Der Jugendhilfeausschuss nimmt unter den Fachausschüssen eine besondere Rolle ein: Gemeinsam mit der Verwaltung bildet er die zwei tragenden Säulen des Jugendamtes. Diese Sonderstellung sowie die damit verbundenen Aufgaben, Rechte und Pflichten standen jetzt im Mittelpunkt eines gemeinsamen Workshops der Jugendhilfeausschüsse der Stadt Verl und des Kreises Gütersloh. Teilgenommen haben Politikerinnen und Politiker, beratende Mitglieder beider Ausschüsse sowie Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung.
Als Referent führte Thomas Fink von der Fachberatung Jugendhilfeplanung und Organisationsberatung des LWL-Landesjugendamtes durch die Veranstaltung im Ratssaal der Stadt Verl. „Uns ist es ein Anliegen, den Jugendhilfeausschüssen eine Starthilfe zu geben“, betonte er. Alle fünf Jahre, wenn nach den Kommunalwahlen viele neue Ausschussmitglieder ihre Arbeit aufnehmen, startet er dafür eine Tour durch Westfalen-Lippe.
Das Jugendamt setzt sich aus dem Jugendhilfeausschuss und der Verwaltung zusammen. Die Verwaltung übernimmt die laufenden Geschäfte, also wiederkehrende Aufgaben und Routineprozesse, eigenständig. Grundsatzfragen sowie Themen von politischer, rechtlicher oder wirtschaftlicher Bedeutung zählen jedoch nicht zu den laufenden Geschäften. „Verwaltungen haben in der Regel ein gutes Gespür dafür, wann es Zeit ist, ein Thema in die Politik zu geben“, erklärte Fink. Gleichzeitig ermutigte er die Ausschussmitglieder, Themen aktiv aufzugreifen und in die politische Diskussion einzubringen. Der Jugendhilfeausschuss kann beispielsweise festlegen, sich mit einem Neubaugebiet zu befassen, wenn damit Fragen der Kita-Versorgung verbunden sind.
Eine weitere Besonderheit ist die Zusammensetzung des Ausschusses: Neben den stimmberechtigten Mitgliedern wirken auch beratende Mitglieder ohne Stimmrecht mit, etwa aus Kirche, Sport, Polizei, Justiz und Verbänden. „Gerade die beratenden Mitglieder bereichern die Debatte durch ihre unterschiedlichen Perspektiven. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu anderen Ausschüssen“, hob Fink hervor. In Nordrhein-Westfalen gehören zudem die Hauptverwaltungsbeamten oder ihre Stellvertretungen grundsätzlich zu den beratenden Mitgliedern. Für die Stadt Verl sind dies Bürgermeister Robin Rieksneuwöhner und die Beigeordnete Katrin Vilmar, für den Kreis Gütersloh Landrätin Ina Laukötter und Kreisdirektorin Susanne Koch.
Unter dem Stichwort „Blick aus der Vogelperspektive“ widmete sich Fink abschließend den aktuellen und künftigen Herausforderungen der Jugendhilfe. „Ich kann Ihnen versprechen: Die nächsten fünf Jahre werden nicht langweilig“, sagte er. Als Beispiel nannte er die sinkende Nachfrage nach Kitaplätzen und die daraus resultierenden Folgen für Planung und Strukturen.
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Im Ratssaal des Verler Rathauses kamen zum Workshop Jugendhilfeausschuss zusammen: (1. Reihe v. l.) Katrin Vilmar (Beigeordnete der Stadt Verl), Patrick Bullermann (Leiter des Fachbereichs Jugend der Stadt Verl), Referent Thomas Fink, Kreisdirektorin Susanne Koch und Ilona Overath (Leiterin der Abteilung Jugend beim Kreis) sowie (hinten im Bild) Politikerinnen und Politiker, weitere stimmberechtigte und beratende Mitglieder beider Jugendhilfeausschüsse und Mitarbeitende des Verler Jugendamts.



