus seinem Amt aus.
Klaus Hörsting starb am 29. September 2014 in Verl.

 

Amtszeit
Klaus Hörsting fand 1985 in Verl ein gut eingerichtetes Gemeinwesen als neuen Wirkungskreis vor. Die erforderlichen öffentlichen Einrichtungen für die Allgemeinheit als so genannte „Infrastruktur der Daseinsvorsorge“ waren vorhanden mit Straßen- und Wegenetz, öffentlichem Nahverkehr, Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung, Müllabfuhr und Abwasserbeseitigung, Schulzentrum und Kindergärten, Kleinschwimmhalle und Freibad sowie den Freiwilligen Feuerwehren, die von der Gemeindeverwaltung finanziert wurden. Außerdem bestand damals noch ein Krankenhaus, das sich allerdings in der Trägerschaft der katholischen Kirche befand.

 

Doch die Entwicklung eines Gemeinwesens ist niemals abgeschlossen: Während der Amtszeit von Klaus Hörsting entstanden beispielsweise der „Ortskern-West“ um die neue Volksbank und die Bibliothek, „das medien.phile Haus“. Das Heimathaus, das die Gemeinde 1983 übernommen und dem Heimatverein zur Verfügung gestellt hatte, wurde 1986 eingeweiht und der Denkmalplatz wurde neu gestaltet. Kooperationen mit anderen Städten begannen – 1990 die Städtefreundschaft mit Annaburg in Sachsen-Anhalt und 1999 die Städtepartnerschaft mit Delphos in Ohio/USA. Verl und Delphos verbindet eine gemeinsame Geschichte, denn Pfarrer Johannes Otto Bredeick aus Verl-Bornholte hat die amerikanische Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet.

 

Mit mäßigen Grundstückpreisen, niedrigen Steuersätzen und unbürokratischem Entgegenkommen gelang es, Firmen an Verl zu binden, die viele Arbeitsplätze boten. Im Jahr 2001 pendelten erstmals mehr Menschen zur Arbeit nach Verl hinein als aus Verl heraus. Der Wohlstand der Gemeinde wuchs.

 

Doch trotz dieser vielversprechenden Entwicklung während seiner Amtszeit gab Klaus Hörsting bereits Anfang 2003 bekannt, im folgenden Jahr kein zweites Mal als Bürgermeister kandidieren zu wollen. Er begründete seine Entscheidung mit der Arbeitslast, die die doppelte Verantwortung als Verwaltungsleiter und an der Spitze der politischen Gemeinde mit sich gebracht hatte, und mit der Erkenntnis, dass er doch eher ein Mann der Verwaltung als der Politik sei. Viele Menschen, die Klaus Hörsting nicht nur als „bürgernahen und beliebten Bürgermeister“, sondern auch als begeistertes Mitglied verschiedener Vereine in Verl kannten, bedauerten seinen Entschluss sehr und bereiteten ihm im Oktober 2004 ein großes Abschiedsfest. Am 4. November 2004 folgte während der Sitzung des Gemeinderats Klaus Hörstings offizielle Verabschiedung.

 

Quellen
Zeitungsberichterstattung

 


[1] Die Darstellung von Lebensweg und Amtsführung folgt der Zeitungsberichterstattung.

Paul Hermreck

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1956 in Verl
Bürgermeister von 2004 bis 2015

 

Lebensweg[1]
Paul Hermreck wurde am 17. August 1956 in Verl geboren. Nach dem Abitur am Gymnasium Nepomucenum in Rietberg durchlief er in der Hauptstelle der „Westfälischen Provinzial“ in Münster eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann.
Er war ein erfahrener Kommunalpolitiker (CDU), als Bürgermeister Klaus Hörsting Anfang 2003 erklärte, sich 2004 nicht noch einmal zur Wahl zu stellen. Die CDU schlug Paul Hermreck als neuen Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters vor. Er gewann die Wahl zum Bürgermeister im September 2004 und auch die folgende im September 2009. Bei seiner dritten Kandidatur 2015 als Einzelbewerber konnte sich Paul Hermreck nicht durchsetzen. Bei der Kommunalwahl am 13. September 2020 zog er über die Reserveliste der FWG als Ratsmitglied in den Rat der Stadt Verl ein.

