Wie gut ist die Stadt Verl für aktuelle und künftige Herausforderungen aufgestellt? Dieser Frage ist die Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen (gpaNRW) im Rahmen ihrer turnusmäßigen Prüfung nachgegangen. Die Ergebnisse wurden jetzt im Haupt-, Finanz- und Digitalisierungsausschuss vorgestellt. Das Fazit: Die Stadt Verl ist in vielen Bereichen gut aufgestellt und hat bereits wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Zugleich zeigt der Prüfungsbericht weitere Möglichkeiten auf, Abläufe und Strukturen zu verbessern.
Besonders positiv fällt der Blick auf die finanzielle Entwicklung der vergangenen Jahre aus: Von 2019 bis 2025 erzielte die Stadt durchweg positive Jahresergebnisse. Das Eigenkapital ist dadurch gewachsen und liegt im interkommunalen Vergleich über dem Durchschnitt. Auch die Gesamtverbindlichkeiten je Einwohnerin und Einwohner sind vergleichsweise niedrig. Allerdings werden die finanziellen Spielräume in den kommenden Jahren voraussichtlich kleiner.
Gut aufgestellt sieht die gpaNRW die Stadt auch bei der Haushaltssteuerung sowie in den Bereichen Personal, Organisation und IT. Hervorgehoben werden insbesondere die strategische Ausrichtung der Personalentwicklung, der gute Digitalisierungsstand und das bereits gut organisierte IT-Service-Management. Bürgerinnen und Bürger können zahlreiche Dienstleistungen online erledigen. Auch bei der Zahlungsabwicklung hat die Stadt bereits während der Prüfung Empfehlungen aufgegriffen und beispielsweise Vorgaben für digitale Bezahlmöglichkeiten vorbereitet.
Positive Ergebnisse gibt es außerdem bei den Hilfen zur Erziehung: Hier erzielt Verl im interkommunalen Vergleich die zweitniedrigsten Aufwendungen je Einwohnerin und Einwohner. Dazu trägt insbesondere der hohe Anteil ambulanter Hilfen bei. Im Krisenmanagement hat die Stadt ebenfalls wichtige Grundlagen geschaffen. Ein Stab für außergewöhnliche Ereignisse ist eingerichtet, Zuständigkeiten und Kommunikationswege sind verbindlich geregelt.
Neben diesen positiven Ergebnissen enthält der Prüfungsbericht weitere Anregungen, beispielsweise zu einheitlichen Standards bei Investitionsentscheidungen, regelmäßigen Übungen für den Krisenstab und zur weiteren Optimierung von Abläufen in der Kinder- und Jugendhilfe.
„Wie viele Städte steht Verl nach guten Jahren finanziell vor deutlichen Herausforderungen. Unser Prüfungsbericht zeigt Möglichkeiten auf, wo Spielräume genutzt werden können, um die finanziellen Belastungen abzufedern und die bereits guten Organisationsstrukturen noch weiter zu optimieren“, erklärte Simone Kaspar, stellvertretende Präsidentin der gpaNRW.
Bürgermeister Robin Rieksneuwöhner sieht in dem Bericht eine hilfreiche Ergänzung zu den bereits laufenden Optimierungsprozessen in der Verwaltung: „Wir wissen natürlich, dass die finanziellen Spielräume für Kommunen aufgrund einer strukturellen Unterfinanzierung der kommunalen Ebene bundesweit enger werden. Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen, wo wir selbst beispielsweise Prozesse noch verbessern oder digitalisieren können. Daran arbeiten wir bereits tagtäglich, wie ich auch in meiner Haushaltsrede deutlich gemacht habe. Die Anregungen aus dem Prüfungsbericht nehmen wir gerne auf und schauen uns genau an, was davon für Verl sinnvoll und in der Praxis umsetzbar ist.“
Im Bild (von links): Dirk Hildebrandt (Leiter Fachbereich Zentrale Dienste), Barbara Schmidt (Leiterin Fachbereich Finanzen), Erster Beigeordneter Thorsten Herbst, Bürgermeister Robin Rieksneuwöhner, Jutta von Lüdinghausen (Leiterin Stabsstelle Digitalisierung), Simone Kaspar (Stellvertreterin des Präsidenten der gpaNRW), Patrick Bullermann (Leiter Fachbereich Jugend), Ute Ledebur (Projektleiterin gpaNRW), Felix Furmanek (Prüfer gpaNRW) und Corinna Bauerfeld (Prüferin gpaNRW).