Meilenstein im Projekt AuToRail OWL: Testfeld in Kaunitz eröffnet

Am Alten Bahnhof in Kaunitz ist jetzt das Testfeld für das Projekt AuToRail OWL eröffnet worden. Die Hochschule Bielefeld (HSBI) will dort bekanntlich ein Zweiwegefahrzeug entwickeln, das sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene automatisiert fahren kann. Neben der HSBI sind an dem Projekt auch die Universität Bielefeld, die Technische Hochschule OWL (TH OWL) und die Verler Immobilien- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (VIW) beteiligt.

Für das Testfeld wurden die Holz- gegen Betonschwellen ausgetauscht und die Fläche an den Gleisen asphaltiert. Dadurch ist eine bahnübergangsähnliche Situation entstanden. Außerdem wurde eine Halle für das Testfahrzeug gebaut und ein Bürocontainer errichtet. Auch ein Rangierfahrzeug ist bereits angeschafft, dem wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HSBI sowie der TH OWL gemeinsam mit Forschenden der Universität Bielefeld das automatisierte Ein- und Ausgleisen „beibringen“ werden. Der Wechsel zwischen Straße und Schiene – und umgekehrt – soll mit möglichst geringem Zeitverlust erfolgen und ohne zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen in das bestehende Schienennetz integriert werden können. Der Vorteil: Zeitintensives Umladen von Gütern oder Umsteigen von Personen entfällt, Kosten und Reisezeiten werden minimiert.

„Mit dem Testfeld bringt die HSBI die Forschung direkt nach Verl“, freute sich Bürgermeister Robin Rieksneuwöhner bei der Eröffnung der Versuchsstrecke. „Besonders spannend finde ich, dass es vor Ort auch regelmäßige Aktionen geben soll, bei denen Interessierte die Technik live erleben können. So wird das Projekt viel greifbarer für die Bürgerinnen und Bürger“, so der Bürgermeister weiter. Projektleiter Prof. Dr. Rolf Naumann von der HSBI ergänzte: „Das Testfeld wird nicht nur zu einem wichtigen Forschungsstandort, sondern auch zu einem sichtbaren Teil der regionalen Entwicklung und des Fortschritts in der Mobilität.“

Mit dem automatisierten Wechsel von Schiene und Straßesind auch Reaktivierungen von nicht mehr lückenlos erhaltenen Bahnstrecken denkbar, da Teilstrecken auf der Straße zurückgelegt werden können. Insbesondere viele ländliche Bahnstrecken mit zum Teil eingleisigen Abschnitten sind oft nur gering ausgelastet. Projektleiter Rolf Naumann: „Unser Fahrzeugkonzept zielt darauf ab, dieses Potenzial zu erschließen, indem es die Strecken automatisiert und flexibel nutzt, einschließlich einer Ausweichfunktion, die durch das Ausgleisen an geeigneter Stelle den Begegnungsverkehr auf eingleisigen Abschnitten ermöglicht. Dabei bleibt auch eine konventionelle Nutzung der Strecke weiterhin möglich.“

Durch die Möglichkeit, Teilstrecken zum nächsten Gleis auf der Straße zurückzulegen und an Bahnübergängen einzugleisen, erschließt das Projekt die Schiene ohne Umladevorgang auch für Unternehmen ohne unmittelbaren Gleisanschluss. So kann das Projekt langfristig einen Beitrag zur Lösung des „Letzte-Meile-Problems“ leisten, das in der Praxis oftmals ein großes Hindernis für den Bahnverkehr darstellt. 

Doch zunächst geht es um die Entwicklung und Realisierung des automatisierten Ein- und Ausgleisvorgangs. Seit gut zwei Jahren arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits virtuell an dem Vorhaben. Nun kann vor Ort getestet werden, was bislang nur in Simulationsprogrammen berechnet wurde. Bis zu den ersten Fahrversuchen muss das Rangierfahrzeug allerdings noch entsprechend ertüchtigt werden: Die Verkabelung und Integration der Hardware steht ebenso aus wie das Anbringen der Sensorik.

Das 7,5 Tonnen schwere Fahrzeug wurde nach einem Ausschreibungsprozess nach den Vorgaben der Wissenschaftler gefertigt. Es fährt vollelektrisch, wird über einen Akku mit Energie versorgt und ist für den Systemwechsel mit hydraulisch an- und absenkbaren Schienenradsätzen ausgestattet. Die Forschungsergebnisse bilden die Grundlage für zukünftige Zweiwegefahrzeuge und zur Initiierung weiterer Projekte.

Zur Projektseite der HSBI: https://www.autorail-owl.de

Zur Themenseite der Stadt Verl: AuToRail OWL

Meldungsarchiv

Vielen Dank fürs Weitersagen.

AuToRail

Weitere aktuelle Meldungen

Kurz berichtet