 

Amtsführung
Der Bau einer Sporthalle und einer Mensa am Schulzentrum, der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Verl, der Bau einer Nord-Ost-Umgehungsstraße sowie der Umbau und die Erweiterung des Rathauses waren bereits seit einiger Zeit Gegenstand der Beratung von Politik und Verwaltung gewesen. In seiner ersten Amtszeit begleitete Paul Hermreck die Umsetzung dieser Vorhaben.

 

Außerdem richtete Paul Hermreck eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit in der Gemeindeverwaltung ein. Sie sollte den Menschen das Verwaltungshandeln durch die Schaffung von Transparenz sowie die Ermunterung zur Bürgerbeteiligung verständlicher machen.

 

Der Umbau und die Erweiterung des Rathauses standen in enger Verbindung mit der Stadtwerdung am 1. Januar 2010, die Verl eine eigene Bauaufsicht und ein eigenes Jugendamt brachte. Paul Hermreck befand sich zu diesem Zeitpunkt in seiner zweiten Amtszeit und ließ über weitere Bauvorhaben beschließen, insbesondere über die Neugestaltung des Verler Ortskerns, die Erweiterung des Gymnasiums, den Neubau des Bauhofs, den Bau eines Nahversorgungszentrums in Sürenheide und den Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Kaunitz. Die Stadt Verl konnte sich das alles dank ihrer günstigen finanziellen Lage durch hohe Gewerbesteuereinnahmen leisten.

 

Ein drittes Mal als Bürgermeister kandidieren wollte Paul Hermreck zunächst nicht. Doch im März 2015 entschloss er sich, noch einmal anzutreten – dieses Mal unterlag er.

 

Quellen
Zeitungsberichterstattung

 


[1] Die Darstellung von Lebensweg und Amtsführung folgt der Zeitungsberichterstattung.

Die ehrenamtlichen Bürgermeister seit 1970

Hermann Dreismann

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1927 in Verl, gestorben 2012 in Verl
ehrenamtlicher Bürgermeister von 1970 bis 1971

 

Lebensweg[1]
Hermann Dreismann wurde am 8. März 1927 in Verl geboren. Nach der Schule erlernte er in Gütersloh den Beruf des Bandwebers. Ab 1964 arbeitete er als kaufmännischer Angestellter. Zu diesem Zeitpunkt war Hermann Dreismann neben seiner Berufstätigkeit bereits seit acht Jahren ehrenamtlicher Bürgermeister der alten Gemeinde Verl, die mit vier weiteren Gemeinden – Bornholte, Sende, Österwiehe und Liemke (ab 1964 Schloß Holte) – den Verwaltungsbezirk und Gemeindeverband Amt Verl bildete. Als jungen Mann von 25 Jahren hatten ihn die Wählerinnen und Wähler 1952 für die CDU in die Gemeindevertretung entsandt. Vier Jahre später, 1956, wählte ihn die Gemeindevertretung zum jüngsten Gemeindebürgermeister im Amt Verl. Damit stand Hermann Dreismann an der Spitze der politischen Gemeinde, die er auch in der Öffentlichkeit repräsentierte. Darüber hinaus musste er die Gemeindevertreter über alle wichtigen Gemeindeangelegenheiten unterrichten und die Sitzungen des Rates, der Ausschüsse und der Beiräte leiten.

 

Hermann Dreismann blieb Bürgermeister der alten Gemeinde Verl bis zum 31. Dezember 1969. Am nächsten Tag, dem 1. Januar 1970, traten durch die kommunale Neugliederung die beiden neuen Großgemeinden Verl und Schloß Holte-Stukenbrock an die Stelle des Amtes Verl. Auch die neuen Gemeinden benötigten Gemeindevertretungen und ehrenamtliche Gemeindebürgermeister, um politisch handlungsfähig zu sein. In Verl ernannte die CDU Hermann Dreismann zu ihrem Kandidaten für das Bürgermeisteramt und gewann mit ihm die Wahl am 15. März 1970. Doch wenige Wochen später, am 17. April, hatte Hermann Dreismann einen schweren Verkehrsunfall, von dem er sich nur langsam erholte. Aufgrund dessen konnte er sein Ehrenamt als Bürgermeister nicht mehr wahrnehmen und legte es schließlich am 14. April 1971 nieder. Er blieb jedoch Mitglied der Gemeindevertretung. Darüber hinaus betätigte er sich weiterhin ehrenamtlich, unter anderem in der Kolpingsfamilie, in der St.-Hubertus-Schützengilde und im Vorstand der Sparkasse.
Hermann Dreismann starb am 9. Februar 2021 in Verl.

 

Amtsführung
Nur gut einen Monat lang – von seiner Wahl am 15. März bis zu seinem schweren Verkehrsunfall am 17. April 1970 – übte Hermann Dreismann sein Amt als ehrenamtlicher Bürgermeister der jungen Großgemeinde Verl aus. In dieser kurzen Zeit konnte er kaum an ihrer Entwicklung mitwirken. Doch hatte er als ehrenamtlicher Bürgermeister der alten Gemeinde Verl in den Jahren 1956-1969 in der Gemeindevertretung wichtige Entscheidungen für das Werden und Wachsen der neuen Gemeinde Verl getroffen: Die Einrichtung der Real- und der Hauptschule bildete die Grundlage für die heutige Schullandschaft in Verl. Die Ausweisung von Gewerbegebieten in der Sürenheide sollte wirtschaftlichen Fortschritt ermöglichen, die Planung der Helfgerd-Siedlung und des Verler Sees sollte Verl auf städtebaulichem Gebiet in die Zukunft führen.


Hermann Dreismann selbst sagte später: „In meiner Amtszeit waren dem 18-köpfigen Rat die Schaffung von Arbeitsplätzen und die schulische Fortbildung auf unterschiedlichen Ebenen sowie das intakte Leben der Bürger das Wichtigste.“ Für seine jahrzehntelangen kommunalpolitischen Verdienste erhielt Hermann Dreismann am 14. November 1977 die Ehrengabe der Gemeinde Verl.

 


[1] Die Darstellung des Lebenswegs und der Amtsführung folgt der Zeitungsberichterstattung und Informationen des Chronisten Josef Freise.

Hubert Hermwille

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1911 in Verl-Bornholte, gestorben 2001 in Rietberg
ehrenamtlicher Bürgermeister von 1971 bis 1975

 

Lebensweg[1]
Hubert Hermwille wurde am 16. Mai 1911 in Bornholte geboren. Nach der Schule erlernte er das Tischlerhandwerk und legte bereits im Alter von 24 Jahren seine Meisterprüfung ab. Seit 1950 war Hubert Hermwille Mitglied der CDU und ab 1952 neben seiner Berufstätigkeit ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Bornholte, die mit vier weiteren Gemeinden – Verl, Sende, Österwiehe und Liemke (ab 1964 Schloß Holte) – den Verwaltungsbezirk und Gemeindeverband Amt Verl bildete. Damit stand Hubert Hermwille an der Spitze der politischen Gemeinde, die er auch in der Öffentlichkeit repräsentierte. Darüber hinaus musste er die Gemeindevertreter über alle wichtigen Gemeindeangelegenheiten unterrichten und die Sitzungen des Rates, der Ausschüsse und der Beiräte leiten.

 

Hubert Hermwille blieb Bürgermeister der alten Gemeinde Bornholte bis zum 31. Dezember 1969. Am nächsten Tag, dem 1. Januar 1970, traten durch die kommunale Neugliederung die beiden neuen Großgemeinden Verl und Schloß Holte-Stukenbrock an die Stelle des Amtes Verl. Unmittelbar anschließend ernannte der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen Hubert Hermwille zum „Beauftragten für die Wahrnehmung der Aufgaben des Rates“ in Verl, denn bis zu den Kommunalwahlen am 15. März 1970 waren die neuen Gemeinden noch ohne Gemeindevertretungen und Bürgermeister.

 

Nachdem der gerade gewählte Bürgermeister Hermann Dreismann im April 1970 einen schweren Verkehrsunfall hatte und sein Amt nicht mehr aktiv wahrnehmen konnte, wählte die Gemeindevertretung Hubert Hermwille im Juni desselben Jahres zum zweiten stellvertretenden Bürgermeister und im November zum ersten stellvertretenden Bürgermeister. Als Hermann Dreismann aus gesundheitlichen Gründen sein Amt am 14. April 1971 niederlegte, folgte ihm Hubert Hermwille als Bürgermeister bis zum Ende der Wahlperiode im Mai 1975 nach. Anschließend blieb er Mitglied der Gemeindevertretung. Daneben verfolgte er seine weiteren ehrenamtlichen Tätigkeiten, unter anderem in der Kolpingsfamilie, in der St.-Hubertus-Schützengilde, im Männergesangverein „Liedertafel“, im Vorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Anna Verl und im Vorstand des Schulverbands Rietberg-Verl.
Hubert Hermwille starb am 11. August 2001 in Rietberg.

 

Amtsführung
Als Kommunalpolitiker mit langjähriger Erfahrung trug Hubert Hermwille als ehrenamtlicher Bürgermeister gemeinsam mit der Gemeindevertretung und mit dem Gemeindedirektor Dr. Hans-Georg Klose als Gegenüber in der Gemeindeverwaltung maßgeblich zur Gestaltung der frühen Jahre der jungen Großgemeinde Verl bei. Schwerpunkte waren die Aufstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, die Ansiedlung von Firmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Einrichtung einer zentralen Trinkwasserversorgung, der Bau von eigenen Kindergärten, der Bau der Hauptschule und die Weiterentwicklung der Schullandschaft, die Weiterverfolgung von Straßenbauten sowie der weitere Ausbau der Straßenbeleuchtung. Für diese umfangreichen Infrastrukturprojekte schien die Aufnahme von Schulden in Millionenhöhe gerechtfertigt.

 

Für die Jahrzehnte seines ehrenamtlichen Wirkens als „Mann des Ausgleichs“ erhielt Hubert Hermwille am 14. November 1975 das Bundesverdienstkreuz und am 14. November 1977 die Ehrengabe der Gemeinde Verl.

 


[1] Die Darstellung des Lebenswegs und der Amtsführung folgt der Zeitungsberichterstattung und Informationen des Chronisten Josef Freise.

Josef Lakämper

 

Lebensdaten und Dienstzeit
geboren 1938 in Verl
ehrenamtlicher Bürgermeister von 1975 bis 1999
ehrenamtlicher Erster stellvertretender Bürgermeister von 1999 bis 2013

 

Lebensweg[1]
Josef Lakämper wurde am 14. September 1938 geboren. Die Familie lebte nahe Kaunitz in Liemke. Nach der Schule erlernte er den Beruf des kaufmännischen Angestellten. Seit 1964 Mitglied der CDU, gehörte Josef Lakämper seit dem 15. März 1970 der ersten Gemeindevertretung der neuen Großgemeinde Verl an. Im Oktober 1970 wurde er Vorsitzender des neuen großen CDU-Ortsverbands Verl und am 15. Mai 1975 wählte ihn die Gemeindevertretung zum ehrenamtlichen Bürgermeister. Damit stand Josef Lakämper an der Spitze der politischen Gemeinde, die er auch in der Öffentlichkeit repräsentierte. Darüber hinaus musste er die Gemeindevertreter über alle wichtigen Gemeindeangelegenheiten unterrichten und die Sitzungen des Rates, der Ausschüsse und Beiräte leiten. Sein Arbeitgeber gewährte Josef Lakämper den erforderlichen Freiraum, um seine vielfältigen Aufgaben als ehrenamtlicher Bürgermeister wahrnehmen zu können. Daneben füllte Josef Lakämper noch weitere Ehrenämter aus: So war er Vorsitzender der Kolpingsfamilie Kaunitz und Brudermeister der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft.

 

Die Reform der Gemeindeordnung 1999 hob die aus einem Gemeindedirektor und einem ehrenamtlichen Bürgermeister bestehende sogenannte Doppelspitze auf. Jetzt stand ein hauptamtlicher Bürgermeister an der Spitze der politischen Gemeinde und führte gleichzeitig die Gemeindeverwaltung. Dieser hauptamtliche Bürgermeister erhielt einen ehrenamtlichen Stellvertreter für repräsentative Aufgaben, den Ersten stellvertretenden Bürgermeister. Nach der Kommunalwahl im September 1999 verabschiedete die Gemeinde Verl Josef Lakämper als ehrenamtlichen Bürgermeister, um ihn am 1. Oktober 1999 umgehend als gewählten Ersten stellvertretenden Bürgermeister erneut zu begrüßen. Nachdem ihn die Gemeindevertretung auch 2004 und 2009 in dieses Amt gewählt hatte, beschloss Josef Lakämper, es nach seinem 75. Geburtstag zum 30. September 2013 niederzulegen. Am 3. Juli 2014 schied er auch aus der Gemeindevertretung aus, der er 44 Jahre lang ununterbrochen angehört hatte.

 

Amtsführung
Über acht Wahlperioden hinweg, 38 Jahre lang, hat Josef Lakämper die Entwicklung der damaligen Gemeinde und heutigen Stadt Verl zu einem blühenden und wohlhabenden Gemeinwesen begleitet und maßgeblich mitgestaltet. Bei seiner ersten Vereidigung 1975 betonte er, die für die noch junge Großgemeinde Verl begonnenen Planungen fortführen zu wollen. Sie umfassten den Bau eines Freibads, eines Gymnasiums, der Grundschule Am Bühlbusch und weiterer Kindergärten, nachdem die politische Gemeinde schon 1973 in Kaunitz ihren ersten eigenen Kindergarten eröffnet hatte. Außerdem befürwortete er die Erhaltung des St.-Anna-Hospitals. Als die Landespolitik dies unmöglich machte, setzte sich Josef Lakämper in den 1980er Jahren für die Umwidmung des Krankenhauses in ein Altenheim ein. Weiterhin förderte er die Einrichtung des Heimathauses in der Sender Straße.

 

Bereits am 13. Dezember 1990, nur wenige Wochen nach dem Ende der DDR, unterzeichnete Josef Lakämper gemeinsam mit Gemeindedirektor Klaus Hörsting den Freundschaftsvertrag mit der Stadt Annaburg in Sachsen-Anhalt, deren Verwaltung die Gemeinde Verl um Amtshilfe gebeten hatte. Auch die Urkunde über die Städtepartnerschaft mit der Stadt Delphos in Ohio/USA konnte er am 31. März 1999 gemeinsam mit Gemeindedirektor Klaus Hörsting unterzeichnen. Verl und Delphos verbindet eine gemeinsame Geschichte, denn Pfarrer Johannes Otto Bredeick aus Verl-Bornholte hat die amerikanische Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet.

 

Als Erster stellvertretender Bürgermeister befürwortete Josef Lakämper die Stadtwerdung Verls zum 1. Januar 2010. Für seinen vorbildlichen Einsatz erhielt er eine Vielzahl von Ehrungen. Am 23. April 1993 überreichte Landrat Franz-Josef Balke ihm im Rahmen einer Feierstunde im Rathaus das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Als Wegmarken seines Wirkens nannten die Redner die Errichtung des Freibads und des Gymnasiums, die Eröffnung des Heimathauses und die Förderung der Freundschaft mit Annaburg. Sie würdigten Josef Lakämper als einen Mann, den sein christlicher Glaube trage und der einen fairen Umgang mit den anderen Parteien in der Gemeindevertretung, ein gutes Verhältnis zur Verwaltung sowie eine respektvolle Zusammenarbeit mit dem Gemeindedirektor im Rahmen der Doppelspitze pflege.

 

Nach weiteren 20 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit legte Josef Lakämper sein Amt 2013 nieder und schied ein Jahr später auf eigenen Wunsch auch aus dem Stadtrat aus. Der Rat der Stadt Verl verlieh ihm für seine langjährigen Verdienste am 5. Dezember 2016 den neugeschaffenen Titel eines „Altbürgermeisters“.

 


[1] Die Darstellung des Lebenswegs und der Amtsführung folgt der Zeitungsberichterstattung und Informationen des Chronisten Josef Freise.